10.06.2007 · Für Geohumus interessieren sich Briten, Japaner und Saudis. Das Granulat aus Frankfurt hilft, viel Wasser zu sparen und die Ernte zu steigern. Jetzt hat Geohumus sogar den G-8-Gipfel erreicht.
Von Thorsten Winter„Wasser wird wertvoller werden als Gold“, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen. Wulf Bentlage spielt diese Prognose voll in die Karten. „Viele Leute können es kaum glauben, dass wir einer Wasserkrise auf unserem blauen Planeten entgegensehen“, sagt der Geohumus-Geschäftsführer - dieser Tage auch bei einer Veranstaltung am Rande des G-8-Gipfels. Bentlage nennt eine Reihe von Gründen für den beunruhigenden Befund: 97 Prozent des Wassers auf der Welt sei salziges Meerwasser. Von den restlichen drei Prozent, dem Süßwasser, sei der überwiegende Teil im polaren Eis und in den verbliebenen Gletschern gebunden. Gleichzeitig wachse die Weltbevölkerung weiter, während der Klimawandel in vielen Regionen den chronischen Wassermangel verschärfe.
Mehr als zwei Drittel des Süßwasserverbrauchs entfallen auf die Landwirtschaft. „Für die Bohnen, die eine Tasse Kaffee ergeben, braucht man 140 Liter Wasser und für ein Kilogramm Weizen 1000 Liter“, listet der Geohumus-Gründer auf. Das Problem: Auch Süßwasser ist keineswegs salzfrei. So versalzen die in Wassermangelgebieten verbreiteten sandigen Böden desto stärker, je mehr Wasser verwendet wird und verdunstet. „Die Antwort lautet Geohumus“, wirbt Bentlage für sein Produkt, das mehr als das Dreißigfache des Eigengewichts an Flüssigkeit speichern kann und wegen seiner Eigenschaften schon mehrfach ausgezeichnet wurde (siehe Kasten). Obwohl Geohumus erst seit zwei Jahren auf dem Markt ist, wird es schon vielerorts getestet, vor allem in der arabischen Welt.
Mehr Mangos durch Geohumus
In Dubai ist es in den Boden eines Golfplatzes eingearbeitet worden und in den Vereinigten Arabischen Emiraten in eine Dattelplantage. Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel hat ein Test mit Mangobäumen ergeben, dass die Gewächse mit Geohumus im Durchschnitt 450 Blüten bilden, ohne das Granulat aber lediglich 290. Mehr Blüten bedeuten letztlich mehr Früchte und damit einen höheren Ertrag. Seit rund zwei Monaten läuft in Saudi-Arabien ein Feldversuch, wie mit Geohumus eine Dattelplantage neu angelegt werden kann, ohne dass wie sonst üblich als Folge der Hitze viele Setzlinge eingehen. Vier Mitarbeiter von Geohumus betreuen den Test an Ort und Stelle, wie Bentlage sagt.
Fällt der Test, in den auch Steinobst und Oliven einbezogen werden, erfolgreich aus, will das Frankfurter Unternehmen einen Liefervertrag mit saudischen Partnern abschließen, der letztlich die gesamte geplante Jahresproduktion umfassen könnte. Bis zu 25.000 Tonnen des Granulats, das aus dem auch in Windeln verarbeiteten Stoff Superabsorber und Lavagesteinsmehl hergestellt wird, will Geohumus vom Spätsommer an im Frankfurter Osten fabrizieren, wenn die neue Anlage genehmigt sein wird. Für die erste Phase plant die Firma, die derzeit elf Mitarbeiter hat, mit ungefähr 8000 Jahrestonnen. Derzeit schafft die Pilotanlage rund eine Tonne am Tag. Wenn Geohumus die neue Anlage auslasten will, muss das Unternehmen seine Mannschaft auf etwa 20 Beschäftigte aufstocken. Der Willen dazu ist erklärtermaßen vorhanden. Nur ist es „ganz schön schwierig, geeignete Produktioner zu finden“, wie der Geschäftsführer berichtet.
Potenten Partner gewonnen
Dessenungeachtet kommen nicht nur aus der arabischen Welt erfreuliche Signale: Gerade hat das Unternehmen ein Empfehlungsschreiben des Prinzen von Wales erhalten, das dem Einstieg in den britischen Markt dienen soll, den ein Repräsentant von Geohumus gerade vorbereitet. Im Königreich gibt es Interesse, Poloplätze mit dem Granulat auszustatten, so Bentlage. Denn Polopferde verdichten die Böden stark, was durch Geohumus bis zu einem gewissen Grad verhindert werden könnte.
Auch hat die Frankfurter Firma seit der Kölner Nanotechnologiemesse Kontakt zum japanischen Mischkonzern Mitsubishi, der unter anderem im Automobilbau, in der Chemieindustrie und im Energiegeschäft tätig ist. Auch die Japaner testen das Granulat, das beim Abnehmer mit etwa sechs Euro je Kilogramm zu Buche schlägt. Mitsubishi wäre aus Sicht von Bentlage ein guter Partner für den Einstieg in den chinesischen Markt.
Einen in einer anderen Hinsicht potenten Partner hat der Fechenheimer schon gefunden. European Land Solutions mit Sitz in London hat zehn Prozent an Geohumus International erworben. Das Unternehmen verdient sein Geld damit, im Auftrag der betroffenen Staaten und der Vereinten Nationen sowie für Energiekonzerne in aller Welt ganze Landstriche von Minen und Bomben zu befreien. European Land Solutions verfügt aus diesem Geschäft nach eigenen Angaben über reichlich Verbindungen zu Regierungen und nichtstaatlichen Organisationen - und über viel logistische Erfahrung. „Deshalb passen sie gut zu uns“, so Bentlage.
Das Granulat Geohumus ist ein nanotechnologisch erzeugtes Gemisch aus Lavagesteinsmehl und einer Weiterentwicklung von Superabsorber - einem Stoff, der unter anderem in Windeln verarbeitet wird. Geohumus kann nach einer Studie der Universität Gießen gut das Dreißigfache seines Eigengewichts an Flüssigkeit speichern. Die in Frankfurt-Fechenheim ansässige Geohumus International GmbH stellt das Granulat auf dem Gelände der Allessa Chemie im selben Stadtteil her. Die Pilotanlage produziert rund eine Tonne des Gemischs am Tag. Das Unternehmen ist für sein Produkt mehrfach ausgezeichnet worden. So hat es 2006 den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Konzept“ erhalten und zählte im gleichen Jahr beim hessischen Existenzgründer-Wettbewerb Science4Life zu den Gewinnern. Zudem ist Geohumus International von der Standortinitiative des Bundes „Deutschland - Land der Ideen“ für 2007 als einer von 365 „Orten der Ideen“ ausgewählt worden. (thwi.)