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Theater & Wirtschaft „Frauen sollten nicht wie Männer werden“

 ·  Der Unterschied macht die Kultur, auch der kleine oder vielleicht doch nicht ganz so kleine zwischen den Geschlechtern. Darauf besteht Frankfurts Schauspiel-Intendantin Elisabeth Schweeger.

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Der Unterschied macht die Kultur, auch der kleine oder vielleicht doch nicht ganz so kleine zwischen den Geschlechtern. Darauf besteht Frankfurts Schauspiel-Intendantin Elisabeth Schweeger, die gestern bei den "Wirtschaftsgesprächen am Main" im Hotel Intercontinental über die wirtschaftlichen Aspekte der darstellenden Kunst, aber auch über das Theater im Großen und Ganzen der Gesellschaft Auskunft gab.

Frauen sollten nicht wie Männer werden, führte sie vor den "vielen Herren und wenigen Damen" der Wirtschaftsinitiative Frankfurt/Rhein-Main aus, und ebensowenig erstrebenswert sei es, wenn sich im Zeichen fortschreitender Globalisierung die Kulturen der Welt immer mehr einander anglichen. Peter Schlüter, Vorstand der Wirtschaftsinitiative, moderierte die Veranstaltung.

Wer ins Theater gehe, sagte die Intendantin, begebe sich auf eine Reise. Und wie man auf einer Reise etwas entdecken wolle, das man noch nicht kenne, könne man auch im Theater neue Erfahrungen machen. "Wenn ich nach China fahre, möchte ich auch nicht die Bockwurst essen, die es zu Hause immer gibt."

In ihrer teilweise auch wirtschaftskritischen Rede hielt die Leiterin des Frankfurter Schauspiels ein flammendes Plädoyer für das Theater als einzig noch verbliebene Institution der "kritischen Reflexion" im Land: Hier gehe es um Geist, Sprache, Konzepte. Vom Zuschauer werde verlangt, daß er mitdenke. Dies bedeute: Arbeit auch für das Publikum. In Frankreich werde noch ein "philosophischer Diskurs im Alltag" geführt, dieses Korrektiv fehle mittlerweile im deutschsprachigen Raum. Im Unterschied allerdings zum linksrheinischen Nachbarn, aber auch zu den Vereinigten Staaten oder Großbritannien sei in Deutschland die Situation der Theater insofern noch besser, als hier der Staat die Kultur großflächig subventioniere. Dies müsse auch so bleiben, um die Unabhängigkeit der Kunst zu sichern, auch wenn private Förderer in Zeiten der leeren öffentlichen Kassen mehr denn je gefragt seien. Die Politik aber dürfe die Kultur nicht länger als "freiwillige Leistung" verstehen, forderte die Intendantin, denn das "brainfood" sei essentiell, wenn es darum gehe, die Herausforderungen der Zukunft, gerade auch die wirtschaftlichen, zu meistern.

"Wer keine Phantasie hat, wird auf die Schnelligkeit, der wir heute ausgesetzt sind, nicht gut reagieren", sagte die Schauspiel-Chefin. Und wenn das Element der Kunst "in unserer Menschengemeinschaft" verlorengehe, seien die Individuen nur noch Maschinen, die funktionierten. Geistige Arbeit, wie sie in den Theatern geleistet werde, sei die Grundlage für soziales Denken. "Wenn die Kultur abgezwickt oder reduziert wird, ist das eine bedenkliche Entwicklung." Kultur sei aber auch im engeren Sinn ein Wirtschaftsfaktor, führte Schweeger aus. So habe man in Salzburg ausgerechnet, daß jeder Euro, der in das Festival gesteckt werde, dreizehn Euro in die Kassen bringe - wenn auch nicht unbedingt in jene der Veranstalter, sondern beispielsweise in die der Gastronomie. Das Schauspiel Frankfurt sei ohnehin wegen der Sparpolitik der vergangenen Jahre nicht umhingekommen, wirtschaftlich zu arbeiten: So seien etwa in der Spielstätte Schmidtstraße acht verschiedene Inszenierungen in einem einzigen Bühnenbild gezeigt worden. Gerade die Schmidtstraße zeige aber auch, daß Angebote, die auf neue Publikumsschichten zielen, angenommen würden: Die Auslastung betrage dort 90 Prozent.

Das Schauspiel Frankfurt setze auf eine Mischung des Programms aus Klassischem und Modernem, erläuterte die Prinzipalin: "Vielfalt ist für mich programmatisch." Es müsse möglich sein, einen Autor über einen längeren Zeitraum hinweg zu spielen, um ihn schließlich durchzusetzen. Dies sei in Theatern, die von privaten Geldgebern abhängig seien, nicht möglich. Da müsse man zu 100 Prozent auf Nummer Sicher gehen. Am Schauspiel Frankfurt seien etwa 60 bis 70 Prozent der Vorstellungen darauf angelegt, ein breiteres Publikum zu finden. Dieses hat sich nach Aussagen der Intendantin in den vier Jahren, in denen sie am Frankfurter Sprechtheater die Verantwortung trägt, deutlich verjüngt: Das Durchschnittsalter der Besucher sank von 60 auf 40 Jahre. "Aber auch die älteren Besucher, die uns erst einmal den Rücken gekehrt hatten, kommen jetzt wieder."

Generell jedoch sei Frankfurt ein schwieriges Pflaster: In Wien und München sei es für die Bürgerschaft selbstverständlich, ins Theater zu gehen. "In Frankfurt muß man jeden einzelnen abholen." Dieser Gesichtspunkt spielte auch in der Diskussion nach Schweegers mit freundlichem Applaus aufgenommenem Vortrag eine Rolle: Frankfurt zu bewegen, sagte Messe-Chef Michael von Zitzewitz, sei extrem schwierig. Die "Wirtschaftsgespräche am Main" sind eine Veranstaltung des Hotel Intercontinental Frankfurt, der Wirtschaftsinitiative Frankfurt/Rhein-Main, der Messe Frankfurt GmbH und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (zer.)

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