In die zuletzt zwischen Stadt und Unternehmen festgefahrene Diskussion um einen neuen Standort für die Radeberger-Gruppe kommt Bewegung. Die Stadt will das Angebot eines Landwirtes aufgreifen, der dem Frankfurter Traditionsunternehmen, das einst als Binding-Brauerei bekannt war, ein Grundstück in Nieder-Erlenbach angeboten hat. Die angeblich 17,2 Hektar große Ackerfläche liegt im nordöstlichen Zipfel Frankfurts in unmittelbarer Nähe zur neuen Bundesstraße 3, mit direktem Anschluss an die Auffahrt Bad Vilbel-Dortelweil.
Wie Wirtschaftsdezernent Boris Rhein (CDU) mitteilte, bestehen von Frankfurter Seite keine umweltrechtlichen Bedenken, das Unternehmen dort anzusiedeln. Auch planungsrechtlich erscheine diese Variante „nicht unmöglich“. Die Stadt wolle Anfang Januar mit Radeberger über diese Möglichkeit sprechen. Offen sei noch, welchen Preis der Landwirt für seine Fläche wolle. Nach Ansicht Rheins könnte dieses Angebot, das die Stadt mit Radeberger intensiv diskutieren will, den Durchbruch bringen: „Das sieht gut aus.“
Gespräche mit den Umlandgemeinden nötig
Allerdings ist das Areal planungsrechtlich als landwirtschaftlich genutzte Fläche ausgewiesen und als regionaler Grünzug. Es müssen also regionale Planungsgremien wie der Planungsverband und die Regionalversammlung Südhessen zustimmen, dass diese freie Fläche bebaut werden darf. Rhein ist überzeugt, dass in diesem Fall das Interesse überwiegen sollte, das Traditionsunternehmen in Frankfurt zu halten. Radeberger äußerte sich gestern nicht zu dem neuen Vorschlag.
Die Fraktionsvorsitzenden der schwarz-grünen Römerkoalition lobten das neue Grundstück vorsichtig, wiesen aber darauf hin, dass noch viele Fragen geklärt werden müssten. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Olaf Cunitz, sagte auf Anfrage, es handele sich augenscheinlich weder um eine Ausgleichsfläche, noch liege das Areal im Grüngürtel oder im Naturschutzgebiet. Auf die Frage, warum die gut 17 Hektar nicht schon vor Monaten Radeberger genannt worden seien, sagte Cunitz: „Das ist das Geheimnis des Planungsamts.“
Sein Kollege Markus Frank (CDU) sagte, das Gebiet wäre einfach an die Autobahn anzubinden. In jedem Fall müsste die Stadt eine Ausgleichsfläche für das Ackerland schaffen, am besten in der Nähe. Ein kleiner Haken sei, dass das Gebiet im derzeit verhandelten regionalen Flächennutzungsplan nicht als Gewerbefläche ausgewiesen sei. Deshalb seien Gespräche mit den Umlandgemeinden nötig.
Anwohner könnten Bedenken äußern
Bedenken gegen die Bebauung könnten aber nicht nur von kommunaler Seite kommen. Nahe dem neu ins Spiel gebrachten Gelände, das in Nachbarschaft zum Bad Vilbeler Stadtteil Dortelweil-West liegt, hatten Anwohner auf der anderen Seite der Bundesstraße 3 vor knapp zwei Jahren ein anderes gewerbliches Großprojekt verhindert: ein Hochregallager des Pharmaunternehmens Stada. Der Arzneimittelhersteller wollte am Rand von Dortelweil-West ein Lagergebäude von 35 Meter Höhe und 120 Meter Länge errichten. Ein solches Gebäude war im Bebauungsplan der Stadt vorgesehen, allerdings in kleinerem Umfang.
Als das Unternehmen wegen gestiegenen Bedarfs eine Erweiterung beantragte, regte sich Widerstand, der in der Gründung einer Interessengemeinschaft gipfelte, die die Anwohner dazu aufrief, rechtlich gegen die Genehmigung des Projekts vorzugehen. Die Gegner machten Sicherheitsbedenken geltend, fürchteten um den Wert ihrer Grundstücke. Am Ende zog das Unternehmen nach Florstadt und baute dort sein Lager.

