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Stipendien für Südeuropäer Erst Deutsch lernen, dann hier arbeiten

Hessen wirbt in Spanien qualifizierte Männer und Frauen an. Die Metzler-Stiftung vergibt Sprach-Stipendien für arbeitslose Fachkräfte aus Südeuropa.Pro Schüler summieren sich die Leistungen auf 9000 Euro.

© dpa Vergrößern In Spanien finden selbst Qualifizierte derzeit nur schwer eine neue Stelle, in Hessen wird ihnen der Teppich ausgerollt und mit Sprachkursen geholfen

Die einen suchen verzweifelt nach Arbeitskräften, die anderen ebenso verzweifelt nach einem Job. Doch sie können zusammen nicht kommen, weil zwischen ihnen mehr als Tausend Kilometer und eine Sprachbarriere liegen. In Hessen wie auch in anderen Bundesländern leidet die Wirtschaft unter Fachkräftemangel. Die so gefragten Ingenieure, Informatiker und andere Spezialisten könnten die Unternehmen theoretisch in den Krisenländern des europäischen Südens finden, in denen bis zu 50 Prozent der jungen Menschen ohne Arbeit sind. Aber die Akademiker aus Spanien, Portugal oder Griechenland müssten zuerst einmal Deutsch lernen.

Hans Riebsamen Folgen:    

Genau dabei hilft jetzt die Metzler-Stiftung mit einem Stipendien-Programm. 16 junge Frauen und Männer machen derzeit beim Frankfurter Goethe-Institut einen Intensivkurs in Deutsch. Danach, so die Hoffnung, werden die arbeitslosen Ingenieure, Naturwissenschaftler und Ärzte hier eine qualifizierte Arbeit finden. Die Frankfurter Stiftung übernimmt während der vier Kurs-Monate Kost und Logis sowie die Kosten für die 400 Unterrichtsstunden. Außerdem erhält jeder Teilnehmer ein Taschengeld. Pro Schüler summieren sich die Leistungen auf 9000 Euro, insgesamt setzt die Stiftung 150.000 Euro ein.

„In meinem Land gibt es keine Zukunft“

Leonidas Theodoridis ist einer der 16 Stipendiaten, die seit dem 5. November im Goethe-Institut am Frankfurter Südbahnhof Deutsch büffeln. Der Neunundzwanzigjährige aus Thessaloniki in Griechenland ist Bauingenieur und hat nach seinem Studium in der Baufirma seines Vaters in diesem Beruf gearbeitet. Doch seit drei Jahren kommen keine Aufträge mehr herein, Theodoridis musste sich arbeitslos melden. „In meinem Land gibt es keine Zukunft“, sagte er. Nun will er sein Glück in Deutschland versuchen.

Grundkenntnisse in der deutschen Sprache besitzt er wie auch alle anderen Kursteilnehmer schon. Dies war Voraussetzung für ein Stipendium. Aber diese Deutschkenntnisse reichen nicht aus, damit sich Theodoridis im Beruf verständigen könnte. Ende Februar wird er den Kurs am Goethe-Institut mit Sprachzertifikat C1 abschließen. Absolventen auf diesem Level beherrschen Deutsch so kompetent, dass sie sich erfahrungsgemäß über komplexe Themen auszutauschen können.

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„Deutsch“ nennt die Metzler-Stiftung ihr Projekt. Für Frankfurts Ehrenbürger Friedrich von Metzler stellt das Stipendienprogramm eine Herzensangelegenheit dar. Es bedrücke ihn, dass viele gut ausgebildete Menschen in Griechenland, Spanien oder Portugal einfach keine Arbeit fänden, sagt der Chef der Metzler-Bank. Er könne die Frustration nachfühlen, die jene jungen Männer und Frauen empfänden, die mit Mitte Zwanzig keine Zukunftspläne schmieden könnten.

Informatiker und Ingenieure dabei

Es geht Metzler und seinen Partnern in der Bank keineswegs darum, auf diesem Weg Nachwuchskräfte für ihr Haus zu rekrutieren.Die Stiftung habe sich ausschließlich an den Vorgaben der Hessischen Fachkräftekommission orientiert und Stipendiaten genommen, die Abschlüsse in Ingenieurberufen und in den sogenannten Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) hätten beziehungsweise Pflegekräfte, Pädagogen oder Ärzte seien, sagt Johannes Reich, einer der Partner des Bankhauses. Jedem Stipendiaten steht aber ein Mitarbeiter der Metzler-Bank ehrenamtlich als Pate zu Seite.

Die Metzler-Stiftung möchte mit ihrem Stipendienprogramm einen Anstoß geben, der Kreise zieht. Friedrich von Metzler will für eine Fortsetzung des Projekts eigenes Geld spenden, sofern sich weitere Unternehmen oder Organisationen bereit erklären, ihrerseits ebenfalls derartige Stipendien zu vergeben. Zu den Teilnehmern des ersten Kurses gehören auch die 25 Jahre alte Informatikerin Catarina Onofre aus Lissabon und der 23 Jahre alte Jaume Torres aus Barcelona, ein Industrieingenieur. Sie hätten gute Chancen, nach dem Abschluss des Intensiv-Sprachkurses hier einen Job in ihrem Beruf zu finden, sagt ein Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit.

Quelle: F.A.Z.

 
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