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Unternehmen Einmal im Rampenlicht

 ·  An Unternehmerpreisen ist kein Mangel. Von den Ehrungen besonders innovativer oder besonders mutiger Unternehmer profitieren die Gebenden wie die Nehmenden.

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Es ist ein munteres Geben und Nehmen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young kürt den „Entrepreneur des Jahres“. Der Wirtschaftsclub Rhein-Main ist federführend beim „Innovationspreis der deutschen Wirtschaft“. Der Genossenschaftsverband Frankfurt verleiht den „Unternehmerpreis Innovativer Mittelstand“. Und das Wirtschaftsministerium in Wiesbaden sucht den „Hessen Champion“.

An Preisen für Unternehmen und Unternehmer ist kein Mangel, und es drängt sich das Gefühl auf, gerade in den schwierigen Zeiten der vergangenen Jahre wuchs ihre Zahl immer weiter, wobei die Preise zugleich immer spezieller wurden. Wer in Frage kommt, kann sich als Unternehmer auch um den „Deutschen Schuh- und Leder-warenpreis“ bewerben oder den Preis „Public Private Partnership“. Die hessische Landesregierung hat gar den Dauer-Preis erfunden: Sie zeichnet Monat für Monat ein Unternehmen aus, das sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagiert. Im April gewann das Frankfurter Unternehmen Velotaxi, weil die Fahrradrikschas an einem Tag im Jahr unentgeltlich durch die Stadt fahren und die Kundschaft statt dessen um eine Spende für die Aids-Hilfe gebeten wird.

Letztlich geht es um Arbeitsplätze

Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Die Unternehmen profitieren vor allem durch das Echo in den Medien, das Preisverleihungen auslösen. „Wir sind in Zeitungen und Zeitschriften gekommen, die sonst nicht über uns berichten“, sagt ein Sprecher der Wiesbadener Vitronic

Dr.-Ing. Stein Bildverarbeitungssysteme GmbH, die im September 2005 „Entrepreneur des Jahres“ in der Sparte Informationstechnologie wurde. Inzwischen hat sogar ein Fernsehteam bei dem Unternehmen gedreht, das sich mit „elektronischen Augen“ befaßt, die zum Beispiel auf Mautbrücken die Kennzeichen von Lastwagen lesen. Zudem hat Geschäftsführer Norbert Stein sein Unternehmen bei einer Tagung hochrangiger Manager vorstellen dürfen. „Das läßt sich nicht in Zahlen fassen“, sagt der Sprecher zu den Folgen der Preisverleihung. Vitronic würde jederzeit wieder mitmachen.

Diejenigen, die die Wettbewerbe ausschreiben, haben auch etwas davon. Mit dem „Hessischen Innovationspreis“ zum Beispiel würden die „Daniel Düsentriebs“ dieses Bundeslandes geehrt, sagt ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums - die Preisträger würden dadurch zusätzlich angespornt und dienten zugleich anderen als Vorbild. Letztlich gehe es darum, zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Was der Sprecher nicht sagt: Bei einer Preisverleihung hat natürlich auch der preisverleihende Minister die Chance, eine gute Figur zu machen.

Immer neue Preise

Auf ein wohlwollendes Publikum dürfen Gebende wie Nehmende stets hoffen. Die Verleihungen sind stets groß inszeniert, der „Entrepreneur des Jahres“ und der „Innovationspreis der deutschen Wirtschaft“ werden gar bei Gala-Abenden in der Frankfurter Alten Oper mit Smoking-Pflicht vergeben. Viele Mittelständler kommen nur zu gerne zu den Veranstaltungen, bei denen einmal sie und ihresgleichen im Mittelpunkt stehen und einen Abend lang als Leistungsträger gefeiert werden.

Die freundliche Resonanz hat bei der Landesregierung dazu geführt, daß sie in den vergangenen Jahren immer weitere Preise eingeführt hat. Inzwischen sind es alles in allem neun, unter denen der Wettbewerb „Hessen Champions“ vielleicht der bekannteste ist. Er will Unternehmen herausheben, die es mit einem speziellen Produkt bis in die Weltspitze geschafft haben. Im Wettbewerb „Together in Hessen“ wiederum werden jene Firmen prämiert, die ausländische Mitarbeiter in vorbildhafter Weise integrieren.

Manchmal führt die Vergabe von Unternehmenspreisen sogar dazu, daß Grenzen überschritten werden. So zeichnete der Verein „Liberaler Mittelstand Hessen“ im Oktober vergangenen Jahres mit seinem Innovationspreis ausgerechnet Schloß Vollrads aus. Begeistert hieß es, das Weingut habe geradezu internationale Maßstäbe gesetzt. Dabei gehört der Betrieb der Nassauischen Sparkasse, also einem öffentlich-rechtlichen Unternehmen. Damit haben Liberale bekanntlich sonst eher wenig am Hut.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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