26.11.2009 · Wie viele Patienten sterben im Krankenhaus? Einige Hospitäler stellen solche Daten jetzt ins Internet, darunter die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik in Frankfurt und die Helios-Häuser. Damit wird die Diskussion belebt, wem die Veröffentlichung von Behandlungsergebnissen nützt.
So ist es jetzt nachzulesen. Zahl der Patienten im Alter von 65 bis 84 Jahren, die 2007 oder 2008 mit Herzinfarkt in das Helios-Krankenhaus in Bad Schwalbach gebracht wurden: 58. Todesfälle davon: fünf. Sterblichkeit mithin: 8,6 Prozent. Diese Angaben finden sich seit kurzem im Internet unter www.helios-klinikfuehrer.de – einschließlich der Anmerkung, dass das Haus mit diesem Wert unter dem Durchschnitt der deutschen Krankenhäuser liege. Auch für andere Altersgruppen und für eine Reihe weiterer Erkrankungen lässt sich nachschlagen, wie oft Behandlungen in Bad Schwalbach tödlich endeten. Oftmals, etwa bei Leistenbruchoperationen oder der Entfernung der Gallenblase, steht in der dafür vorgesehenen Rubrik eine Null.
Es braucht einen Moment, bis man die tabellarische Übersicht über die Zahl der Patienten und ihre Sterblichkeit versteht. Auch sagt sie zwangsläufig nichts darüber aus, ob die Patienten mehr als nur überlebt haben, nämlich gut behandelt wurden. Aber die 114 Krankenhäuser in Deutschland, die sich zur „Initiative Qualitätsmedizin“ zusammengeschlossen und damit zugesagt haben, spätestens im Frühjahr 2010 solche Daten ins Internet einzustellen, beleben damit die Debatte um derartige Qualitätsberichte. Aus dem Rhein-Main-Gebiet sind neben der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt die Helios-Kliniken in Bad Nauheim, Idstein und eben Bad Schwalbach dabei, weil die gesamte Helios-Kliniken GmbH, die zum Bad Homburger Fresenius-Konzern zählt, mitmacht. Seit gestern sind neben den Daten von Helios auch die der Unfallklinik online.
Gesetzlich zur Herausgabe von Qualitätsberichten gezwungen
Damit wetteifern nun zwei Arten der Berichterstattung um Leser. Denn völlig neu ist die Veröffentlichung von Daten über die Behandlung von Patienten in Krankenhäusern nicht. Seit 2005 sind alle Kliniken gesetzlich zur Herausgabe solcher Qualitätsberichten gezwungen. In Hessen laufen die Fäden dafür bei der Geschäftsstelle Qualitätssicherung in Eschborn zusammen, die von der Hessischen Krankenhausgesellschaft und den Krankenkassen getragen wird. Wie ihr Leiter Björn Misselwitz berichtet, ist ein Teil der offiziellen Berichte für 2008 seit kurzem auf den Internetseiten der einzelnen Kliniken zu finden, Anfang nächsten Jahres werde der Rest mit Angaben über die Behandlungsqualität folgen.
Die offiziellen Qualitätsberichte sind detaillierter als die Übersichten der „Initiative Qualitätsmedizin“, was freilich die Verständlichkeit nicht eben erhöht. Dafür geht es ihnen nicht allein um die Frage, ob ein Patient überlebt hat. Im Qualitätsbericht des Bürgerhospitals in Frankfurt für 2006 lässt sich etwa nachlesen, dass es nur bei einem der 44 Patienten, denen in jenem Jahr ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wurde, anschließend zu einer Entzündung durch eine Infektion der Wunde kam. 2,3 Prozent aller Patienten waren das, wie es weiter heißt, der Referenzwert von drei Prozent sei mithin unterschritten worden.
Sternchenvergabe in Amerika
Die „Initiative Qualitätsmedizin“ wirbt damit, dass sie Daten über die Behandlungen „für alle sichtbar“ mache. Das war auch der Grund für die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik, der Vereinigung beizutreten. Die dort aufbereiteten Daten seien verständlicher als die in den offiziellen Qualitätsberichten, sagt Oberarzt Thomas Auhuber. Er hegt die Hoffnung, damit könnten sie auch dem Marketing des Krankenhauses dienen.
Die Vereinigten Staaten sind tatsächlich schon weiter. Dort werden auf bestimmten Internetseiten Krankenhäuser mit Sternchen bewertet wie Restaurants von Gastronomiekritikern. Ein Krankenhaus, bei dem sechs Monate nach einem Herzinfarkt 24 Prozent der Patienten gestorben sind, bekommt zum Beispiel fünf Sterne für die Behandlung dieser Krankheit – ein anderes, bei dem 43 Prozent nicht solange überlebten, hingegen nur drei.
Keine Rede von Komplikationen
So plakativ macht es freilich selbst die „Initiative Qualitätsmedizin“ nicht. Ohnedies machen sowohl Anhänger der offiziellen Studien als auch der neuartigen Datenzusammenstellungen deutlich, dass sie nicht allein auf potentielle Patienten zielen. Auhuber und Misselwitz heben hervor, dass die Unterlagen dazu dienen, innerhalb der Krankenhäuser nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Und sowieso leiden beide System darunter, dass nur ein kleiner Teil der Erkrankungen überhaupt erfasst wird.
Eines immerhin haben die Datenerhebungen der vergangenen Jahre ermöglicht: Patienten können sich zumindest recht gut informieren, welches Krankenhaus überhaupt welche Behandlungen oder Operationen anbietet und wie oft nach dem Messer gegriffen wird. Wer sich nicht die Mühe machen will, die dickleibigen Qualitätsberichte auf den Homepages der einzelnen Krankenhäuser durchzusehen, kann sich darüber unter www.weisse-liste.de, einem Projekt der Bertelsmann-Stiftung, recht komfortabel informieren. Denjenigen Teil, der sich mit Komplikationen befasst, lässt man in Gütersloh allerdings außen vor.