03.11.2008 · Nach der Wahl im Januar, die der Hessen-CDU herbe Verluste brachte, hatte die Fraport-Aktie kräftig verloren. Doch auf das Scheitern Andrea Ypsilantis reagierte sie nun mit einem Kurssprung. Für Anteilseigner ist das ein Freudentag. Auch für Fraport-Beschäftigte.
Von Manfred Köhler und Jochen RemmertDer Koalitionsvertrag von SPD und Grünen in Hessen ist Makulatur – und damit auch das Vorhaben, mit einem weiteren Verfahren zum Ausbau des Frankfurter Flughafens doch noch ein Nachtflugverbot durchzusetzen, was zwangsläufig zu weiteren Verzögerungen des Milliarden-Projekts geführt hätte. Die Nachrichten aus der Landeshauptstadt und die Hoffnung, nun werde der Ausbau rascher kommen als zuletzt absehbar, haben zu einer starken Nachfrage nach Fraport-Aktien geführt. Nur zwölf Minuten vergingen zwischen der ersten Agenturmeldung des Deutschen Depeschen-Dienstes um 10.35 Uhr, dass die Pläne für Rot-Grün geplatzt seien, und der Nachricht der Deutschen Presse-Agentur, der Kurs der Aktie sei um 10,4 Prozent nach oben geschnellt. In der Spitze lag der Aktienkurs sogar noch höher; gegen Ende des Tages blieb noch ein deutlicher Sprung von 10,5 Prozent.
Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aktie seit Monaten im Sinkflug ist. Im Dezember war sie 56,67 Euro wert gewesen, zu Wochenbeginn lag der Schlusskurs im elektronischen Handel bei 27,97 Euro. Trotz der Tagesgewinne ist die Aktie auf ein Jahr gesehen immer noch etwas schlechter gelaufen als der MDax. „In den vergangenen Wochen hat die Aktie unter den Risiken einer möglichen Verzögerung bei einer SPD-geführten Regierung gelitten. Der politische Gegenwind scheint nun ausgeräumt zu sein“ – so zitierte die Agentur dpa-AFX den Analysten Jochen Rothenbacher von Equinet. Wie allerdings die noch laufenden Gerichtsverfahren ausgingen, sei nicht klar, und so bleibe ein Restrisiko für den Ausbau bestehen.
Erleichterung am Flughafen
Von Fraport war keine Stellungnahme zum Scheitern der Regierungspläne von Andrea Ypsilanti (SPD) zu erhalten – anders als am Tag der Veröffentlichung des Koalitionsvertrages, als sich der Vorstand ausgesprochen kritisch zu den Ankündigungen von SPD und Grünen geäußert hatte. Dem Vernehmen nach war jedoch die Erleichterung auf dem Flughafen groß – nicht nur im Management, auch in der Belegschaft.
Einer derjenigen, die in der vergangenen Wochen vor den rot-grünen Plänen gewarnt hatte, ist Gerold Schaub, der für die Gewerkschaft Verdi in Fraport-Aufsichtsrat sitzt. Trotzdem zeigte er sich nicht begeistert, denn Schaub ist nicht nur seit mehr als 40 Jahren Gewerkschafter, sondern ebenso lange auch Sozialdemokrat. Doch obwohl seine Partei nun in schwierige Lage geraten ist, bestand er weiter darauf: „Die Kritik an den Plänen zum Flughafenausbau im Koalitionsvertrag war wichtig und richtig.“
„Kein weiteres Sperrfeuer gegen den Flughafenausbau“
Das sieht auch Peter Wichtel so, der Betriebsratsvorsitzende von Fraport. Das CDU-Mitglied hatte sich nach eigenem Bekunden schon auf eine Minderheitsregierung unter Ypsilanti eingestellt – samt der befürchteten Verzögerungen, was den Flughafenausbau betrifft. Trotz der politisch schwierigen Lage, die sich nun in Hessen ergeben habe, könnten jetzt aber die Beschäftigten der Fraport darauf hoffen, dass es nun „kein weiteres Sperrfeuer gegen den Flughafenausbau gibt“, meinte Wichtel.
Zuletzt hatte es einen starken Ausschlag des Kurses der Fraport-Aktie nach der Landtagswahl am 27. Januar gegeben, seinerzeit aber in die umgekehrte Richtung. Das Minus betrug in der Spitze neun, bei Handelsschluss fünf Prozent. Ein Analyst hatte damals darauf hingewiesen, dass die Aktie wegen des geringen Streubesitzes von gut zehn Prozent zu einem sprunghaften Verlauf neige.