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Stromverbrauch : Data-Center hängen Airport ab

High Tech für das digitale Zeitalter: Hochleistungsrechner wie diesen gibt es immer mehr in Frankfurt. Sie verbrauchen sehr viel Strom. Bild: Claus Setzer

Frankfurts Rechenzentren verbrauchen inzwischen mehr Strom als der Flughafen. Und die Betreiber erhöhen stetig ihre Kapazitäten.

          Jedes Jahr wächst Frankfurt um die Größe einer Kleinstadt. Das gilt nicht nur für den Zuzug von neuen Einwohnern, sondern noch mehr für den Stromverbrauch der Mainmetropole. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist die stetig steigende Zahl der Rechenzentren im Stadtgebiet, denn die benötigen Unmengen von Energie. Die Faustregel lautet: Ein Data-Center braucht so viel Strom wie eine Kommune mit 30.000 Einwohnern. Entsprechend groß ist zum Beispiel der Energieverbrauch eines im Herbst im Ostend in Betrieb genommenen Rechenzentrums – und das ist nur eine von zehn Immobilien dieser Art allein in diesem Quartier. Auch im Gallus erweitern derzeit Data-Center-Firmen ihre Flächen für Hochleistungsrechner von Kunden, darunter nicht nur Banken und Telekom-Konzerne. So hat der Flughafen seine langjährige Rolle als größter Stromverbraucher der Stadt inzwischen an die Rechenzentren-Branche abgegeben.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass der Airport bald wieder an die erste Stelle rückt, ist nicht zu erwarten. Denn außer Ostend und Gallus mausert sich gerade auch Sossenheim zu einem Standort für Data-Center. Eine amerikanische und eine britische Firma bauen dort neue Rechenzentren. Sie heißen Digital Realty und Colt – und sind der breiten Öffentlichkeit genauso wenig bekannt wie die großen Betreiber Equinix, E-Shelter, Interxion und Telehouse. Im Netzgebiet des Energieversorgers Mainova entfielen zuletzt 18,85 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs auf den Flughafen, die Rechenzentren kamen zusammen auf 19,42 Prozent. Vor diesem Hintergrund sprach Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) bei einer Veranstaltung dieser Zeitung jüngst von einem historischen Jahr für Frankfurt mit Blick auf den Stromverbrauch.

          Cloud-Anwendungen verlangen nach Speicherkapazitäten 

          Zu den Eigenheiten dieser steigenden Nachfrage nach Energie gehört außerdem, dass die Mainova die Nachfragespitzen seit 2005 regelmäßig im Sommer verzeichnet – und nicht im kühlen Winter. Der höchste Wert datiert vom 20. August 2012, einem besonders heißen Tag, an dem in Büros, Fabriken und Wohnungen die Klimaanlagen und Ventilatoren auf Hochtouren liefen. Auch dabei spielten Rechenzentren eine besondere Rolle. Die Betreiber von Data-Centern haben im Kern drei Aufgaben: Sie müssen für Sicherheit sorgen und die von den Kunden aus Industrie, Internetwirtschaft, Handel, Finanzwesen, Handwerk und Wissenschaft aufgestellten Hochleistungsrechner rund um die Uhr mit Strom versorgen.

          Da die Rechner im Betrieb warm laufen, müssen sie gekühlt werden, solange die erhitzte Abluft nicht ins Fernwärmenetz abgeleitet oder andernorts gespeichert wird. Die Kühlung kostet viel zusätzliche Energie. Getrieben wird das Wachstum der Flächen für Hochleistungsrechner zum einen aus der Tendenz von großen Unternehmen und Mittelständlern, immer mehr Daten in Hochleistungsrechnern spezialisierter Anbieter speichern und verarbeiten zu lassen (Cloud Computing), zum zweiten verlangt der Gebrauch von Smartphones und Tabletcomputern steigende Kapazitäten.

          Die Rechenzentren brauchen stetig mehr Platz und Strom

          Obwohl Equinix in Frankfurt einschließlich des vor einigen Monaten übernommenen Standorts von Telecity an der Gutleutstraße 370 Beschäftigte zählt und nach den Worten von Geschäftsführer Donald Badoux weitere Kräfte einstellt und auch Interxion längst eine dreistellige Zahl an Mitarbeitern hat, ist Strom der größte Kostenblock dieser Unternehmen. 40 Prozent der Bruttowertschöpfung, die sich aus Umsatz minus Vorkosten wie Gehältern errechnet, entfallen auf elektrische Energie. Zum Vergleich: Ein Stahlwerk kommt in der Regel auf 15 Prozent oder etwas mehr. Ein Viertel der 1,9 Millionen Quadratmeter Rechenzentrumsflächen bundesweit liegt am Main. Für die Mainova ist das ein lohnender Markt: Sie beliefert nicht nur die sieben Data-Center von Equinix in Frankfurt mit Strom, sondern auch den Standort Düsseldorf. Interxion zählt mit seinen zehn Rechenzentren am Main ebenso zu den Mainova-Kunden, Gleiches gilt für die Telehouse.

          Auf deren Betriebsgelände wird der Versorger im nächsten Jahr ein großes Umspannwerk in Betrieb nehmen. Gleichzeitig erweitert Telehouse seine Flächen, da die 25.000 bestehenden Quadratmeter nach Aussagen von Geschäftsführer Béla Waldhauser weitestgehend belegt sind. „Wir könnten locker die Stadt Dreieich mit ihren 40.000 Einwohnern versorgen“, sagt Waldhauser mit Blick auf die Stromkapazität an Ort und Stelle. Ähnliches können auch andere Data-Center-Betreiber von sich behaupten. Und ein Ende der Neubauten von Rechenzentren ist nicht abzusehen. Der Unternehmensberater Gerd Simon sagt in einer neuen Studie einen Ausbau von 450.000 auf 600.000 Quadratmeter bis Ende des Jahrzehnts voraus. Angesichts dessen heißt es bei der Mainova mit Blick auf Stromverbrauch von Data-Centern und Flughafen: „Wir gehen davon aus, dass sich der Abstand in den kommenden Jahren durch die Inbetriebnahme weiterer Rechenzentren weiter vergrößert.“

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