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Privatleute als Geldgeber Hohe Zinsen für eine stille Teilhabe

 ·  Sieben Prozent Rendite jährlich garantiert - die stille Einlage in einem Unternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet macht es möglich. Im Insolvenzfall aber ist das Geld weg.

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Der Versender der „guten Dinge“, Manufaktum, hat es gemacht und in den Anfangsjahren auch das schwäbische Mode-Versandhaus Peter Hahn. Als Volker Hohmann, Geschäftsführer der Ikarus Design Handel GmbH mit Sitz in Gelnhausen, Mitte der neunziger Jahre vor der Frage stand, wie er die passende Finanzierung für die neue Versandsoftware hinbekomme, entschied er sich ebenfalls für das Modell, das Bankkunden mit mageren Zinsen für ihr Festgeld in diesen Tagen aufhorchen lässt.

Es nennt sich Stille Teilhaberschaft und funktioniert in der Regel so. Eine Privatperson stellt einem Unternehmen Geld zur Verfügung - bei Ikarus beträgt die Mindesteinlage 8000 Euro -, und für dieses Geld erhält sie eine Gewinnbeteiligung. Ein Mitsprache- oder Kontrollrecht hat der Stille Teilhaber nicht. Jürgen Steigerwald, Pressesprecher der Kreissparkasse Gelnhausen, nennt das Finanzierungsmodell „Ergebnisbeteiligung ohne Kontrollrecht“. Für die Unternehmen hat dies einen großen Vorteil: Sie erhalten Liquidität ohne Sicherheit und können den Kreditspielraum bei der Bank damit erweitern.

„Die Anlage wird nicht mit Verlustanteilen belastet“

Im Fall von Ikarus - das Unternehmen verdient sein Geld hauptsächlich mit dem Versand von Designmöbeln und -artikeln und unterhält zudem zwei Einrichtungshäuser in Frankfurt und Stuttgart - beläuft sich die jährlich garantierte Mindestverzinsung auf sieben Prozent. Das gilt auch für den Fall, dass der Versender in einem Jahr Verlust macht. „Die Anlage wird nicht mit Verlustanteilen belastet und bleibt in voller Höhe erhalten“, heißt es in der schriftlichen Information des Unternehmens.

Läuft es gut, beteiligt Ikarus den Geldgeber auch an der Umsatzrendite. Alles in allem sind maximal zehn Prozent Zinsen möglich. Die Verzinsung in den vergangenen Jahren beziffert Hohmann zwischen sieben und 8,5 Prozent. Für 2009 erwartet der Ikarus-Chef eine Verzinsung von 7,8 Prozent. Gibt es einen Haken? Es gibt keinen, der sich etwa in Form von Bearbeitungsgebühren im Kleingedruckten versteckt. Die Verzinsung bei der Stillen Teilhabe ist nur deshalb so hoch, weil es ein klares Risiko gibt - die Insolvenz.

Geht das Unternehmen, in dem das private Geld steckt, pleite, ist die Einlage in der Regel auch weg, weil Stille Teilhaber erst nach den übrigen Gläubigern bedient werden. „Es gibt keine Absicherung“, sagt Firmenchef Hohmann. „Wir kommunizieren das ganz klar und raten Interessenten auch davon ab, wenn es ihr einziges Geld ist.“ Daher komme es auch nur bei etwa der Hälfte der Anfragen später tatsächlich zum Einstieg.

10.000 oder 20.000 Euro im Schnitt

Im Schnitt sind es 100 Personen, die Ikarus quasi Kredit geben. Darunter sind manche schon seit zehn Jahren dabei, wie Hohmann sagt. Die Teilhaberschaft kann von beiden Seiten mit einer Frist von sechs Monaten zum Jahresende gekündigt werden. Im Schnitt investieren die Teilhaber 10.000 oder 20.000 Euro. „Das ist uns auch recht so. Wir haben lieber hundert Anleger mit einer kleinen Summe als drei mit einer großen“, sagt der Firmenchef. Die Stille Teilhaberschaft sei nicht unüblich in seiner Branche. „Regionale Banken können das Versandgeschäft nur schwer einschätzen.“

Sparkassen-Sprecher Steigerwald kennt gerade mal eine Handvoll Unternehmen, die Stille Teilhaberschaften anbieten, was nicht bedeute, dass es nicht mehr gebe. „Wie der Name schon sagt, sind sie still, man bekommt sie oft nicht mit.“ Der Ikarus-Weg, im Katalog dafür zu werben, ist insofern etwas unüblich.

Der Fachmann von der Sparkasse empfiehlt Privatinvestoren, sich vorher genau über das Unternehmen, dem sie ihr Geld überlassen wollen, zu informieren, speziell über dessen Geschäftsmodell und Entwicklungsperspektiven.

Hälfte der Finanzierung über stille Teilhaberschaften

Nach dem Gesetz - die Stille Beteiligung ist im Handelsgesetzbuch geregelt - darf der Stille Teilhaber auch den Jahresabschluss einsehen und auf seine Richtigkeit überprüfen. Ikarus behält sich vor, erst dann seine Bücher zu öffnen, wenn ein ernsthaftes Interesse an einer Beteiligung besteht. Und natürlich gibt es auch Grenzen der Beteiligung. Ikarus deckt die Hälfte seiner Unternehmensfinanzierung über Stille Teilhaberschaften ab.

Dass diese ein Unternehmen auch vor der Insolvenz retten können, zeigt das Beispiel von Johannes Genske, einem alteingesessenen Kölner Händler für ökologisch hergestellte Möbel. Ihm hatte die Deutsche Bank nach dem Flop einer Zweigstelle im Designkaufhaus Stilwerk in Düsseldorf die Konten gekündigt. Genske stand vor einer „riesigen Liquiditätslücke“. Trotz guter Umsätze und eines Konzepts konnte er keine Bank zur Unterstützung finden.

Über Stille Teilhaberschaften von 13 Stammkunden kamen schließlich die nötigen 135.000 Euro zusammen. Daraufhin gab es auch von der Sparkasse wieder Geld. Fünf Jahre später steht das Unternehmen mit einem zweistelligen Umsatzplus wieder auf soliden Füßen, und die stillen Teilhaber erhielten für das Jahr 2008 statt der garantierten vier Prozent sogar zehn Prozent Zinsen.

Stille Beteiligungen

Die Stille Gesellschaft ist bei jeder Kapital- und Personengesellschaft möglich und im Handelsgesetzbuch geregelt. Danach ist der Stille Teilhaber in jedem Fall an dem Gewinn beteiligt. Die Beteiligung am Verlust ist nicht zwingend, wie der auf Gesellschaftsrecht und Unternehmungsbeteiligungen spezialisierte Rechtsanwalt Kai Schadbach von der gleichnamigen Frankfurter Kanzlei erläutert. So kann etwa ein Verlustausschluss vertraglich vereinbart werden. In solchen Fällen wird aus der typischen eine atypische Stille Gesellschaft. Diese wird in der Regel auch dann vereinbart, wenn sich der Teilhaber einen größeren Einfluss sichern möchte, etwa über ein stärkeres Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen. In jedem Fall aber darf der Stille Gesellschafter den Jahresabschluss einsehen und auf seine Richtigkeit überprüfen. Im Fall der Insolvenz ist der Privatinvestor, sofern nichts anderes vereinbart wurde, ein einfacher Insolvenzgäubiger - das bedeutet, er wird nicht bevorzugt behandelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Einlage retten kann, ist gering. (hoff.)

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22.10.2009, 15:28 Uhr

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