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Veröffentlicht: 15.12.2012, 19:30 Uhr

Sportwetten Warten auf den großen Wurf

Von privaten Internet-Anbietern gebotene Sportwetten sollen raus aus der Illegalität. Allerdings dauert es, die Lizenzen zu vergeben. Derweil herrscht in der Grauzone viel Betrieb.

© Zimmermann, Julia Im rechtsfreien Raum

Wer im Frankfurter Bahnhofsviertel auf Sport wettet, zieht seine Jacke nicht aus. Draußen klirrt der Dezember, drinnen ist es zwar warm, aber der mäßig beleuchtete Raum mit den Tischen, die wie in einer Kantine aufgestellt sind, ist zu ungemütlich, um seine Garderobe abzulegen. Ein Italiener mit dünnem, aber sorgfältig frisiertem Haar trägt zum schwarzen Mantel einen roten Schal. Er passt nicht so richtig hier her, an diesen Ort, an dem ein gebrechlicher Mann an der Wand entlang humpelt und die Augen zusammenkneift, um von den LCD-Bildschirmen die Wettquoten ablesen zu können.

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Der Italiener, der in Sachsenhausen wohnt und Spirituosen vertreibt, ist oft hier, eigentlich immer, wenn er frei hat, so wie heute. Es ist zehn Uhr morgens, er wird warten, bis die Spiele, auf die er getippt hat, gespielt sind. Um eins tritt Singapur im Fußball gegen die Philippinen an, um halb drei spielt Genclerbirligi im türkischen Pokal gegen Mersin Idman Yurdu.

Der Italiener weiß nichts von diesen Namen, er weiß nur um die Quoten. Bei einem Sieg von Genclerbirligi gibt es das 1,7-fache des Einsatzes, bei einem Erfolg von Singapur das 1,65-fache. Beides ist wahrscheinlich, die Quoten sind also niedrig, aber nicht zu niedrig. 1,7, 1,8 - das, sagt der Italiener, sind die Gewinnchancen, bei denen er setze. Für einen Sieg von Bayern München am vergangenen Freitagabend gegen Mönchengladbach, ein zuvor wahrscheinliches Ergebnis, lag die Quote bei 1,17. Das, sagt der Italiener, lohnt sich nicht.

Der Unmut könnte groß werden

Er bewegt sich im rechtsfreien Raum und weiß es vermutlich nicht. Die Sportwetten, über das Internet von „privaten“ Anbietern beherrscht, sollten mit einem großen Wurf aus der Illegalität herausgeholt werden. Inzwischen holt man schon fast ein halbes Jahr dazu aus, die entsprechenden Lizenzen zu verteilen. Der neue Glücksspielstaatsvertrag ist seit Sommer in Kraft. Mit ihm muss auf dem glatten Parkett einer europaweiten, sozialen Marktwirtschaft der Spagat gelingen, ansonsten gibt es kein Halten mehr.

Auf der einen Seite die Suchtgefahren insbesondere für Jugendliche zu limitieren und Hürden für kriminelle Manipulationen zu schaffen, andererseits dem Gebot der möglichst liberalen Austauschs von Dienstleistungen zu genügen, wie es der Europäische Gerichtshof schon mehrfach angemahnt hat. Außerdem wollten die Ministerpräsidenten nicht weiterhin den Vorwurf auf sich sitzen lassen, sie verteidigten das staatliche Monopol vor allem, um mit den Einnahmen aus den Sportwetten die leeren Landeskassen aufzufüllen.

Im hessischen Innenministerium, bundesweit für die Lizenzvergabe zuständig, rechnet man damit, Anfang des zweiten Quartals 2013 könnten die Entscheidungen fallen, welche Anbieter als vertrauenswürdig einzustufen sind. Allerdings zeichnet sich schon jetzt ab, dass der Unmut dann groß sein wird. Nur 20 Mal soll die Erlaubnis erteilt werden, zu Lande und im weltweiten Netz um Kunden aus Deutschland zu buhlen und dabei die strengen Auflagen einzuhalten - fast 100 Wettbewerber wollen jedoch angeblich bis zum 21. Januar Anträge einreichen.

Sportwetten - Das Wettbüro Ambassador auf der Mainzer Landstraße in Frankfurt. © Kretzer, Michael Vergrößern In einem Frankfurter Wettbüro

Durch den kahlen Raum des Wettbüros im Frankfurter Bahnhofsviertel weht Zigarettenrauch und manchmal die Legende von einem, der hier das große Geld gemacht hat. Vor zwei Wochen hat jemand zwei Euro gesetzt und 12.000 gewonnen, erzählt der Italiener. Der habe nur die hohen Quoten angekreuzt - pures Glück. So spielt der Spirituosenhändler nicht, er setzt auf das Wahrscheinliche. Jetzt stehen auf seinem frisch an der Kasse ausgedruckten Tippschein acht Spiele, fünf Euro hat er gesetzt, 492,45 kann er gewinnen. Wenn alles gut läuft, jeder Tipp stimmt. Das, sagt er, ist eigentlich nie der Fall. Normalerweise gewinnt die Bank.

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