12.09.2008 · Der Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank wird am Finanzplatz wesentlich gelassener aufgenommen als die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank. Mitarbeiter scheinen vorerst nicht gefährdet.
Von Tim KanningDen Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank wertet Michael Grote, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, als Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt. Denn auf mittlere Sicht, wenn die Deutsche Bank mehr als 50 Prozent an der Postbank hält, wird wohl auch deren Konzernzentrale von Bonn nach Frankfurt verlegt werden, wie Grote sagt: „Die Mitarbeiter werden sicher nicht alle nach Frankfurt versetzt, aber mehr Entscheidungsgewalt wird hier sitzen.“
Mit dem Postbank-Einstieg hat sich zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen ein Frankfurter Institut mit einem Schlag um ein gutes Stück vergrößert. Im Vergleich zur Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank, deren Nachricht wie Donnerhall durchs Bankenviertel schallte, bringt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seinen Coup eher lautlos über die Bühne. Kein Stellenabbau, keine Filialschließungen – Ackermann scheint vorerst einfach eine neue Bank ins Portfolio des Konzerns aufnehmen zu wollen, und zwar so, wie sie ist.
Deutsche Bank kauft auch Know-How
Entsprechend gelassen reagierten Arbeitnehmervertreter auf die Kunde aus Bonn. Wolfgang Hermann, der bei der Gewerkschaft Verdi in Hessen für die Deutsche Bank zuständig ist, sagte, dass es innerhalb der Bank noch keine größeren Diskussionen darüber gebe, wie es in den Belegschaften weitergehe. Er erwarte, dass das Haus vorerst eine Zwei-Banken-Strategie fahre und somit beide Belegschaften parallel nebeneinander bestehen blieben.
Das wäre auch aus Sicht von Grote, der klügste Weg. Postbank und Deutsche Bank weisen sehr unterschiedliche Kulturen auf. Während die Deutsche Bank sich vornehmlich auf das obere Kundensegment konzentriert, ist die Postbank eher Bank-für-jeden. Wie Grote sagt, gelingt es ihr, eine Kundenschicht profitabel zu bedienen, die von den übrigen Geschäftsbanken größtenteils vernachlässigt wird. Die Deutsche Bank kaufe mit dem Einstieg auch Know-How im Umgang mit dieser Massenklientel ein und sei gut damit bedient, nicht zu versuchen, die Postbank zu sehr ins eigene Haus zu integrieren.
Grote erwartet, dass die Bank die beiden Marken mindestens fünf Jahre nebeneinander bestehen lassen wird. Nicht zuletzt ginge es für die Deutsche Bank auch mit einem Imageverlust einher, wenn ihr mit viel Prestige behaftetes Logo fortan in jeder Postfiliale zu sehen sei, findet Grote. Für wahrscheinlich hält er, dass das Kreditinstitut die Postbank mit ihrer anderen Tochter, der „Discountbank“ Norisbank, vereinen wird.
DZ Bank plant Fusion
Dass die Kulturen beider Häuser sich so offensichtlich unterscheiden, hält Grote als Fachmann für Fusionen bei dem Zusammengehen eher für einen Vorteil. Bei Commerzbank und Dresdner Bank dürften sich die Kulturunterschiede nach seiner Meinung erst in der Detailarbeit offenbaren. Grote hält es für unwahrscheinlich, dass sich viele Postbankkunden von dem Haus abwenden, nur weil es jetzt zur Deutschen Bank gehört.
Indes zeichnet sich auch wenige Meter von den Doppeltürmen der Deutschen Bank, im DZ-Bank-Turm am Platz der Republik eine neue Gewichtszunahme ab. Wolfgang Kirsch, Chef des genossenschaftlichen Spitzeninstitut, will seinem Aufsichtsrat am 24. September ein Modell für die Fusion mit dem Schwesterinstitut WGZ Bank vorlegen.