Die vielleicht beste Nachricht zuerst: Mit der Beschäftigungsprognose für das laufende Jahr vom Herbst 2009 hat das IHK-Forum Rhein-Main ziemlich falsch gelegen. Statt des vorausgesagten Verlustes von 35.000 Arbeitsplätzen in der Rhein-Main-Region dürften es nun am Ende des Jahres tatsächlich gut 6000 Stellen mehr geworden sein, wie Hubertus Hille, Chefvolkswirt der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, gestern sagte, als er die Prognose für 2011 vorlegte. Dabei habe man mit den vor einem Jahr prognostizierten Zahlen nicht einmal den schlimmsten Fall angenommen, sondern zurückhaltend vorausgesagt, führte Hille weiter zur alten Prognose aus. Tatsächlich haben aus heutiger Sicht auch das Gros der anderen Prognosen von Ökonomen für das Jahr 2010 nichts oder nicht viel mit der tatsächlichen Entwicklung im zurückliegenden Jahr zu tun.
Ungeachtet dessen wagt das IHK-Forum wieder eine Prognose, diesmal eine von vorn herein sehr positive. Demnach rechnen die Kammer-Ökonomen derzeit mit einem Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent in diesem und einem von 2,0 Prozent im nächsten Jahr. 2011 wird sich das den Rechnungen des Kammer-Forums zufolge in einem Beschäftigungsplus von 1,4 Prozent niederschlagen, was gut 28.000 zusätzliche Arbeitsplätze bedeuten würde. In der Region Rhein-Main würden dann mehr als zwei Millionen Männer und Frauen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. Freiberufler sind hier nicht berücksichtigt.
Auch die Binnennachfrage erstarke
Träger der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist vor allem der Dienstleistungssektor, in dem wiederum die Leiharbeit besonders rasch von einer Besserung der konjunkturellen Lage profitiert, wie Hille weiter sagte. Für die Finanzbranche prognostiziert er allerdings keinen Beschäftigungsaufbau, im Gegenteil. Dort sieht er nach der Finanzkrise und den Rettungsversuchen mit Hilfe der Steuerzahler vielmehr noch Marktbereinigungen kommen – mit entsprechend negativer Wirkung auf die Beschäftigungslage in dieser Branche. Günstiger fällt dagegen die Prognose für die in der Krise so arg gebeutelte Industrie in Rhein-Main aus. Dort wird es zwar krisenbedingt am Ende dieses Jahres etwa 7500 Stellen weniger als ein Jahr zuvor geben. Doch im Gegensatz zur Finanzbranche ist Hille zufolge hier die Talsohle durchschritten und 2011 wieder mit einem Beschäftigungsaufbau um 1000 auf 372 500 Stellen zu rechnen. Bei seinen Berechnungen legt das Kammer-Forum die Ergebnisse von repräsentativen Unternehmensbefragungen zugrunde und Daten der Bundesagentur für Arbeit. Die Region Rhein-Main, wie das Kammer-Forum sie definiert, erstreckt sich von Gießen und Fulda im Norden und Osten, über Aschaffenburg am bayerischen Untermain bis zur Südspitze Hessens, und reicht von Mainz über Wiesbaden bis nach Limburg im Nordwesten.
Wie Hartwig Rohde, Geschäftsführer des IHK-Forums Rhein-Main berichtete, haben fast 90 Prozent der Unternehmen in den Antworten angegeben, ihre gegenwärtige Geschäftslage sei befriedigend oder gut, die Stimmung habe klar das sehr gute Vorkrisenniveau erreicht. Wie die deutsche Wirtschaft insgesamt, profitieren auch die Unternehmen in Rhein-Main vor allem von den starken Exporten. Jedes zweite Industrieunternehmen melde gestiegene Auftragseingänge aus dem Ausland, sagte Rohde weiter.
Das Kammer-Forum sieht nun aber auch die sonst in Deutschland im Vergleich zum Export stets schwache Binnennachfrage erstarken. Das resultiere daraus, dass viele Unternehmen in Zeiten der Krise Investitionen zurückgestellt hätten, die sie nun nachholten. Befeuert werde die Binnennachfrage inzwischen aber auch vom privaten Konsum. Der Arbeitsmarkt sei weitgehend sicher, die Preise stabil, das steigere die Konsumlaune, ist sich Rohde sicher. Für eine Anhebung der Entgelte, wie sie neuerdings sogar Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) fordert, wollten die Kammervertreter gestern dennoch nicht plädieren. Das sei Sache der Tarifpartner.

