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Ökologische Dixie-Klos : Mit Sägespänen spülen

  • -Aktualisiert am

Naturverbunden: Elisabeth (links) und Séverine Felt mit der Öko-Toilette Bild: Sick, Cornelia

Dixie-Toiletten sind ein Graus, vor allem wegen ihres Geruchs. Zwei Frankfurterinnen haben eine ökologische Alternative entwickelt. Statt Plastikhäuschen stellen sie Komposttoiletten mit einer Spülung aus Sägespänen auf.

          Die Idee kommt den beiden Schwestern Elisabeth und Séverine Felt auf einer Marokko-Reise: Sie wollen sich selbständig machen – mit mobilen Komposttoiletten. So gründeten sie 2011 ihr Unternehmen Nowato und stiegen als Erste in Deutschland in die Vermietung von mobilen Komposttoiletten ein. „Wir hatten das Gefühl, damit etwas bewegen zu können“, begründet Elisabeth Felt den Schritt zum Unternehmertum.

          Drei Jahre später kurvt ihr weißer Kleintransporter über eine unbefestigte Straße im Grünen. Das Gelände gehört zur Gärtnerei Müller & Pfützner in Frankfurt-Sossenheim. Ein Stück Märchenwald mitten in der großen Stadt. Darin steht eine kleine Laube, aus verschiedenen Pappen und Hölzern geschustert, versteckt unter großen Nadelbäumen. Hier im Lager des kleinen Start-ups dienen Transportpaletten als Unterlage, daneben türmt sich ein kleiner Kompost. Alles wirkt ein wenig improvisiert, eine Firma im Freien.

          Sägespäne gegen den Uringeruch

          Auf einer Lichtung steht eines der Produkte: das Modell „Wiese“ mit Holzwänden statt Plastikhülse. Aber noch mehr unterscheidet es von den üblichen Mobiltoiletten: Hier wird nach dem Toilettengang nicht mit Wasser, sondern mit Sägespänen gespült. „So riecht es überhaupt nicht“, sagt Séverine Felt. Die Einstreu binde Gerüche und verbessere die Kompostierbarkeit. „Ökologisch“, wie sie sagen, „da kein Trinkwasser verbraucht wird und auch keinerlei Abwasser entsteht.“ Anders als bei Plastikkabinen, die mit viel Chemie das Ausgeschiedene desinfizieren, müsse hier hinterher kein Schwarzwasser energieaufwendig gereinigt werden. Die Reste werden einfach kompostiert.

          Den Bau der Außentoiletten haben sie an zwei Unternehmen ausgelagert. Ein Modell fertigt das Berufsbildungswerk Südhessen in Karben, das Jugendliche mit Behinderung ausbildet. Die anderen Toiletten schreinert die Firma Gartenfrosch aus der bayerischen Gemeinde Egling an der Paar. Das Ausleihen des günstigsten Modells kostet 100 Euro am Tag. Den vollen Service mit Wartung und Entsorgung bietet Nowato für 200 Euro am Tag. Wie bei konventionellen Anbietern sinkt der Preis pro Tag, je länger man die Toilette mietet. Will man eine Toilette kaufen, kostet das mindestens 1700 Euro. Doch nicht nur Außentoiletten gibt es bei der Firma Nowato, auch mobile Waschbecken und Innentoiletten sind im Angebot. Insgesamt verteile sich ihr Gewinn ungefähr gleich auf Verkauf und Vermietung.

          Ein WC steht im Botanischen Garten Frankfurt

          Und das Geschäft läuft. Während ihr erster Auftrag sie noch nach Berlin direkt ans Brandenburger Tor führte, laufen die Aufträge nun zusehends aus der Region ein. Ihre Komposttoiletten hätten sich in Frankfurt und Umgebung herumgesprochen. „Die Leute sind immer zufrieden“, sagt Elisabeth Felt. Ihre WC-Häuschen standen schon auf Festivals und Mittelalterfesten. Sie finden sich auf Spielplätzen und an Filmdrehorten, wie bereits an einem „Tatort“-Set. Auch die Gäste der Botanischen Gärten in Frankfurt finden in den Nowato-Modellen ein stilles Örtchen. Privatleute bestellen die Holzhäuschen zur Notdurft für Hochzeiten oder den Schrebergarten. Und die Kunden bleiben treu, viele versorgen die beiden Frauen schon seit einigen Jahren. Inzwischen sind sie auch nicht mehr die Einzigen auf dem deutschen Markt. In Hamburg, Berlin und Kassel haben sich weitere Firmen für mobile Komposttoiletten gegründet.

          Eines schätzen die beiden Unternehmerinnen nach drei Jahren mit den Komposttoiletten besonders: das Erfinden. Zusammen mit den Werkstätten tüfteln sie an neuen Modellen. Genau das Richtige, sagen sie, denn nach der Universität wollten sie keinen trockenen Job am Computer.

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