20.06.2008 · Trotz eines guten Ergebnisses verbucht die Stadtwerke Frankfurt Holding für 2007 einen weit höheren Fehlbetrag als 2006. Schuld daran sind ausnahmsweise die Energieversorger. Die Verkehrsbetriebe konnten ihre Verluste deutlich verringern.
Von Tim KanningDie gute Nachricht zuerst. Durch effizientes Schienenschleifen konnte beim öffentlichen Nahverkehr im vergangenen Jahr einiges an Kosten gespart werden. Aber auch bei anderen Prozessen hat die Verkehrsgesellschaft Frankfurt, weithin als VGF bekannt, sich von Nahverkehrsbetreibern vergleichbarer Städte abgeguckt, wie diese Kosten senken. Um fast 16 Millionen Euro konnte die VGF dadurch, aber auch durch das Ausschreiben einiger Busstrecken, im Jahr 2007 günstiger fahren als 2006.
Ihr Verlust betrug nur noch 37,4 Millionen Euro, nach 53,2 Millionen im Vorjahr. Auch Investitionen, zum Beispiel in neue Bahnen, machten sich jetzt durch niedrigere Betriebskosten bemerkbar, sagte Werner Lutz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Frankfurt am Main Holding GmbH, als er die Jahresbilanz für das Jahr 2007 vorlegte: „Hier haben wir einiges geerntet, was wir im Jahr davor gesät haben.“
„Das positive operative Ergebnis ins Negative gezogen“
Unter anderem durch diese Einsparungen konnte die Holding beim ordentlichen Ergebnis, also jenem aus der normalen Geschäftstätigkeit, um 6,8 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Hatte das Ergebnis 2006 noch bei minus 2,23 Millionen Euro gelegen, so konnte für 2007 ein Plus in Höhe von 4,6 Millionen Euro verzeichnet werden. Den Stadtwerken gehören neben der VGF noch die Bäderbetriebe, die Abfallverbrennungsanlage Nordweststadt und Anteile der Energieversorger Mainova und Süwag sowie der Fraport AG, der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens.
Uwe Becker (CDU), Kämmerer und Beteiligungsdezernent der Stadt Frankfurt, die alleinige Besitzerin der Holding ist, war angesichts dieser Zahlen voll des Lobes. Zehn Jahre nach der Gründung der Holding erweise sich der Schritt, die Stadtwerke in eine eigene „zukunftsgerichtete Gesellschaft“ auszugliedern und somit den Haushalt zu entlasten, als richtige Entscheidung.
Allerdings ist der Fehlbetrag der Holding im vergangenen Jahr deutlich in die Höhe gegangen, von 760.000 Euro im Jahr 2006 auf 10,3 Millionen Euro. Lutz machte hierfür vor allem Gewerbesteuernachzahlungen verantwortlich. Er schilderte insbesondere einen Fall bei der Mainova, die Ende der neunziger Jahre einige Heizkraftwerke außerplanmäßig auf Grundlage der damals sehr niedrigen Strompreise abgeschrieben habe. „Das hat uns das positive operative Ergebnis ins Negative gezogen“, sagte Lutz und spielte dann auf die Holding-Mutter, die Stadt Frankfurt, an: „Soweit es die Gewerbesteuer betrifft, bleibt es ja in der Familie.“
„Ein klares Njet“ an ausländische Investoren
Überhaupt sind es vor allem die Energieversorger, die derzeit mit großen Unsicherheiten konfrontiert werden. Zwar ist die Mainova mit ihrer Gewinnabführung von 75,2 Millionen Euro immer noch die Haupteinnahmequelle der Stadtwerke, die etwas mehr als drei Viertel der Anteile halten. Aber gesunkene Netzentgelte, schärferer Wettbewerb und die stark gestiegenen Beschaffungskosten für Strom und Gas belasten den Energieversorger. Tendenziell erwartet Lutz eher ein Absinken der Gewinnabführung. Von 2009 an soll für die Netzentgelte zudem ein „noch sportlicheres“ neues Regulierungsverfahren gelten, wie Lutz sagte.
Negativ zu Buche schlug 2007 auch die Abfallverbrennungsanlage Nordweststadt, die im Jahr zuvor an die Holding abgetreten worden war. Den für sie verbuchten Verlust von 10,5 Millionen Euro begründete Lutz damit, dass Abschreibungen vorgezogen würden. Spätestens von 2012 an solle sie schwarze Zahlen schreiben. Bei den Bäderbetrieben sei dies nicht möglich. Positiv wertete Stadtkämmerer Becker schon, dass in den vergangenen zehn Jahren der Zuschussbedarf von 24 Millionen auf knapp unter 20 Millionen Euro gesenkt werden konnte. Ein weiterer Kostenrückgang sei hier kaum möglich.
Becker betonte ausdrücklich, dass die Stadt sich weder bei den Energieversorgern noch bei der Fraport von Anteilen trennen wolle. Sollten sich ausländische Investoren etwa für eine Beteiligung an der Mainova interessieren, würde er dem „ein klares Njet“ erteilen. „Gesellschaften, die woanders ihren Sitz haben, dürften bei ihren Entscheidungen kaum deren regionale Bedeutung berücksichtigen“, so Becker. Es sei wichtig, dass die öffentliche Hand hier ihren großen Einfluss behalte.