13.07.2009 · Zwölf europäische Konzerne wollen einmal Strom für Europa aus der Sonne über Nordafrika gewinnen – und ein Unternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet ist dabei: Schott Solar liefert Receiver, die Sonnenstrahlen in Wärme wandeln.
Von Thorsten WinterZwölf europäische Konzerne wollen einmal Strom für Europa aus der Sonne über Nordafrika gewinnen – und ein Unternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet ist dabei: Die Schott Solar AG aus Mainz zählt zu den Gründern der ins Leben gerufenen Wüstenstrom-Initiative Desertec. Innerhalb von drei Jahren soll Desertec fertige Pläne zum Bau von Solarkraftwerken vorlegen. Schott Solar wird nach eigenen Angaben sogenannte Receiver, die Sonnenenergie aufnehmen, für die Kraftwerke liefern. Das Unternehmen sieht sich auf diesem Gebiet als Weltmarktführer.
Ein Receiver von Schott Solar besteht aus einem Stahlrohr und einer beschichteten Glashülle. Zwischen beiden Bauteilen herrscht ein Vakuum. Diese Konstruktion wandelt Sonnenstrahlung in Wärme um, die über ein durch das Stahlrohr fließendes Öl aufgenommen wird. Das bis zu 400 Grad heiße Öl wiederum gibt die Hitze in einem Wärmetauscher an Wasser ab, das umgehend verdampft. Mit dem Dampf erzeugt ein Generator wiederum Strom. Diese Energie kann schließlich über Leitungen dorthin transportiert werden, wo sie benötigt wird. Produziert werden die Reveicer in der Oberpfalz, in Spanien und Amerika.
Bisher Hunderttausende Receiver verbaut
Aus Sicht von Schott Solar ist Desertec ein wichtiges Signal für die Zukunft der erneuerbaren Energien und speziell der solarthermischen Kraftwerke, für die das Unternehmen die Receiver liefert. Mit bestehender Technologie könne Strom umweltfreundlich und kostengünstig aus der Sonnenstrahlung gewonnen werden. Dabei seien die Erzeugungskosten vergleichbar mit dem finanziellen Aufwand für Strom aus Öl oder Kohle, wenn jeweilige Subventionen herausgerechnet würden, hob ein Sprecher hervor. „Das ist auch der Grund, warum in Spanien langfristig in solche Technologie investiert wird“, fügte er hinzu.
In Spanien hat Schott Solar den Kraftwerkskomplex Andasol mit Receivern ausgestattet. Die Glas-Stahlrohr-Geräte der Mainzer finden sich auch in Solarkraftwerken in den Vereinigten Staaten wieder: im Projekt Nevada Solar One und in Kramer Junction in Kalifornien, die zu den drei größten Anlagen ihrer Art weltweit gezählt werden. In Andasol, Nevada Solar One und Kramer Junction hat Schott Hunderttausende Receiver verbaut, wie der Sprecher sagte. Das Anfang dieses Jahres ans Netz gegangene Kraftwerk Andasol soll nach dem Ausbau der dritten Stufe im Jahr 2011 eine Spitzenleistung von 150 Megawatt Strom erzeugen. Mit dieser Energie könne eine hohe fünfstellige Zahl von Haushalten versorgt werden. Die Solar Millennium AG aus Erlangen, die Andasol entwickelt hat und auch an Desertec beteiligt ist, spricht von Energie für eine halbe Million Menschen.
Strom für Abermillionen Menschen
Schott Solar gibt seine Produktionskapazitäten mit 400 Megawatt an, die bis Jahresende erreicht sein sollen. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 482 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 52 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2009 hat der Umsatz über Vorjahresniveau gelegen. Das Umsatzpotential aus Desertec ist noch nicht abzusehen, wie es heißt. Das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie hält derweil 70 000 Megawatt aus solchen Anlagen bis 2020 für möglich – Strom für Abermillionen Menschen.
Mal sehen wie die Sicherheit des Strombezuges grantiert werden kann...
Alfons Crocusé (ALCR)
- 13.07.2009, 20:30 Uhr
70 000 Megawatt aus Solarstrom, das sind 90 KKW Brunsbüttel
Paul Rabe (heidelpaul)
- 16.07.2009, 13:30 Uhr
Herr Rabe schreibt:
Detlef Wolf (dewo)
- 16.07.2009, 16:18 Uhr
@Wolf sie liegen falsch - die Kraftwerke liefern 24h Strom
Paul Rabe (heidelpaul)
- 16.07.2009, 17:43 Uhr