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Autobauer in der Krise : Opel kündigt allen Händlern in Europa

  • Aktualisiert am

Einer von fast 400 Opel-Händlern in ganz Deutschland in Bad Vilbel. Bild: dpa

1600 Opel-Händler stehen auf einen Schlag vor großer Unsicherheit: Das Rüsselsheimer Unternehmen will neu verhandeln, um den Handel profitabler zu machen. Einige Händler bekommen gar kein neues Angebot.

          Der in der Sanierung steckende Autobauer Opel hat sämtlichen europäischen Händlern die Verträge gekündigt. Ziel seien neue Vereinbarungen, mit denen Leistung und Profitabilität des Handels gesteigert werden könnten, sagte am Dienstag ein Unternehmenssprecher in Rüsselsheim. In Europa werden demnach rund 1600 Verträge gekündigt, auf Deutschland entfallen davon 385.

          Nur zwölf dieser Betriebe solle kein neues Angebot gemacht werden, kündigte Deutschlandchef Jürgen Keller in einem Interview mit dem Fachblatt „Autohaus“ an. Von einer Ausdünnung des Vertriebsnetzes könne deshalb keine Rede sein. Die neuen Verträge sollen jetzt verhandelt werden und Keller zufolge Anfang 2020 in Kraft treten.

          PSA verschiebt Investitionen

          Schon in den vergangenen Wochen war die laufende Sanierung Grund für unpopuläre Nachrichten um Opel. So wurde vor zwei Wochen bekannt, dass der von der französischen Peugeot-Mutter PSA übernommene Autobauer nach Wegen sucht, die im Tarifvertrag vereinbarte Gehaltserhöhung für seine Mitarbeiter nicht zahlen zu müssen.

          Wie Gewerkschaftskreise bestätigten, versucht Opel, die im Metall-Flächentarif vereinbarte Gehaltserhöhung um 4,3 Prozent vorläufig stunden zu lassen. Zugeständnisse der Mitarbeiter hat Opel nicht zu erwarten, wie der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug klarmachte.

          Auch hatte PSA am Montag eine Investitionsentscheidung für das Opel-Werk in Eisenach verschoben, nachdem Verhandlungen mit der Gewerkschaft IG Metall und Betriebsrat nicht zur gewünschten Kostensenkung geführt hatten.

          Die Arbeitnehmer bestehen auf der Erfüllung älterer Tarifverträge, die noch mit dem Opel-Vorbesitzer General Motors abgeschlossen und von PSA übernommen worden waren. Darin sind nach Lesart des thüringischen Wirtschaftsministers Wolfgang Tiefensee (SPD) beispielsweise zwei Modelle für das Werk Eisenach vorgesehen. PSA will dort aber nur einen Geländewagen bauen und nennt dazu keine Zahlen für einen möglichen Arbeitsplatzabbau.

          Strikte Sparvorgaben aus Paris

          Mitarbeiter abbauen will Opel auch mit einem neuen Abfindungsprogramm. Das mit dem Betriebsrat abgestimmte Programm richtet sich an Beschäftigte, die bislang nicht für Vorruhestand oder Altersteilzeit in Frage gekommen sind.

          Opel hat zu viel Personal an Bord, um die strikten Sparvorgaben des neuen Mutterkonzerns PSA erfüllen zu können, der Opel im vergangenen August von General Motors übernommen hat. Die Sanierung soll ohne Entlassungen und Werkschließungen ablaufen, hatten PSA-Chef Carlos Tavares und Opel-Chef Michael Lohscheller versprochen.

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