02.12.2003 · Nur wenige Wochen nach dem Beschluß über das Verbundkonzept der Sparkassen Hessens und Thüringens erhöht die hessische Landesregierung den Druck auf die Frankfurter Sparkasse und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), enger als bisher zusammenzurücken.
Nur wenige Wochen nach dem Beschluß über das Verbundkonzept der Sparkassen Hessens und Thüringens erhöht die hessische Landesregierung den Druck auf die Frankfurter Sparkasse und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), enger als bisher zusammenzurücken. Bei einem Redaktionsbesuch in der "Frankfurter Allgemeinen/Rhein-Main-Zeitung" lobte der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) zwar den Verbund zwischen den gut 50 Sparkassen der beiden Bundesländer und der Helaba, der mittelfristig zu höheren Erträgen aller Häuser durch eine engere Zusammenarbeit führen soll. Er bekräftigte aber zugleich, daß die Landesregierung diese Lösung, bei der die Selbständigkeit der einzelnen Institute trotz aller Kooperation gewahrt bleibt, am Finanzplatz Frankfurt für nicht ausreichend hält.
Die beiden Institute haben an der Neuen Mainzer Straße im Bankenviertel ihren Sitz direkt gegenüber. Die Helaba nimmt bestimmte Serviceaufgaben für die örtlichen Sparkassen in den beiden Bundesländern wahr, ist aber über eine Tochter auch als Förderbank des Landes Hessen tätig, vergibt Kommunalkredite und betreibt wie kommerzielles Kreditinstitut ein Firmenkundengeschäft. Die Frankfurter Sparkasse von 1822 wiederum ist mit ihrem örtlichen Privat- und Firmenkundengeschäft im Erscheinungsbild eine Sparkasse wie jede andere. Allerdings handelt es sich nicht ein öffentlich-rechtliches Institut, sondern eine sogenannte freie Sparkasse, organisiert als wirtschaftlicher Verein, in dem zwar 40 Prozent der Stimmrecht auf die Stadt entfallen, aber 60 Prozent auf die Polytechnische Gesellschaft, ein traditionsreicher Verein verdienter Bürger.
Rhiel bekräftigte gestern seine Äußerung vor einigen Monaten im Landtag, notwendig sei eine "vertikale Integration" der beiden Häuser. Dabei könnte jedes Haus seine Stärken besser zur Geltung bringen, außerdem ließen sich Kosten senken. Er mochte sich nicht festlegen, in welcher Form die beiden Institute zusammengeführt werden könnten, bezeichnete aber eine Fusion als nicht naheliegend. Zur Frage, ob beide Häuser dann in einer Holding zusammengefaßt werden könnten, äußerte der Minister, der Begriff sei "etwas schillernd". Notwendig sei jedenfalls, daß die strategischen Entscheidungen für beide Häuser verbindlich an einer Stelle fielen. Und von strategischen zu operativen Entscheidungen sei der Übergang fließend, fügte er hinzu.
Der Minister deutete an, daß noch viel Überzeugungsarbeit notwendig ist, bis es zu einer "vertikalen Integration" kommt. Die Helaba gehört zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen und damit den Sparkassen dieser beiden Länder; zehn Prozent hält das Land Hessen, mit fünf Prozent ist Thüringen beteiligt. Schon diese drei Anteilseigner verfolgen unterschiedliche Interessen; so hob Rhiel wiederholt hervor, daß eine Lösung gefunden werden müsse, mit der auch der Sparkassenverband, also die Gesamtheit der örtlichen Institute, leben könne. Die Sparkassen hätten ein Interesse daran, daß die Helaba nach einer "vertikalen Integration" ihre Verbundbank bleibe.
Noch komplizierter ist die Interessenlage bei der 1822. Der hessische Innenminister hat der Stadt Frankfurt wegen ihrer Finanznot aufgetragen, den Rückzug aus dem Geldinstitut zu prüfen. Es gibt unterschiedliche Signale aus dem Römer, wie sich der Magistrat dazu stellt. Rhiel verwies gestern auf diesen Prüfauftrag und fügte lediglich hinzu, es sei wünschenswert, daß sich die Stadt ihrer Verantwortung für den Finanzplatz nicht entziehe.
Auch bei der Polytechnische Gesellschaft ist die Meinungsbildung über die Zukunft der 1822 noch nicht abgeschlossen. Ihr Präsident Hans-Jürgen Hellwig äußerte gestern auf Anfrage, über eine Holding lohne sich nicht nachzudenken, solange kein konkreter Vorschlag gemacht worden sei. Zu einer noch engeren Zusammenarbeit meinte er knapp: "Bei einer Vollfusion können wir uns doch verabschieden."
Rhiel berichtete, er führe ohne Zeitdruck Gespräche über die Zukunft beider Häuser, kündigte aber zugleich an, "im Laufe des nächsten Jahres muß eine Entscheidung gefallen sein". Er fügte unter Verweis auf das Verbundkonzept hinzu, "die Zeit ist reif, daß der zweite Schritt auch vollzogen werden muß".
Rhiel bekräftigte bei dem Redaktionsbesuch, die Landesregierung halte das dreigliedrige Banksystem in Deutschland mit privaten Instituten, den Volksbanken und den kommunalen Sparkassen für zukunftsfähig. Ohne die Sparkassen wäre sicherlich so manches mittelständische Unternehmen längst insolvent. "Die Sparkassen sind das wichtigste und vornehmste Instrument der kommunalen Wirtschaftsförderung." Leider mißbräuchten manche Kommunen die Ertragskraft dieser Häuser, um ihre Haushalte zu sanieren. Würden sich an den öffentlich-rechtlichen Geldinstituten private Unternehmen beteiligen, so löste sich das "Netzwerk Sparkasse" auf, so der Minister. Namentlich ausländische Geldinstitute seien lediglich an den Kundenstämmen der Sparkassen interessiert.
Zu einer Ankopplung weiterer Häuser an eine Holding, also etwa die Einbeziehung der Nassauischen Sparkasse, sagte Rhiel, das sei derzeit nicht das wichtigste Thema. Es gelte, zunächst für das engere Rhein-Main-Gebiet eine Lösung mit Vorbildcharakter zu finden. Allerdings sei es alllein aus Kostengründen notwendig, die Überschneidung von Geschäftsgebieten zu bereinigen. So haben in Frankfurt mit der 1822, der Naspa und der Taunus-Sparkasse nicht weniger als drei Sparkassen Filialen. MANFRED KÖHLER