http://www.faz.net/-gzg-yvwk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 30.04.2011, 14:31 Uhr

Streit über Zeitarbeit Leiharbeit sorgt für dicke Luft in der Metallbranche

Die Spitzen von Hessenmetall und dem IG-Metall-Bezirk Frankfurt streiten sich über Zeitarbeit. Von Amokfahrt und Verunglimpfung ist da die Rede. Es gibt aber auch Argumente. Ein Überblick

von , Frankfurt
© dpa Keine Insel: Auch in der Autoindustrie ist Leiharbeit längst etabliert.

Wenn von Montag an Frauen und Männer aus weiteren acht EU-Staaten in Deutschland unbeschränkt arbeiten können, dann wird sich das nach Ansicht von Armin Schild, Leiter des IG- Metall-Bezirks Frankfurt, auch auf seine Branche auswirken – gerade über die Leiharbeit. Denn dort gilt zwar, wie in vielen anderen Branchen auch, ein Mindestlohn, den künftig auch Arbeitskräfte aus Polen, Tschechien, Slowenien, der Slowakei, Estland, Lettland, Litauen und Ungarn bekommen müssen. Die Nebenkosten wie Sozialversicherungsbeiträge kann ein Zeitarbeitsunternehmen aus diesen Ländern aber weiter im Herkunftsland entrichten, was in der Regel sehr viel billiger ist als in Deutschland. Schild hält es für wahrscheinlich, dass damit auch in der Metallbranche ein neues Konkurrenzverhältnis entsteht, das zu Lasten der Stammbelegschaft wie auch der Mitarbeiter hiesiger Zeitarbeitsfirmen wirkt.

Jochen Remmert Folgen:

Die IG Metall, allen voran der Bezirk Frankfurt, der für die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen zuständig ist, sieht allerdings auch ganz ohne die Auswirkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit bei der Leiharbeit dringenden Regelungsbedarf mit dem Ziel, eine tatsächliche Gleichstellung von Stammbelegschaft und Leiharbeitern zu erreichen. „Equal Pay“ heißt die Formel – „gleiches Geld für gleiche Arbeit“.

Mehr zum Thema

Zahl der Leiharbeiter in der Branche hat sich verdreifacht

Die Vorstellungen gehen dabei weit über eine Absicherung der Lohnuntergrenze mit einem Mindestlohn hinaus, der für Leiharbeiter bei 7,79 Euro liegt. Zum Vergleich: Die Entgelttabelle der Metall- und Elektroindustrie beginnt bei umgerechnet 12,73 Euro je Stunde. Im Kern geht es darum, dass die Metallgewerkschaft Leiharbeit tatsächlich nur als Instrument zur Abdeckung von Nachfragespitzen genutzt sehen und eine umfassendere Gleichstellung zwischen Zeitarbeitern und Stammbelegschaft sicherstellen will. Dem Arbeitgeberverband Hessenmetall ist beides so nicht recht, jedenfalls nicht in so engen Grenzen. „Wir brauchen die Zeitarbeit, um Aufträge bewältigen zu können, von denen noch nicht klar ist, wie dauerhaft und nachhaltig sie sind“, hält Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands, der IG Metall entgegen.

Solange die errechnete Planung der Unternehmen noch keine Kontinuität in Aussicht stellten, greife die Industrie erst einmal auf Zeitarbeit zurück. Wenn sich die Entwicklung stabilisiere, werde auch die Stammbelegschaft aufgebaut, argumentiert Fasbender. So sei in Hessen bis Februar die Zahl dieser Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie um 6220 auf 203 000 gestiegen. Hinzu kämen gerade einmal fünf Prozent Zeitarbeitskräfte, führt er weiter aus. Für den Vertreter der Arbeitgeberseite ist die Zeitarbeit in der Branche ein „eher randständiges Phänomen“, das die IG Metall „in den Mittelpunkt zerrt und sehr heftig attackiert“, was sehr ärgerlich sei. Schild hält dem entgegen, dass in Hessen inzwischen zwei Drittel von 344 Branchenbetrieben Leiharbeiter beschäftigten. Lediglich in 119 davon wird seinen Angaben zufolge der Unterschied zwischen der Bezahlung eines Stammbeschäftigten und der der Leiharbeiter durch betriebliche „Besservereinbarungen“ ausgeglichen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
F.A.Z. Exklusiv Zeitarbeit sorgt sich um Tausende Arbeitsplätze

Personalverleiher erwarten kaum noch Wachstum. Schuld an der schwierigen Geschäftslage sei vor allem ein neues Gesetz. Lässt sich noch ein wichtiger Punkt ändern? Mehr Von Sven Astheimer

17.05.2016, 08:59 Uhr | Wirtschaft
Köln Metall-Tarifparteien suchen Einigung in NRW

Vertreter von IG Metall und Gesamtmetall treffen sich am Donnerstag in Köln zu einer neuen Runde der Tarifverhandlungen. Ziel ist ein Pilotabschluss für die Branche. Dafür gibt es grünes Licht vom IG-Metall-Vorstand.Im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie wollen Gewerkschaft und Arbeitgeber am Donnerstag einen Anlauf auf einen Pilotabschluss nehmen. Mehr

12.05.2016, 17:07 Uhr | Wirtschaft
Hohe Fluktuation Mitarbeiter wechseln häufiger die Stelle

Den Job fürs Leben? Gibt’s kaum noch! Arbeitnehmer wechseln immer häufiger die Stelle, wie eine bislang noch unveröffentlichte Studie zeigt. Dafür gibt es auch einen guten Grund. Mehr Von Dietrich Creutzburg

17.05.2016, 05:46 Uhr | Wirtschaft
Tarifeinigung Metall-Tarifparteien einigen sich in NRW auf Pilotabschluss

Nach 14 Stunden Verhandlungen in Köln war es vollbracht. Die Tarifparteien in der Metall-und Elektroindustrie hatten sich auf einen Tarifabschluss für Deutschlands wichtigsten Industriezweig mit rund 3,8 Millionen Beschäftigten geeinigt. Der Tarifabschluss für die nordrhein-westfälische Metallindustrie wird nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall auch bundesweit gelten. Mehr

13.05.2016, 13:39 Uhr | Wirtschaft
Tarifverhandlungen VW und IG Metall einigen sich auf neuen Haustarif

Nicht nur mehr Lohn soll es geben, auch eine der strittigsten Fragen wurde offenbar gelöst: So soll wohl auch der Tarifvertrag zur Altersteilzeit verlängert werden. Mehr

20.05.2016, 08:46 Uhr | Wirtschaft

Koalition der Besserwohnenden

Von Matthias Alexander

In Frankfurt erstarrt der Mietwohnungsmarkt - und die Stadtpolitik gleich mit. Beim Thema Wohnraum lässt sich mit den Parteien kein Staat machen. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --