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Unternehmen : Mit Spinbiking und Grippeimpfung: Fit für die Firma

  • -Aktualisiert am

Melanie Siwek trainiert im Fitness-Studio der DWS am Rudergerät Bild: F.A.Z. / Foto Zimmermann

Anspannung, manchmal Stress, stundenlanges Sitzen. Damit ihre Angestellten trotzdem fit bleiben, helfen große Frankfurter Unternehmen mit. Die Kooperation mit Fitness-Studios steht an erster Stelle. Aber auch Nieren-Checks werden bezahlt.

          Anspannung, manchmal Stress, stundenlanges Sitzen. Büroalltag eben. Doch damit ihre Angestellten trotzdem fit bleiben, helfen große Frankfurter Unternehmen mit. Die Kooperation mit Fitnessstudios steht dabei an erster Stelle. Fast alle großen Firmen arbeiten mit einem Studio zusammen. Die Deutsche Bank hat in ihr Haus an der Mainzer Landstraße in Frankfurt gleich das Studio eines externen Anbieters integriert.

          Viele Firmen verfügen auch über eigene Betriebssportvereine - mit Tausenden Mitgliedern. Bei der Dresdner Bank zum Beispiel ist nahezu jeder zweite Mitarbeiter im Betriebssportverein, der mit 40 Sparten von Golf bis Windsurfen ein besonders breites Angebot hat. Die Deutsche Bahn sponsert die Eisenbahner-Sportvereine. Bundesweit sind darin 142.000 Frauen und Männer organisiert. Wenn in einem der Vereine mindestens die Hälfte Bahnangestellte sind, überläßt die Bahn ihre Flächen den Vereinen ohne Miete.

          Dresdner-Schwimmbad trockengelegt

          Die Fraport-Mitarbeiter trainieren billiger im Fitness-Studio Fitpoint. Beim Spinbiking zum Beispiel treten Angestellte aller Ebenen zusammen im Rhythmus der Musik in die Pedale der zehn Standräder und kämpfen sich schnaufend und schwitzend imaginäre Berge hinauf.

          Ausdrückliche Angebote für Sport in der Mittagspause sind selten. Dabei geht aus einer Studie des Sportwissenschaftlers Jim McKenna der britischen Leeds Metropolitan University hervor, daß dies durchaus im Sinne des Arbeitgebers sein kann: Diese Untersuchung ergab, daß mindestens 65 Prozent aller getesteten Arbeiter bessere Leistungen erbrachten und ausgeglichener waren, wenn sie während des Arbeitstages Sport getrieben hatten.

          Dem trägt die Dresdner Bank insofern Rechnung, als die Angestellten im nahen Fitnesscenter schon von 7.30 Uhr die Hanteln stemmen oder ihre Kondition verbessern können. Das legendäre Schwimmbad im 31. Stock des Hauses gibt es aber seit zehn Jahren nicht mehr: Es war eigentlich ein Wasserreservoir für die Sprinkleranlage gewesen, das zum Schwimmen freigegeben war.

          Gratis-Essen für Unternehmensberater

          Bei McKinsey vertraut man weniger auf Sport als vielmehr auf ein gutes Essen als Balsam für die Nerven. Die Angestellten dürfen sich ein Mittagessen im Restaurant des Japanturms einverleiben - auf Kosten des Arbeitgebers.

          Damit die Mitarbeiter bei Siemens möglichst stressfrei in glatten Hemden herumlaufen können, hat die Firma einen Vertrag mit einem Wäscheservice. Innerhalb von zwei Tagen kommt die Wäsche gereinigt und gebügelt zurück, für etwa 15 Prozent weniger Geld als bei gewöhnlichen Wäschereien, wie Rhein-Main-Geschäftsleiter Uwe Bartmann schätzt.

          Bei Siemens gibt es übrigens auch noch ein Reservat für Raucher: In der sogenannten Smoke-Free-Kabine, die 99,9 Prozent des Qualms absaugen soll, dürfen Mitarbeiter nach wie vor ihrem Laster erliegen. Wer trotzdem von der ungesunden Angewohnheit lassen will, bekommt einen Preisnachlaß auf Nichtraucherseminare.

          Grippeimpfung unentgeltlich

          Einige Unternehmen setzen auch auf medizinische Nachhilfe bei ihren Angestellten. Die Bahn-Mitarbeiter können sich unentgeltlich gegen Grippe impfen lassen, und die Deutsche Bank ließ in den vergangenen zwei Jahren 700 Führungskräfte auf Kosten des Hauses in einer Klinik durchchecken. Siemens bietet Sehtest und Nieren-Screenings während der Arbeitszeit - für alle. „Gesunde Mitarbeiter sind für uns wichtiger als Führungskräfte“, sagt Geschäftsführer Bartmann.

          Sind die Siemens-Arbeiter trotz aller Pflege urlaubsreif, haben Angestellte mit „bescheidenen monetären Möglichkeiten“ laut Bartmann die Chance, eine der Ferienwohnungen von Siemens an Nord- oder Ostsee billiger zu bekommen. Auch Wohngeldzuschüsse und zinslose Darlehen verschafft Siemens bedürftigen Mitarbeitern. „Das heißt nicht, daß wir die Heiligen sind“, sagt Bartmann, „aber wir tragen gesellschaftliche Verantwortung. Ich sehe die Leistungen als Selbstverständlichkeit.“

          Quelle: F.A.Z., 22.08.2006, Nr. 194 / Seite 41

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