http://www.faz.net/-gzg-927rk

Päckchen per E-Fahrzeug : Wenn der Postmann zweimal einlädt

Stromzapfanlage inklusive: Die Post rüstet ihren Päckchen-Vertrieb am Main teils auf E-Fahrzeuge Bild: Wolfgang Eilmes

Der Diesel hat ausgedient, zumindest zum Teil: Der Bonner Post-Konzern liefert künftig in 25 Frankfurter Bezirken Päckchen mit Elektrofahrzeugen aus.

          Markus Frank kann das Kind im Manne nicht verbergen, und er will es auch gar nicht. „Schließlich bin ich vor allem gekommen, um mal selbst zu fahren“, scherzt der Frankfurter CDU-Stadtrat und blickt mit leuchtenden Augen auf das gelbe Fahrzeug, das vor ihm steht. Mit diesen Autos wird die Deutsche Post vom 10. Oktober an einen Teil der Paketzustellung in Frankfurt übernehmen. Dann nämlich werden in 25 Zustellbezirken vor allem in der Innenstadt die großen dieselbetriebenen Transporter von DHL durch Elektrofahrzeuge ersetzt. Jährlich sparen die E-Autos gegenüber den alten Modellen pro Stück rund 1500 Liter Diesel ein. Frank ist in das Zustellzentrum des Bonner Konzerns nach Rödelheim gekommen, von wo aus die neuen, Streetscooter genannten Autos künftig starten werden. Die Initiative der Post solle den Beweis erbringen, dass E-Mobilität bereits alltagstauglich ist, sagt Frank.

          „Wir müssen künftig zweimal beladen“

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Den Streetscooter hat die gleichnamige Konzerntochter der Post eigens für die Zustellung von Päckchen und Briefen entwickelt. „Kein Firlefanz“ findet sich darin, berichtet Peter Hauerstein, der die für die Postleitzahlen-Gebiete 60, 61 und 63 zuständige Post-Niederlassung Frankfurt leitet. Im kleinen Führerhaus findet nur eine Person Platz, der Rest des Fahrzeugs besteht aus Ladefläche. Bisher hat das Unternehmen vor allem die kleinen Streetscooter im Einsatz, die in ländlichen Gebieten für die Verteilung von Briefen und Paketen genutzt werden. Die Modelle mittelgroßen Typs, die an diesem Tag in Frankfurt vorgestellt werden, sind eher für Großstädte geeignet und bereits in Metropolen wie Stuttgart und Hamburg in Betrieb. Für Zusteller wie Gabor Sepiolo ändert sich dadurch die tägliche Arbeit. Seit vier Jahren fährt er mit einem großen Transporter Pakete aus, ab Oktober ist er in seinem Bezirk mit der neuen E-Variante unterwegs. Er glaubt, dass das kleinere und damit wendigere Fahrzeug in Innenstädten leichter zu bewegen sein wird und die Auslieferung damit künftig weniger stressig werde. Allerdings glaubt er nicht, dass er damit Zeit sparen kann.

          Schließlich haben die neuen E-Fahrzeuge nur ein Fassungsvermögen von acht Kubikmetern, während die großen Transporter über ein Volumen von 20 Kubikmetern verfügen. „Wir müssen deshalb künftig zweimal beladen“, sagt Sepiolo.

          Für Peter Hauerstein sind die Streetscooter ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer CO2-neutralen Zustellung, die der Konzern bis 2050 anstrebt. Deshalb würden die Autos auch an den Stromtankstellen auf den Post-Geländen in Rödelheim und Fechenheim mit Ökostrom beladen. Allerdings nicht alle auf einmal, „denn sonst wird es plötzlich dunkel“, wie Jörg Friedrichs, der bei der Post für E-Mobilität zuständig ist, sagt. Der Streetscooter kann bis zu 80 Stundenkilometer schnell fahren und muss beim Einsatz in gewöhnlichen Zustellbezirken mit seiner Reichweite von rund 80 Kilometern im Normalbetrieb nur einmal pro Tag aufgeladen werden.

          Als der offizielle Teil der Vorstellung beendet ist, entert Stadtrat Frank eines der Autos und dreht freudestrahlend eine Runde auf dem Gelände. Als sich das Auto leise surrend nähert, macht Frank die Scheibe runter und gibt sein Urteil ab. „Fährt sich gut“, sagt er, „vielleicht ein Auto für meine Frau“.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Krise in Katalonien : Mit harter Hand gegen die Separatisten

          Madrid greift in Katalonien härter als erwartet durch, aus Protest gehen viele Katalanen auf die Straße. Regionalpräsident Puigdemont, der entmachtet werden soll, will sich noch am Samstagabend erklären.
          Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

          Mayers Weltwirtschaft : Griechenlands Bankrott

          Es ist nicht zu erwarten, dass Griechenland seine Schulden jemals zurückzahlen wird. Europa muss aufhören, sich etwas vorzumachen.

          Parlamentswahl in Tschechien : Populist Babis klarer Sieger

          Nichts scheint Andrej Babis aufzuhalten. Trotz zahlreicher Affären gewinnt der umstrittene Milliardär die Wahl in Tschechien klar. Wohin steuert der „tschechische Donald Trump“ das Land in der Mitte Europas nun?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.