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Veröffentlicht: 24.02.2017, 10:03 Uhr

Bevorstehender Opel-Verkauf Zwei neue Autos als Mutmacher

Opel-Kenner sehen mehr Gemeinsamkeiten mit Peugeot als mit General Motors. Schon bald bringt Opel zwei Modelle auf den Markt, die zusammen mit den Franzosen entwickelt worden sind.

von , Rüsselsheim
© Reuters Ungewisse Zukunft: Könnte PSA der bessere Partner für Opel sein?

Manch einer wundert sich noch immer, wie schnell die Betriebsräte von Opel nach der ersten Aufregung Chancen eines Verkaufs an die Peugeot-Mutter PSA hervorgehoben haben. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann schwieg erst eisern, signalisierte aber dann per Twitter ebenfalls Sympathien für einen Wechsel aus dem General-Motors-Konzern (GM) zu den Franzosen. Das dürfte mit einer Analyse zusammenhängen, die im Umfeld des Autobauers zu hören ist: GM verdiene sein Geld in der Heimat und in China und dabei vor allem mit Wagen mit offener Ladefläche (Pickups) und SUVs. Zudem mangele es an Plattformen, auf deren Basis verschiedene Konzernmarken jeweils neue Autos bauen könnten. Da seien die Franzosen viel besser aufgestellt. Der geplante Verkauf von Opel könne so interpretiert werden, dass sich die Amerikaner mehr auf ihre profitablen Segmente sowie auf neue Formen der Mobilität wie autonomes Fahren und E-Autos konzentrieren wollten als auf klassische Personenkraftwagen mit Verbrennungsmotoren – sagt ein Branchenkenner, der mit den Verhältnissen bei Opel sehr vertraut ist.

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Die Entwicklung von Diesel- und Benzin-Fahrzeugen sei aber eine Stärke von Opel in Rüsselsheim. Zudem sei Europa als Markt für klassische Autos für GM wichtiger als die Vereinigten Staaten. Ein Blick in die jüngste GM-Bilanz bestätigt das: GM Europe mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall hat zuletzt 1,2 Millionen Autos im Jahr verkauft, die Mutter in Amerika 1,1Millionen. Die auf Pickups, SUV- und Cross-over-Fahrzeuge spezialisierte Marke GMC kam auf 547.000 Fahrzeuge, zudem verkaufte GM 915.000 größere Pickup-Trucks von Chevy. In Europa mangelt es GM dagegen im Gegensatz zu PSA seit Jahren an Angeboten im Kleintransporter-Segment, die über das Modell Vivaro hinausgehen. „Da kann man aber richtig Geld verdienen“, sagt ein weiterer Marktkenner, der Opel nahesteht. Erst unter Neumann habe Opel eine Strategie für solche Wagen entwickelt. Mut macht dem Experten die Kooperation von Opel und Peugeot bei den Plattformen für die neuen Modelle Crossland und Grandland. Beide wiesen eine „gute Profitabilität“ auf, sie seien ein Musterbeispiel für eine Zusammenarbeit der beiden Marken.

© reuters Peugeot wirbt mit gestiegenem Gewinn um Opel

Opel ist trotz harter Sanierung nicht profitabel

Daraus eröffneten sich Chancen, auch für andere Autotypen gemeinsame Lösungen zu finden und kostengünstig zu arbeiten, ohne Stellen abzubauen.  Opel und PSA seien darüber hinaus auf verschiedenen Märkten unterschiedlich stark. Und in manchen Ländern sei der Ruf von Opel besser als der von PSA. Der PSA-Chef äußert sich ähnlich: Mit Opel wolle man Kunden in Europa erschließen, die kein französisches Auto kauften. Autoanalysten befassen sich derweil zum Ärger vieler Opelaner mit Zahlenspielen um einen möglichen Stellenabbau – trotz der Zusage des PSA-Chefs, bestehende Tarifverträge zu achten. Das bis Ende 2018 geltende Verbot betriebsbedingter Kündigungen zählt dazu. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen etwa meint, das Stammwerk könnte besonders stark getroffen werden. Stellenabbau sei für PSA der einzige wirksame Kostenhebel. In Rüsselsheim kommen solche Aussagen naturgemäß nicht gut an.

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Innerhalb von gut zehn Jahren hat sich die Zahl der Opel-Mitarbeiter in Europa halbiert, von 70.000 auf 36.000. „Man kann also nicht sagen, es sei nicht hart genug saniert worden – nur: ohne Erfolg“, sagt einer, der die Sanierungen miterlebt hat. Profitabel sei Opel nicht. Die Firma habe Geld für Abfindungen ausgegeben statt für neue Autos. Wer Werke schließen wolle, müsse sagen, welche Modelle nicht mehr gebaut werden sollten. Zahlenspiele sorgten nur für Unsicherheit. Zudem werde bei der Kritik an den Verlusten des Autobauers eines übersehen: GM habe die deutsche Tochter – die das erste Halbjahr mit einem Gewinn von 124 Millionen Euro abgeschlossen hatte – nicht gegen den Kursverfall des Pfund abgesichert, der nach dem Brexit-Votum eingesetzt habe. Ford habe das dagegen getan und auch deshalb in Großbritannien einen Gewinn erzielt.

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