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Unternehmerinnen-Netzwerk „Vielfalt macht erfolgreich“

13.09.2010 ·  „Ist es politisch gefragt, etwas von Leuten mit ausländischen Wurzeln zu lernen?“, fragt Isinay Kemmler. Aus der Sicht der in Istanbul geborenen Unternehmensberaterin und Chefin eines Unternehmerinnen-Netzwerks ist Interkulturalität von Vorteil.

Von Thorsten Winter
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Die Worte sprudeln aus ihr hervor wie Mineralwasser aus einer geschüttelten Flasche. „Ist es politisch gefragt, etwas von Leuten mit ausländischen Wurzeln zu lernen?“, fragt Isinay Kemmler und schiebt nur einen Wimpernschlag später nach: „Wir wollen nicht in die Ecke der Bedürftigen oder jener gestellt werden, die stören.“ Schließlich gebe es in der Türkei mehr Frauen in hohen Positionen und Unternehmerinnen wie sie selbst als hierzulande. „Wann kommen wir endlich an?“, fragt sie mit Blick auf die Integrationsdebatte, die der Buchautor Thilo Sarrazin mit seinen Vorwürfen gegen Zuwanderer angestoßen hat, und hebt die Hände zur Stuckdecke in ihrem Büro an der Schillerstraße in Frankfurt.

Dabei ist die 1968 in Istanbul geborene Unternehmensberaterin und Gründerin eines Netzwerks interkultureller Unternehmerinnen in Deutschland selbst längst angekommen, in mehrfacher Hinsicht. Nachdem sie in ihrer Geburtsstadt im Goethe-Institut Deutsch gelernt und an einer englischsprachigen Hochschule „International Relations“ studiert hatte, kam sie nach Deutschland. Obwohl sie ein Stipendium für die renommierte Universität Berkeley in der Tasche hatte, wie sie erzählt. Doch zog sie den Umzug nach Marburg an der Lahn dem Leben in Kalifornien „aus Liebe zur deutschen Sprache“ vor.

Beraterin für Mittelständler

Dort studierte sie Politikwissenschaften, Volkswirtschaftslehre und Medienwissenschaften und machte nach dem Bachelor in der Türkei noch ihr Diplom. Obwohl sie sich, gerade Mutter eines Jungen geworden, auf Stellen bewarb, für die sie sich überqualifiziert fühlte, bekam sie anfangs keinen Job. Doch ließ sie nicht locker, durchlief ein Auswahlverfahren und wurde von einem IT-Dienstleister eingestellt. Das war Mitte der neunziger Jahre.

Vor fünf Jahren gründete die Frau mit feinen roten Strähnchen im wallenden dunkelbraunen Haar ihr eigenes Unternehmen mit internationalem Marketing als Spezialgebiet. Das heißt: Sie berät Mittelständler, die in Schwellenländer streben, und beschäftigt zwei festangestellte Mitarbeiterinnen. Damit ist sie in guter Gesellschaft. Wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag berichtet, werden Migranten in diesem Jahr bundesweit 150.000 Arbeitsplätze schaffen. Seit diesem März steht Kemmler auch dem Iku-Net genannten Verein Netzwerk interkultureller Unternehmerinnen vor, der erst im Frühjahr gegründet wurde und bisher zwölf Mitglieder hat. „Wir haben ein Netzwerk von Unternehmerinnen mit ausländischen Wurzeln gesucht – das gab’s aber nicht“, berichtet sie.

Den Perspektivenwechsel leben

Davon abgesehen sollte es kein Migrantinnen-Netzwerk sein. Denn die mit einem deutschen Arzt verheiratete Kemmler und ihre Vereinskolleginnen interpretieren Interkulturalität weit: Interkulturell geprägt sind demnach im Ausland geborene Menschen, solche, die Jahre im Ausland tätig waren oder die oft mit Frauen und Männern aus anderen Ländern zu tun haben.

Interkulturell geprägte Menschen, so ihre These, leben den Perspektivenwechsel, können sich besser in andere Personen hineinfühlen und in der globalisierten Welt neue Ideen leichter an den Markt bringen. Betriebe profitierten von Mitarbeiter aus unterschiedlichen Kulturkreisen: „Vielfalt macht erfolgreich.“

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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