26.08.2011 · Den Schlüsseldienst zu rufen kann teuer werden. Durch hohe Stundensätze, Anfahrt und Material kommen schnell horrende Summen zusammen. Sich auf den Notfall vorzubereiten lohnt sich. - Das Verbraucherthema.
Von Tim KanningSchreck in der Abendstunde. Das junge Paar aus Kelkheim kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause, die kleine Tochter hungrig und müde an der Hand. Doch der Schlüssel passt nicht ganz ins Schloss - der zweite Haustürschlüssel steckt von innen. Ein Schlüsseldienst muss her. Drei Nummern lässt sich das Paar von den Eltern per Handy durchgeben. Von allen drei Anbietern lassen sie Preise vorschlagen. Der günstigste sagt etwas von 180 Euro - schließlich sei es schon nach 18 Uhr, allein An- und Abfahrt kosteten 60 Euro. Die beiden anderen Anbieter verlangen wesentlich mehr.
Wer sich selbst aus der Wohnung ausschließt, hat im Grunde schon Ärger genug. Rasch wird dann die nächstbeste Nummer aus dem Telefonbuch des Nachbarn herausgesucht. Erst hinterher ärgern sich viele über die horrenden Beträge, die bei den meist kurzen Einsätzen der legalen Schlossknacker zusammenkommen. Nur wenige vergleichen wie das Paar aus Kelkheim die Preise verschiedener Anbieter. Ein Fehler: Denn wie das Verbraucherportal Geld.de mit einem Test von mehr als 2000 Schlüsseldiensten herausfand, liegen die Preise auch innerhalb der gleichen Stadt oft weit auseinander (siehe Tabelle). Vor allem den Einsatz nach 22 Uhr lassen sich viele Schlüsseldienste teuer vergüten. In Wiesbaden verlangte ein Anbieter 300 Euro, allein für das Öffnen eines handelsüblichen Schlosses. Beim günstigsten Wettbewerber kostete der gleiche Dienst 65 Euro.
Viele Nummern führen ins gleiche Call-Center
Die großen Unterschiede kommen nicht zuletzt deshalb zustande, weil sich in den gängigen Branchen- und Telefonbüchern unzählige schwarze Schafe tummeln. Vor allem hinter all den Kunstnamen, mit möglichst vielen "A" am Anfang, steckt häufig ein und derselbe Anbieter. Zwei Drittel solcher Einträge gehen laut Geld.de auf nur sechs Prozent der Schlüsseldienste zurück.
Viele unterschiedliche Rufnummern, auch solche, die wie Frankfurter Festnetzanschlüsse aussehen, führen in das gleiche Call-Center, wie auch Hans-Reinhart Grünbaum von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt sagt. Von dort aus werden dann Monteure beauftragt, die auf Provision arbeiten. Die Qualifikation ist schwer nachzuprüfen. Grünbaum kämpft seit Jahren für die Rechte der Ausgesperrten. Auf der Internetseite der IHK hat er mehrere Gerichtsurteile gesammelt, in denen Verbraucher erfolgreich gegen Schlüsseldienste geklagt haben, wegen Wuchers oder irreführender Anzeigen im Telefonbuch etwa.
Nicht selten nutzt ein unseriöser Anbieter das Unwissen seiner Kunden aus und macht mehr, als er müsste. Eine unverschlossene Tür etwa kann in der Regel mit einem Draht geöffnet werden. Mancher Monteur greift aber gleich zum großen Werkzeug, zerstört das Schloss und berechnet dann auch noch den Einbau eines neuen.
Zusammenschluss seriöser Anbieter
Grünbaum rät, möglichst schon am Telefon genau zu klären, was zu welchem Preis gemacht werden soll. Halte sich ein Monteur nicht an die Absprache, liege eine Vertragsänderung vor. Der Kunde muss dann nicht zahlen. Um gar nicht erst an einen unseriösen Anbieter zu gelangen, sollte der Ausgesperrte möglichst viele Dinge am Telefon abklären - etwa den genauen Namen der Firma, des Ansprechpartners und des Monteurs. Knapp die Hälfte der Anbieter, die Geld.de für den Test anrief, habe schon nach einfachen Nachfragen wieder aufgelegt.
Um teure Missgriffe zu vermeiden, sollte man sich schon vor einem Notfall die Nummer eines günstigen, seriösen Schlüsseldienstes in der Nähe besorgen und abklären, ob er auch rund um die Uhr erreichbar ist. Grünbaum verweist auf die Internetseite www.der-schlossprofi.de. Hier haben sich einige Anbieter aus der Region zusammengetan, die Grünbaum als seriös einstuft. Er warnt aber zugleich davor, dass sich unter ähnlich lautenden Web-Adressen schon weniger vertrauensvolle Anbieter versammelt hätten.
Am Feiertag schon einmal 210 Euro
Die Schlossprofi-Monteure haben auch Referenzpreise für das Rhein-Main-Gebiet aufgelistet, die sie als Obergrenze bezeichnen. 84 Euro als Pauschalpreis je Stunde sollten demnach in der Zeit zwischen 8 und 18 Uhr nicht überschritten werden. Am Feiertag dürften es schon einmal 210 Euro sein. Zuzüglich einer Fahrtkostenpauschale von 36 Euro. Auch diese Preise sind also nicht eben günstig.
Das Paar aus Kelkheim hatte Glück. Ein fingerfertiger Nachbar kam ihm zu Hilfe. Mit etwas Draht und viel Geduld war der von innen steckende Schlüssel bald so weit verschoben, dass von außen wieder einer hineinpasste. 180 Euro gespart, der Nachbar wurde mit einem selbstgebackenen Kuchen entlohnt.
Stop Abzocke !
Alex Hilser (mischan1999)
- 28.08.2011, 16:59 Uhr
@Frau Schmidt: Von außen öffnen...
Cornelia Gilsbach (Cornelia198)
- 27.08.2011, 10:44 Uhr
@ Heiko Jansen: So manch einer versteht die Bedeutung einer Nachbarschaft nicht!
Ulrich Stauf (DH7XU)
- 27.08.2011, 10:16 Uhr
Nachbar ersetzt Schlüsseldienst for free, why ?
heiko janssen (kupferschiefer)
- 26.08.2011, 20:08 Uhr
Aussperrung verhindern
Tatiana Schmidt (tatiane)
- 26.08.2011, 19:19 Uhr