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Unternehmen Neckermann hat die Wende noch nicht geschafft

08.11.2006 ·  Die Mitarbeiter des Frankfurter Traditionshauses Neckermann müssen wohl weitere Einschnitte hinnehmen. Die Versandhandelssparte bereitet dem Karstadt-Quelle-Konzern nach wie vor keine Freude und belastet die Ergebnisse. Auch ein Stellenabbau ist nicht ausgeschlossen.

Von Jochen Remmert
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Die Geschäfte im Universalversandhandel des Karstadt-Quelle-Konzerns, zu dem auch Neckermann in Frankfurt gehört, laufen nach wie vor so schlecht, daß die Beschäftigten wohl weitere Einschnitte werden hinnehmen müssen - zusätzlich zu denen, die sie bereits haben hinnehmen müssen. Wie die angekündigten neuen Einsparungen aussehen sollen, ist den Mitarbeitern der erst im Frühjahr in eine Dienstleistungsgruppe ausgegliederten Frankfurter Quelle-Neckermann Logistik bereits mitgeteilt worden, wie Betriebsratsvorsitzender Thomas Schmidt gestern bestätigte.

Demnach soll die Arbeitszeit um viereinhalb auf 42 Stunden in der Wochen ansteigen, die Löhne sollen gleichzeitig um 300 auf knapp 1380 Euro sinken, wie Schmidt sagte. Die amtliche Statistik spreche von Armutslöhnen, wenn der Durchschnittsverdienst in Höhe von 2800 Euro um mehr als die Hälfte unterschritten werde, meinte Schmidt. Die Stimmung in der Belegschaft sei von tiefgreifender Verunsicherung geprägt, manche verdrängten auch die Zuspitzung der Lage. Ende nächster Woche soll es Gespräche mit der Unternehmensleitung geben.

Weiterer Stellenabbau noch offen

„Die Dienstleistungsgruppe, im wesentlichen bestehend aus Logistik und Customer Care, wurde geplant für wesentlich höhere Bestell- und Umsatzzahlen. Dem müssen wir heute Rechnung tragen“, äußerte gestern ein Unternehmenssprecher. Dazu gehöre unter anderem auch eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit. Ob es zu weiterem Stellenabbau kommen wird, ist noch offen. Rund 1000 Arbeitsplätze hatte der Konzern bereits im ersten Sanierungsanlauf im vergangenen Jahr gestrichen, was 300 Millionen Euro einsparen sollte. Weitere Entscheidungen zum Thema Abbau seien bislang nicht getroffen, sagte der Sprecher.

Zur Zeit beschäftigt das Nachfolgeunternehmen des alten Neckermann Versands, „Neckermann.de“, den Angaben zufolge rund 1650 Mitarbeiter. Vor der Umstrukturierung arbeiteten bei Neckermann in Frankfurt einmal 3400 Frauen und Männer. Zuletzt belief sich die Zahl der Frankfurter Mitarbeiter auf zirka 860 bei „Neckermann.de“, gut 1500 bei der Quelle-Neckermann Logistik GmbH, rund 330 bei der Quelle-Kontakt GmbH für die Kundenbetreuung und 260 bei der Quelle-Neckermann Management Service GmbH, zuständig für Personalverwaltung und Rechnungswesen. Die drei Gesellschaften bilden seit dem Frühjahr die „Service Group“ des Konzerns. Bundesweit zählt diese mehr als 10.000 Mitarbeiter.

Nach Ansicht der Unternehmensleitung arbeitet diese Dienstleistungsgruppe aber im Vergleich zur Konkurrenz zu teuer und verursacht so bei den Versendern Neckermann.de und Quelle letztlich zu hohe Kosten, weil beide die Dienstleistungen dort einkaufen. „Quelle und Neckermann.de sind nicht in der Lage, die im Vergleich höheren Dienstleistungskosten an ihre Kunden weiterzugeben, denn sie müssen sich im hart umkämpften Einzelhandels- und Versandhandelsmarkt behaupten, in dem jeder Euro Marge zählt“, meinte der Unternehmenssprecher. Daß es zu weiterem Arbeitsplatzabbau kommen wird, ist für Betriebsrat Schmidt ziemlich wahrscheinlich. Wenn die Arbeitsmenge nicht größer werde, die Leute aber viereinhalb Stunden länger arbeiten sollten, dann sei das wohl ziemlich wahrscheinlich, fürchtet er.

Sechs Kataloge im Jahr

Jedenfalls spricht nicht viel dafür, daß die Zahlen, die der Konzern heute präsentieren wollte, eine grundlegende Veränderung gegenüber dem Geschäftsverlauf des ersten Halbjahres dokumentieren. Und der sah - was die Versender Neckermann und Quelle betrifft - alles andere als beruhigend aus: In der ersten Hälfte dieses Jahres ist der Konzernumsatz mit knapp 6,5 Milliarden Euro um gut vier Prozent unter dem Vorjahreswert geblieben. Und das geht vor allem auf die schlechten Ergebnisse der genannten Versandhäuser zurück, der Umsatz rutschte dort um elf Prozent auf drei Milliarden Euro ab.

Und dabei gelten die zahlreichen Spezialversender, darunter etwa Hess Natur-Textilien, als renditestark. Das bedeutet, daß vor allem Neckermann.de und Quelle die Restrukturierungsbemühungen von Konzernchef Thomas Middelhoff erschweren. Denn auch die Warenhäuser verbuchten zuletzt ein Plus von 3,2 Prozent auf 2,18 Milliarden Euro. Vor allem die Großkaufhäuser wie das KaDeWe oder das Alsterhaus hatten den Angaben zufolge hohe Zuwachsraten erzielen können.

Um den Versandhandel insgesamt wieder in die schwarzen Zahlen zu bekommen, will Spartenleiter Marc Sommer den Umsatzanteil des rentablen Spezialversands von 20 Prozent auf 50 Prozent steigern. Um besser auf den sich schnell drehenden Modemarkt reagieren zu können, soll es bei Quelle sechs Kataloge im Jahr geben statt der bisher zwei. Zusammen mit einer Offensive beim Online-Handel und neuen Teleshopping-Formaten soll dann die Wende im Universalversandhandel, also auch bei Neckermann in Frankfurt, gelingen.

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