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Unternehmen Publicis zieht „dahin, wo etwas entsteht“

25.08.2009 ·  Die Werbeagentur Publicis hat ihr neues Domizil im Frankfurter Ostend bezogen. Der „Kreativcampus“ Schwedler Carré und die Hanauer Landstraße als „Creative Avenue“ gewinnen damit an Kontur.

Von Tim Kanning
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Der verknotete Löffel von Maggi ist ein Frankfurter. Einerseits steht die Werbe-Ikone vor dem Kochstudio der Fertiggerichte-Marke an der Neuen Kräme. Zum anderen wurde sie aber auch von kreativen Köpfen der Stadt erdacht. Die Frankfurter Niederlassung des französischen Werbenetzwerks Publicis schreibt sich seine Erfindung auf die Fahnen. Wie auch die jüngsten Kampagnen für die Autos von Renault und das Toilettenpapier von Tempo.

Das Produktportfolio ist vielseitig, ebenso wie die Wege, auf denen Werber heutzutage ihre Kunden zu erreichen versuchen. Werbung findet ihre Adressaten längst nicht mehr nur über das Fernsehen, das Kino, Anzeigetafeln oder die Presse. Mit dem Internet und der Handy-Verbreitung tun sich immer wieder neue Kontaktmöglichkeiten zu potentiellen Käufern auf.

Familie von Töchtern und Schwestern

Zur französischen Publicis Groupe, die zu den vier größten internationalen Netzwerken zählt, gehören denn auch gleich mehrere Agenturen, die wohl alle Werbewege abdecken. In Frankfurt werden sie nun im Ostend gebündelt. Seit gestern residiert Publicis Frankfurt offiziell an der Adresse Otto-Messmer-Straße 1 am Schwedler Carré. Und mit ihr eine ganze Familie von Töchtern und Schwestern.

P/Mod ist für die digitale Präsentation von Marken und Einrichtungen zuständig und hat zum Beispiel die neue Internetseite des Bundesbildungsministeriums sowie die von Siemens entwickelt. Publicis Consultants kümmert sich in Frankfurt vor allem um die Krisenkommunikation von Banken und Finanzdienstleistern und hatte damit in den vergangenen Monaten nach eigenen Angaben allerhand zu tun. MS&L macht Öffentlichkeitsarbeit vor allem in der Gesundheitsbranche. Und Zenith Optimedia bringt Werbekampagnen in den unterschiedlichen Medienformen unter.

Vernissagen und Konzerte

300 Mitarbeiter sind alles in allem vom Walther-von-Cronberg-Platz in Sachsenhausen auf die andere Mainseite gezogen. Statt in kleinen Büros wie im bisherigen Domizil sitzen die Mitarbeiter in der neuen Heimat in offenen Räumen. Die Lobby gleicht einem schicken Loft. Volker Selle, Geschäftsführer von Publicis Frankfurt, sagt, ausschlaggebend für den neuen Standort sei gewesen, dass die Agentur beim Bau maßgeblich mitreden konnte. So sei ein Gebäude entstanden, das ganz den Ansprüchen einer modernen Agentur entspreche. „Gespräche sind der treibende Ideengeber“, sagt Selle. Dafür eigneten sich die offenen Räume im „House of Conversation“, wie er es nennt, ideal.

Von Oktober an sollen in der Eingangshalle Politiker, Manager, Künstler und Werber zu einer öffentlichen Diskussionsreihe zusammenkommen, um das Gebäude offiziell zu eröffnen. Auch Vernissagen und Konzerte sind angedacht.

Werbekampagnen für Tütensuppen

Publicis Frankfurt ist der erste Büromieter, den die Max Baum Immobilien GmbH auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs Ost ansiedeln kann, das sie in das Büro- und Geschäftsquartier Schwedler Carré umwandelt. Der Kreativstandort rund um die Hanauer Landstraße, den Standortvermarkter auch gerne als „Creative Avenue“ bezeichnen, gewinnt wieder mehr Kontur. Direkt neben Publicis Frankfurt entsteht der Neubau für die Schwesteragentur Starcom. Im September ist Richtfest. Und noch eine weitere Publicis-Agentur hat sich in der unmittelbaren Nachbarschaft eingemietet. Spätestens Anfang 2012 sollen die rund 285 Frankfurter Mitarbeiter von Leo Burnett in ein Haus auf dem Schwedler Carré ziehen. „Als Agentur gehen wir natürlich gerne dahin, wo etwas entsteht, nicht dahin, wo schon etwas ist“, sagt Publicis-Frankfurt-Chef Selle.

Doch so ganz ins Nichts zieht Publicis nicht. Rund um die Hanauer Landstraße hat sich bereits eine ganze Reihe Kreativer niedergelassen. Die Agentur Saatchi & Saatchi, die ebenfalls zur Publicis-Familie gehört, hat ihre Büros in Laufnähe an der Uhlandstraße. In direkter Umgebung sitzt die Agentur GKK, die schon für BMW, Eintracht Frankfurt und die Deutsche Leasing geworben hat. Auch die Agentur JWT ist nicht weit entfernt, die sich wie Publicis schon Werbekampagnen für Tütensuppen ausgedacht hat, unter anderem – allerdings für jene von Knorr.

„Weder katastrophal noch himmelhoch jauchzend“

Doch auch wenn die Agenturen räumlich näher zusammenrücken, der Wettbewerb bleibt hart. Und in der Wirtschaftskrise halten die Kunden der Werber ihre Budgets zusammen, versuchen, die Kosten runterzuhandeln, und verschieben Projekte und Neueinführungen. Publicis Frankfurt musste schon 20 Mitarbeiter entlassen. Aus anderen Agenturen ist ebenfalls von Stellenabbau zu hören.

Ob das Schlimmste bereits überstanden ist, vermag Selle nicht zu beurteilen. „Im Moment ist die Stimmung weder katastrophal noch himmelhoch jauchzend“, sagt der Geschäftsführer. Abwarten sei wohl das richtige Wort. Und die Lage unterscheide sich auch sehr von Segment zu Segment. „In der Digitalsparte konnte die Krise den Optimismus noch nicht brechen“, sagt Selle. Das ausgegebene Ziel der Publicis Groupe sei, 20 Prozent des Umsatzes über Internetwerbung zu machen. Dorthin sei man auf einem guten Wege.

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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