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E-Autos auf der IAA : Der Preis zu hoch, der Sound zu künstlich

Farbklecks: Elektroautos wie dieser i3 s von BMW in Halle 11 ziehen durchaus Blicke auf sich - auch dann, wenn sie weniger auffällig lackiert sind Bild: Michael Kretzer

Den Diesel-Skandal im Nacken zeigen Autobauer auf der IAA mehr E-Autos als früher. Das Publikum findet das gut. Trotzdem spricht für sie noch einiges gegen den Kauf.

          Am Stand von Citroën in Halle 8 bleibt ein Trio vor einem pechschwarzen Wagen stehen. Ein junger Mann geht auf das Auto zu, schaut es sich von vorne und hinten genauer an und dann auf die Infotafel neben dem linken Kotflügel. „Gut neunundzwanzigtausend“ ruft er der jungen Frau und dem Mann jenseits der 50 zu, mit denen er augenscheinlich zur Internationalen Automobil-Ausstellung gekommen ist. „Ouuu“, heult der Ältere angesichts der Zahl auf, wendet sich ab. Weiter geht’s im Strom der Besucher auf dem Frankfurter Messegelände.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          29.050,04 Euro, um genau zu sein, sind ihm zu viel für den Citroën Méhari, der wie ein kleiner SUV aussieht. Da spielt es auch keine Rolle, dass dieses Cabrio-Modell auf exakt 61 Stück limitiert und vom Designhaus Courrèges besonders gestylt ist mit abnehmbarem Hardtop, zusätzlichen Ablageflächen, Leichtmetallfelgen und schicken weißen Sitzen.

          Die Autobauer haben hohe Ansprüche

          Dabei passt der als Buggy geltende Kleinwagen gut in die Zeit. Ihn treibt ein Elektromotor an, durch seine Kunststoffkarosserie ist er leicht, dazu gibt es die Schutzsysteme ABS und EPS serienmäßig. 195 Kilometer weit kommt er mit einer Akkuladung. Das reicht für den Alltag im Allgemeinen locker, zumal der Akku laut Hersteller an einer normalen Steckdose binnen 13 Stunden wieder voll aufgeladen werden kann. Nicht zuletzt steht auf der Infotafel, dass der Buggy der Opel-Schwestermarke die höchste Kohlendioxid-Effizienzklasse erreicht. Doch gut 29.000 Euro für solch ein Freizeitauto mag eben nicht jeder zahlen, auch wenn es mutmaßlich gut für sein Gewissen und die Umwelt wäre.

          Aber immerhin, Elektromobilität ist nicht nur ein politisches Thema und auch kein Medienhype. Zwar sorgen wie auf den vergangenen Autoschauen in Frankfurt allem die spektakulären Flitzer für große Augen, so wie Rennwagen am Stand des französischen Reifenherstellers Michelin oder eine schnittige Limousine bei den Japanern von Lexus – von Porsche mit dem 911 GT3 und anderen Sportwagenmarken ganz zu schweigen. Die Elektroautos locken aber auch viele Besucher an. Gut zu sehen ist das zum Beispiel in Halle 11 bei BMW. Am Donnerstag hatte Konzernchef Harald Krüger die Bundeskanzlerin vor einer ins gleißende Scheinwerferlicht getauchte Fläche empfangen, auf der ausschließlich Elektroautos standen.

          Spaßmacher: Der Ampera-e von Opel vermittelt Freude am Fahren, auch im Stehen.
          Spaßmacher: Der Ampera-e von Opel vermittelt Freude am Fahren, auch im Stehen. : Bild: Michael Kretzer

          Ganz so, als baue die blau-weiße Marke keine Autos mit Benzin und Dieselmotor mehr. Sie befinde sich beim europäischen Marktführer in Sachen Elektromobilität, sagte der Manager stolz. Und kündigte an, BMW wollen bis Jahresende 100.000 E-Fahrzeuge verkaufen. Weltweit, wohlgemerkt, nicht alleine in Deutschland. Ein sportlicher Anspruch, wie ein Blick in die Halbjahreszahlen zeigt. BMW hat in den ersten sechs Monaten rund eine Million Fahrzeuge verkauft, anderthalb Prozent davon waren reine Elektroautos.

          Die Wagen sind für viele unbezahlbar

          Ob in Aussicht gestellte Modelle die Verkäufe der Münchener, die im Vergleich zu anderen Branchenriesen recht früh Elektroautos gebaut haben, antreiben werden? In der Halle 11 zieht besonders der an einen Tourenrennwagen erinnernde i Vision Dynamics viele Blicke auf sich. Reihenweise zücken Besucher ihr Smartphone oder ihre Kamera und schießen Bilder des Modells. Wer sich umdreht, sieht den sportlich-flachen i8 in einer senffarbenen matten Metalliclackierung vor sich. Ein junges Paar geht um den E-Flitzer herum, während andere seine Karosserie streicheln.

          Sie schauen auf die Infotafel. Dort steht: Das Auto kostet 134.000 Euro, in der Grundausstattung. Würden Sie diesen Wagen kaufen? „Ich finde ihn gut“, sagt er. „Aber der Preis!“ Andernorts in Hessen gibt es für so viel Geld ein Haus. „Da hätte man mehr von“, sagt der Besucher und verweist, ehe er weitergeht, noch auf die 2000 Euro „Umweltprämie“, die BMW jedem Käufer von E-Autos in Aussicht stellt. „Zweitausend“, sagt er, zieht die Augenbrauen hoch und presst die Lippen zusammen. Will sagen: Das macht den Wagen auch nicht bezahlbar.

          Mehr Ladesäulen sind notwendig

          Nun ist der i8 wohl ein unpassendes Beispiel, um auf für das breite Publikum erschwingliche E-Fahrzeuge zu sprechen zu kommen. Dessen ungeachtet ist der Preis ein Dreh- und Angelpunkt in den Gesprächen über diese Technik, die auch die Kanzlerin von der Autoindustrie klar befördert sehen möchte. „Uns muss der Wandel zu emissionsfreier Mobilität gelingen“, hatte Angela Merkel am Donnerstag in ihrer Eröffnungsrede vor den Automanagern hervorgehoben. Dass es dabei aber nicht nur um ein bezahlbares Angebot geht, macht eine Besucherin deutlich, die an diesem Samstag mit ihrem Partner eigens aus München zur IAA angereist ist.

          „Ich arbeite an einem Projekt zu Urban Mobility mit“, berichtet sie am Opel-Stand, an dem sich beide das neue Elektroauto Ampera-e ansehen. Die 30 Jahre alte Frau fährt derzeit einen SUV. „Leider“, wie sie sagt. Sie würde sich „definitiv“ ein nur mit Strom aus dem Akku angetriebenes Auto kaufen – wenn nur die Preise nicht so hoch wären und es überall Ladesäulen gäbe. Die Reichweite des Ampera-e, der mit einem vollen Akku gut 500 Kilometer weit kommt, wie Opel stolz sagt, genüge ihr.

          Das E-Auto kommt

          Einem Feldjäger, der aus Hannover an den Main gekommen ist, fahren dagegen die meisten E-Autos nicht weit genug. „Ich fahre im Jahr 60 000 Kilometer“, erläutert er und sagt, dass er sich deshalb erst vor drei Wochen einen neuen Diesel gekauft habe. Gleichwohl erwarte er, dass die E-Mobilität wichtiger werde, sagt der 23 Jahre alte Soldat. In München, wo er studiert habe, seien schon viele BMW i3 unterwegs – „da fährt sogar die Polizei i3“.

          Ein drei Jahre jüngerer Autofan sieht ebenfalls mehr E-Autos kommen. Er selbst hält es dennoch mehr mit „Verbrennern“, wie er sagt. Deshalb hat er sich bei Opel auch den Insignia GSi eingehender angesehen als den Ampera. Dabei spielten Preis und Mangel an Ladesäulen nur eine untergeordnete Rolle. „E-Autos bieten keinen Sound und keine Emotion“, bemängelt er. Und Motorengeräusche künstlich einzuspielen gehe für ihn gar nicht. „Einfach nicht echt.“

          Quelle: F.A.S.

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