Mit einem um 3,4 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro gesteigerten Umsatz ist die Edeka-Gruppe zwar auch 2010 die Nummer eins der Lebensmittelhändler in Deutschland geblieben, die geplante Expansion in Rhein-Main funktioniert trotzdem nicht wie gewünscht. Jedenfalls liegt Rewe noch immer mit gut 300 Märkten klar vor Edeka mit knapp 70 Dependancen.
Markus Mosa, Vorstandschef der gelb-blauen Gruppe, hat zwar im April angekündigt, die Lücken, die die Edeka-Deutschlandkarte gerade im Rhein-Main-Gebiet aufweist, alsbald zu schließen, weil man ohnehin plane, in Deutschland in nächster Zeit Jahr für Jahr 200 neue Märkte zu eröffnen. Ähnlich lautende Ankündigungen sind allerdings schon seit drei Jahren immer wieder von Edeka zu hören. Geändert hat sich in Rhein-Main an dem ursprünglichen Zustand aber so sehr viel nicht.
In Steinbach läuft es gut für Edeka
Bei Edeka-Südwest gibt eine Sprecherin nur eine karge Auskunft. Man habe im Jahr 2005 etwa 80 Standorte als attraktiv erkannt und liege eigentlich ganz gut im Plan, sagte sie. Der Hinweis, dass sich diese Einlassung nicht mit dem zur Deckung bringen lässt, was der Vorstand jüngst über weiße Flecken auf der Edeka-Landkarte geäußert hat, bleibt ohne Antwort.
Beispielsweise in Steinbach im Hochtaunuskreis scheint es derzeit aber tatsächlich im Sinne von Edeka zu laufen. Dort könnte ein Vollsortiment-Markt mit einer Verkaufsfläche von 1500 Quadratmetern entstehen. Den Konkurrenten Rewe überflügeln würde Edeka in der 10.000-Einwohner-Stadt mit einem neuen Markt allerdings wieder nicht: Rewe ist schon da, einmal mit einem Vollversorgermarkt und zudem mit einer Dependance des Rewe-Discounters Penny. Was die Niedrigpreismärkte betrifft, ist allerdings auch die Edeka-Gruppe schon in Steinach vertreten – mit einen Netto-Markt nämlich.
Dort wo es Edeka gibt, wird er auch gut angenommen
Eine weiterer Edeka-Markt mit 1100 Quadratmeter Verkaufsfläche ist am westlichen Rand der Rhein-Main-Region geplant, in Oestrich-Winkel im Rheingau. Doch um die Bebauung des ziemlich genau in der Ortsmitte gelegenen Kerbeplatzes gibt es einen zähen Streit, der mit einiger Wahrscheinlichkeit erst vor Gericht entschieden wird. Vor Rewe wäre Edeka aber auch in der Weinstadt Oestrich-Winkel nicht, wenn denn der Markt schließlich gebaut würde. Die Rot-Weißen sind längst mit zwei Märkten präsent.
Dort wo es denn Edeka-Märkte in Rhein-Main gibt, werden sie von den Konsumenten dem Augenschein nach gut angenommen, sei es im überwiegend von Wohlsituierten bewohnten Wiesbadener Vorort Sonnenberg, im bodenständigeren Wiesbaden-Nordenstadt oder im Scheck-In-Center im Frankfurter Osten. Diese drei gehören zu den 12.000 Edeka-Märkten, die 4500 selbständige Kaufleute mit 300.000 Mitarbeitern im genossenschaftlich organisierten Edeka-Verbund betreiben.
Gut 4000 Netto-Märkte
Doch wie Brancheninsider berichten, finden sich nicht genug weitere solcher Kaufleute, die bereit sind, gerade dort eigenes Kapital in eine neue Edeka-Dependance zu investieren, wo die Konkurrenz von Rewe so dominiert, wie das in Rhein-Main der Fall ist. Bisweilen sehe sich Edeka gezwungen, Standorte als Filialen zu betreiben, die eigentlich von selbständigen Kaufleuten in eigener Verantwortung geführt werden sollten. Diese Einschätzung war auch schon im vergangenen Jahr aus der Branche zu hören.
Edeka hatte bei seinen Expansionsplänen darauf gehofft, vom Verkauf der Kaiser’s-Tengelmann-Filialen in Rhein-Main zu profitieren. Den Zuschlag bekamen dann aber Rewe und die Lebensmittelhandelskette Tegut aus Fulda. Die Gelb-Blauen kamen nicht zum Zug. Der Grund waren dem Vernehmen nach Befürchtungen bei Tengelmann, dass ein Verkauf an Edeka am Einspruch des Bundeskartellamt unter Hinweis auf die Markt- und Einkaufsmacht der Gruppe in Deutschland insgesamt scheitern könnte.
Beim Discount-Geschäft, der zweiten Säule der Gruppe, hatte Edeka Anfang 2009 mehr Glück. Damals konnte sich die Gruppe – wenn auch mit Auflagen – den Tengelmann-Discounter Plus einverleiben und in die Tochtergesellschaft Netto integrieren. Inzwischen gibt es gut 4000 Märkte, mehr als zwei Dutzend davon allein in Frankfurt.
Mehr Konkurrenz
Estelle Brunau (estelle77)
- 29.06.2011, 18:00 Uhr

