24.01.2007 · Etwa 1500 Plagiate hat das Hauptzollamt Darmstadt bei einer Razzia auf der Konsumgütermesse „Paperworld“ auf dem Frankfurter Messegelände sichergestellt. Die meisten gefälschten Produkte stammen aus China, Indien und Thailand.
Von Katharina IskandarSie sehen fast identisch aus. Beide sind schwarz und neongelb, ein wenig kantig in der Form. Und doch ist der eine Stift ein patentiertes Markenprodukt, der andere eine genaue Kopie. „Nein, ich habe nichts gefälscht“, behauptet der chinesische Geschäftsmann, der an seinem Stand für Textmarker, Bunt- und Filzstifte wirbt.
Die Marker muss er trotzdem abgeben. Zu frappierend, sagt der Zöllner, sei die Ähnlichkeit zum Original. Am Ende schmollt der Chinese, immerhin hatte er auf neue Kundenkontakte gehofft. Die kann er nun vergessen. Denn stattdessen droht ihm eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Markenrecht.
Gezielte Suche nach Fälschungen
Die Zöllner sind unerbittlich, wenn es um Plagiate geht. Jedes Jahr durchsuchen die Beamten mehrere hundert Stände auf Konsumgütermessen wie der „Ambiente“, „Tendence“ oder wie heute auf der „Paperworld“. Jedes Mal werden sie fündig. Manchmal sind es ein paar hundert Artikel, die sie beschlagnahmen. Heute sind es genau 1529 Stück. Der Chinese am Messestand B 80 in Halle 10.1 hat seine Marker versteckt - wie viele andere Aussteller auch, die ihre Plagiate in Schränke einschließen oder hinter Vorhängen deponieren.
Die meisten wissen mittlerweile, dass der Zoll gemeinsam mit den Anwälten renommierter Produkthersteller gezielt nach Fälschungen sucht. Der Gesamtschaden, der jährlich durch Produktpiraterie entstehe, liege in dreistelliger Millionenhöhe, sagt Thomas Malter von der Koblenzer Oberfinanzdirektion. 213 Millionen Euro etwa waren es 2005. „Deshalb können wir hier nicht nachsichtig sein.“
Die Produkte, die auf der „Paperworld“ gezeigt werden, sind vor allem bunt. Pinkfarbene Täschchen, Fotoalben aus gefärbtem Bambusholz. Geschenkpapier muss unbedingt glitzern, sonst findet es inmitten der Konkurrenzprodukte keine Aufmerksamkeit - und obwohl es manchmal nur Nuancen sind, die das Plagiat vom Original unterscheiden, entgeht den Zöllnern nichts.
„Einfach nachgemacht“
Sie finden Scheren, die auf den ersten Blick gewöhnlich wirken, aber ebenso wie die Marker eine Fälschung sind. „Einfach nachgemacht“, ereifert sich Alain Trenchard, der als Anwalt der Original-Herstellerfirma gemeinsam mit dem Zoll nach Plagiaten sucht. Die Scheren seien das bestverkaufte Produkt seiner Auftraggeber, sagt er. Würden diese Scheren auf den Markt gelangen, wäre der Schaden für dessen Firma immens.
Erst seit einigen Jahren begleiten die Anwälte den Zoll. Sie seien die Experten, wenn es um Vergleiche von Produkten gehe, sagt Thomas Malter. Für die Anwälte wiederum biete der Zoll eine Art Schutz, denn nicht selten sei es in der Vergangenheit vorgekommen, dass Aussteller handgreiflich geworden seien. „Bei uniformierten Beamten sind viele zurückhaltend und einsichtig“, meint Malter. Das macht die Arbeit leichter.“
Gegen 18 Uhr ist die Suche zu Ende, der Trolley der Zollbeamten gut gefüllt. Vor allem Kugelschreiber, Anspitzer, Bleistifte, Scheren und Textmarker haben sie gefunden - rund tausend gefälschte Produkte weniger als noch im vergangenen Jahr. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagt Zollsprecherin Kirsten Jung. „Die Aussteller haben endlich begriffen.“