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Opel-Sanierung „Der schärfste Einschnitt der Nachkriegsgeschichte“

09.12.2004 ·  Die Angaben über die Stellenstreichungen bei Opel sind widersprüchlich: Für Rüsselsheim schwanken die Zahlen zwischen 4.100 oder gar 5.500 Arbeitsplätzen. Außerdem sind Auslagerungen von Teilen des Unternehmens im Gespräch.

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Dem radikalen Sanierungskurs des weltgrößten Autoherstellers General Motors (GM) fallen allein bei der deutschen Tochter Opel in den nächsten beiden Jahren 9.500 Stellen zum Opfer. Damit wird bei dem Rüsselsheimer Traditionsunternehmen bis 2006 fast jeder dritte Arbeitsplatz gestrichen.

„Es ist der schärfste Einschnitt in der Nachkriegsgeschichte“, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Klaus Franz, am Donnerstag. Die drohenden Massenentlassungen konnten allerdings verhindert werden: Für eine „sozialverträgliche“ Gestaltung habe man GM eine Milliarde Dollar (derzeit rund 750 Millionen Euro) „aus den Rippen geschnitten“, sagte Franz auf einer Betriebsversammlung.

Freiwilliges Abfindungsangebot

„Kern der Vereinbarung ist ein freiwilliges Abfindungsangebot, das sich an alle Beschäftigten richtet sowie die Gründung von Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften an den Standorten Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern“, berichtete der Betriebsrat. 6.500 Arbeitnehmer sollen in Beschäftigungsgesellschaften wechseln oder eine Abfindung erhalten. Rund 3.000 sollen in Altersteilzeit gehen oder in Kooperationen mit Zulieferern wechseln.

4.100 Stellen in Rüsselsheim?

Nach Angaben von Personalvorstand Norbert sind am Standort Bochum 3.600 Arbeitsplätze betroffen, in Kaiserslautern 400. Demnach entfällt der Großteil mit 5.500 Stellen auf das Stammwerk in Rüsselsheim. Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Dietmar Hahn nannte dagegen für seinen Standort sogar die Zahl von 4.100 betroffenen Arbeitsplätzen.

Nach Angaben des Personalvorstandes wird Opel 2005 und 2006 trotz des Sparprogramms nicht die schwarzen Zahlen erreichen. Der Autobauer ist seit fünf Jahren in der Verlustzone und wird auch 2004 einen dreistelligen Millionenverlust verbuchen.

Management soll um 15 Prozent verkleinert werden

Auch die Zahl der Manager wird um 15 Prozent reduziert, kündigte Opel-Vorstandschef Hans Demant in der Mitarbeiterzeitung „Opel-Post“ an. Die Stimmung unter der Belegschaft in Rüsselsheim war nach Bekanntgabe der Zahlen gefaßt. Viele Mitarbeiter zeigten sich erleichtert, jetzt Fakten erfahren zu haben.

„Neben Personalmaßnahmen möchten wir Unternehmensteile auslagern oder Joint-Ventures und Partnerschaften mit anderen Unternehmen eingehen“, schrieb Demant. Dies könnten Firmen aus der Komponentenfertigung oder Lagerhaltung sein. Gespräche mit potentiellen Partnern seien bereits aufgenommen worden.

Kompromiß nur ein erster Schritt bei der Sanierung

Der erreichte Kompromiß ist nur der erste Schritt bei der Sanierung des Autobauers. „In der zweiten Phase werden nun Verhandlungen zur Standortsicherung, zur künftigen Modellvergabe und zu übertariflichen Leistungen geführt“, erklärte Opel-Chef Demant. Der Betriebsrat fordert eine Zukunftssicherung für die Standorte Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern über das Jahr 2010 hinaus.

Die besterreichbare unter den schlechten Lösungen

Der Gesamtbetriebsrat hat der Lösung nach eigenen Worten zugestimmt, um Kündigungen zu vermeiden. „Nur mit einer erfolgreichen Umsetzung der getroffenen Vereinbarung können ein Sozialplan und Massenentlassungen verhindert werden“, sagte Franz. „Unter den schlechten Lösungen - und Arbeitsplatzabbau ist immer eine schlechte Lösung - ist dies die beste Erreichbare“, kommentierte der Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Opel-Werks, Dietmar Hahn.

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