21.03.2010 · 2009 ist Schott in die roten Zahlen gerutscht. Doch 2010 spürt der Konzern wieder Aufwind – auch dank der neuen Produktionsstätte in Mainz.
Von Markus Schug, MainzProduktion für die Gesundheitsbranche ist ein stabiles, nahezu krisensicheres Geschäft. Mehr noch, denn der Bedarf an lupenreinen Fläschchen, Ampullen, Karpulen und Spritzen, in denen ebenso hochwertige wie teure Medikamente gelagert oder verabreicht werden können, wächst weltweit. Ebendeshalb kann sich der in Mainz ansässige Schott-Konzern, der im Geschäftsjahr 2008/2009 in fast allen Sparten und auf nahezu allen von ihm belieferten Märkten Verluste gemacht hat, glücklich schätzen, auf diesem Feld gut aufgestellt zu sein. Im Oktober 2009 wurde am Hauptsitz – trotz globaler Krise – in einen weiteren, den mittlerweile fünften Pharmarohrbetrieb investiert. An 13 Standorten weltweit lässt der 17 400 Beschäftigte zählende Technologiekonzern aus seinen Fiolax-Spezialglasröhren jährlich rund sieben Milliarden Stück der vielfältig zur Anwendung kommenden Pharmaverpackungen herstellen.
Allein 400 Kilometer dieses Ausgangsstoffes verlassen täglich das Werk an der Mainzer Hattenbergstraße, wo vor einigen Jahren die unrentable Fernsehröhrenfertigung eingestellt worden war. Weil im Stammwerk zudem momentan so viel Glaskeramik produziert wie noch nie, können die 2600 „Schottianer“ dort nicht klagen – auch wenn im Geschäftsjahr 2008/2009 vom Konzern rote Zahlen geschrieben wurden. Trotz eines um drei Prozent auf 2,3 Milliarden Euro gestiegenen Umsatzes war ein Verlust in Höhe von 167 Millionen Euro auszuweisen – nach 182 Millionen Euro Überschuss im Vorjahr. Vor allem Auftragsrückgänge aus der Automobil-, Elektronik- und Halbleiterindustrie sowie der Wettbewerbsdruck durch Billiganbieter aus Asien seien dafür verantwortlich gewesen und hätten den Konzern zu etlichen Restrukturierungen gezwungen, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Udo Ungeheuer am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz.
Umsatzsteigerung um bis zu 20 Prozent im Blick
In den ersten fünf Monaten des neuen Geschäftsjahres spreche nun jedoch alles dafür, das sich die Stimmung weltweit wieder deutlich aufgehellt habe, sagte Ungeheuer, der deshalb bis September 2010 mit einer Umsatzsteigerung zwischen zehn und 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr rechnet. Zu den wachstumsstärksten Feldern gehöre der Bereich „Home Tech“, in dem Schott mit seinen Ideen vom gestiegenen Umweltbewusstsein vieler Käufer von Haushaltsgeräten profitiere. Positiv entwickele sich zudem das Geschäft mit elektronischen Komponenten, etwa für Mobiltelefone und Kameras. Erfolgreich sei man auch mit dem Bau von Receivern für solarthermische Parabolrinnen-Kraftwerke.
Sorgen bereite der Schott-Solarsparte und der ganzen Branche dagegen die von der Bundesregierung angekündigte Reduzierung der Einspeisevergütungen für Photovoltaikanlagen. Mit der für den 1. Juli geplanten abermaligen Kürzung um 16 Prozent stärke die Politik lediglich die Billigkonkurrenz aus Asien und schade der deutschen Photovoltaikindustrie, zu deren Stärke doch gerade die Installation von technisch komplizierten Solaranlagen auf kleineren Dachflächen gehöre. Diese Energiepolitik könnte laut Ungeheuer in den nächsten Jahren den Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen in Deutschland bedeuten.
Entlassungen kein Thema
Angesichts des für 2010 erwarteten Zuwachses beim Umsatz seien Entlassungen kein Thema. 150 Millionen Euro sollen in Sachanlagen investiert werden, was nicht mehr ganz so viel wäre wie zuletzt, als zum 125. Jahrestag der Firmengründung unter anderem die Konzernzentrale an der Hattenbergstraße in Mainz modernisiert und aufgestockt wurde. Nach Inbetriebnahme der neuen Wanne zur Fertigung von Pharmarohr, an der seit Herbst 60 Beschäftigte tätig sind, ist für den Frühsommer nun auch der Bezug des neuen „Headquarters für Schott Solar“ angekündigt.
Fast nebenbei erwähnte Ungeheuer ein anderes Architekturprojekt in Mainz, mit dem Schott gemeinsam mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Kürze an die Öffentlichkeit gehen will. Das Museum für Antike Schifffahrt am Südbahnhof soll offenbar mit einem Solardach ausgestattet werden; darüber hinaus ist geplant, das Beleuchtungs- und Lichtkonzept in der ehemaligen Markthalle zu überarbeiten.