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Omnibus-Betreiber : Deutsche Touring kann weiter fahren

Fahren in eine sichere Zukunft: Fernbusse der Deutschen Touring, die als Eurolines firmieren. Bild: Wonge Bergmann

Ein Traditionsunternehmen ist gerettet: Die Deutsche Touring mit Sitz in Eschborn wird aus der Insolvenz heraus an ein kroatisches Omnibus-Unternehmen verkauft.

          Dass ein Unternehmen aus dem kleinen Kroatien einen deutschen Betrieb übernimmt, kommt auch nicht alle Tage vor. Die Beschäftigten des Eschborner Omnibus-Betreibers Deutsche Touring dürften aber aufatmen, dass es so gekommen ist. Denn das Traditionsunternehmen, das bis vor geraumer Zeit seinen Sitz in Frankfurt hatte, steckt seit einigen Monaten in der Insolvenz. Gestern nun kam die erlösende Pressemitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters Miguel Grosser aus Frankfurt: Ein Unternehmen namens Croatia Bus/Globtour Medjugorje übernimmt den Betrieb und auch die derzeit noch 92 Mitarbeiter in Deutschland.

          Manfred  Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          „Aus Sicht des Unternehmens wie der Gläubiger ist das die denkbar beste und sicherste Lösung“, schrieb der Rechtsanwalt gestern. „Croatia Bus/Globtour ist ein kompetenter Partner, der die Deutsche Touring gerade in der Phase der Insolvenz sehr unterstützt hat.“ Die Kroaten führen nicht nur den Betrieb in Deutschland fort, sondern übernehmen auch die beiden Tochtergesellschaften in Kroatien und Serbien. Für die tschechische Niederlassung gilt diese Lösung nicht, dafür laufen Grosser zufolge noch die Verhandlungen mit einem anderen Investor.

          Umsatz von 42,8 Millionen Euro im vergangenen Jahr

          Den Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters zufolge wurden während der vergangenen vier Monate nach dem Stellen des Insolvenzantrags 20 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut. Von den verbliebenen 92 Beschäftigten seien 30 in der Zentrale in Eschborn tätig, die anderen in elf Niederlassungen in der Bundesrepublik und an den Omnibus-Bahnhöfen in Stuttgart und Hannover. Die drei Tochtergesellschaften im Ausland beschäftigen weitere 112 Frauen und Männer. Der vorläufige Insolvenzverwalter lobte sich und die Beschäftigten gestern dafür, dass der Betrieb des Unternehmens in den vergangenen vier Monaten aufrecht erhalten werden konnte. In den vergangenen vier Monaten seien 172000 Fahrscheine verkauft worden.

          Wie es gestern weiter hieß, arbeiten die Deutsche Touring und das kroatische Unternehmen schon seit drei Jahrzehnten zusammen, unter anderem durch den Betrieb gemeinsamer Linien. Das Liniennetz solle nach der Übernahme am 1.September noch weiter ausgebaut werden, binnen eines Monats sei die Schaffung neuer Verbindungen von Deutschland nach Albanien und nach Montenegro geplant.

          Die Deutsche Touring GmbH wurde 1948 gegründet, sie setzte im vergangenen Jahr 42,8 Millionen Euro um, auf dem Markt tritt die GmbH gemeinsam mit anderen Betrieben unter der Bezeichnung Eurolines auf. Das Unternehmen hatte in der Zeit, in der der Fernbusverkehr in Deutschland noch nicht liberalisiert war, über Jahre für eine Verbindung von Frankfurt ins Ruhrgebiet gekämpft. Als jedoch mit Jahresbeginn 2013 die innerdeutschen Linien zugelassen wurden, verzichtete das Unternehmen darauf, in diesen boomenden Markt einzusteigen. Das wurde seinerzeit darauf zurückgeführt, dass hinter dem Konsortium die britische Gesellschaft National Express steht, die sich mit dem Unternehmen City2city selbst im Fernbusverkehr in Deutschland versuchte. So blieb der Verkehr nach Osteuropa die Domäne der Deutschen Touring.

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          Das Unternehmen Croatia Bus wiederum wurde 1990 gegründet, wie der vorläufige Insolvenzverwalter gestern wissen ließ. Es gehöre heute zur Globtour-Gruppe, die vor allem in Südosteuropa tätig sei. Das Unternehmen ist Grosser zufolge wesentlich größer als die Deutsche Touring, es beschäftigt 500 Mitarbeiter und unterhält 200 Omnibusse.

          Nach Eschborn ist die Deutsche Touring erst vor drei Jahren gezogen. Zuvor hatte das Unternehmen seinen Sitz am Rebstock in Frankfurt. Bis 2005 gehörte es zur Deutschen Bundesbahn und später zur Deutschen Bahn. Die Zahl der beförderten Passagiere wird von der Deutschen Touring für das Jahr 2014 mit 1,8 Millionen angegeben.

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