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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Neues Ladenkonzept Freya punktet mit luftigem „Reformhaus der Zukunft“

 ·  Das Reformhaus Freya macht mit seinem vor Jahresfrist in Frankfurt eröffneten Laden neuen Typs mehr Umsatz als geplant. Das Unternehmen hat zudem Nachahmer gefunden.

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Die Vorreiterin der Bio-Bewegung hechelte Jahr für Jahr der Konkurrenz hinterher: Während der Umsatz der Reformhaus-Branche abbröckelte, verkauften Handelsketten immer mehr Trockenfrüchte, Brotaufstriche, Gemüse oder Salat aus ökologischer Produktion – doch nun lässt das Frankfurter Reformhaus Freya mit einem Hoffnungszeichen aufmerken. Die vor Jahresfrist eröffnete Filiale neuen Typs an der Eschersheimer Landstraße im Stadtteil Dornbusch liegt beim Umsatz 15 Prozent über Plan, wie der geschäftsführende Gesellschafter Roland Fiedler dieser Zeitung sagte. Und er sieht noch Luft nach oben: „Auch jetzt noch kommen regelmäßig Leute vorbei und fragen: ,Seit wann sind Sie hier?’“ Mithin entdeckten viele Kunden dieses Geschäft erst noch.

Das „Reformhaus der Zukunft“ genannte Ladenkonzept unterscheidet sich schon auf den ersten Blick deutlich von den üblichen Reformhäusern. Statt vollgestopfter Regale finden die Kunden ein wohlsortiertes übersichtliches Sortiment vor. Und zudem viel Platz: Niemand muss befürchten, beim Umdrehen unfreiwillig Artikel mit Einkaufstasche oder Korb aus der Auslage zu reißen. Die dunklen Hölzer und Furniere lassen die Ladenausstattung beinahe edel anmuten und kontrastieren mit hellen Wänden und dem cremefarbenen Steinboden.

„Müssen uns stärker hinterfragen als früher“

Mit diesem Ladenkonzept, das der Neuformverbund mit der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner aus München entwickelt hat, will sich das Reformhaus Freya auf dem hart umkämpften Markt für Angebote zur gesunden Ernährung als Fachgeschäft unter Supermärkten und Drogerien behaupten. „Wir müssen uns stärker hinterfragen als früher und dabei schauen, was wir besser machen können“, meint Fiedler. Dabei setzt er auch und gerade auf qualifizierte Vollzeitmitarbeiter statt kostengünstige Aushilfen. So werden die Auszubildenden nicht nur mit kaufmännischen Belangen beschäftigt, sondern auch Themen der Reformhaus-Fachberater. „Das hätten wir vor drei Jahren noch nicht gemacht“, gibt der geschäftsführende Gesellschafter zu. Außer den Lehrlingen und Beschäftigten in der Probezeit hat das Reformhaus Freya mittlerweile laut Fiedler noch ausgewiesene Reformhaus-Fachberater. Ein Teil davon habe sich zudem auf Themen wie Allergien oder Kosmetik spezialisiert.

Mit seiner Strategie scheint der Unternehmer angesichts der Geschäftszahlen auf dem richtigen Kurs zu sein. 2009 schloss das Reformhaus Freya mit einem Umsatzzuwachs von 2,6 Prozent auf gut sechs Millionen Euro ab. Das wertet der Chef als „nicht aufregend“, weil er gerne fünf Prozent gehabt hätte – im Branchenvergleich kann sich das 75 Mitarbeiter zählende Frankfurter Unternehmen aber gut sehen lassen. Bundesweit haben die Reformhäuser zuletzt insgesamt 575,5 Millionen Euro erlöst, eine halbe Million Euro mehr als im Vorjahr, wie es bei Neuform heißt. Die Zahl der Reformhäuser sackte dagegen um 100 auf 1544 ab – im Gegensatz dazu blieb es bei zwölf Freya-Filialen. Und während die bayerische Reformhaus-Kette Vitalia im vergangenen Spätherbst einen Insolvenzantrag stellen musste, schrieb Fiedlers Unternehmen wiederum schwarze Zahlen, wenn auch angesichts der Investitionen in Läden und Personal „keine berauschenden“.

Bio-Boom schwächt sich ab

Auch hat das Reformhaus Freya zu den Konkurrenten aufgeschlossen. Denn der Bio-Fachhandel ist zuletzt um neue Verkaufsflächen bereinigt mit 3,1 Prozent kaum stärker gewachsen als das Frankfurter Handelshaus, wie es beim Bund Ökologische Landwirtschaft heißt. Der Lebensmittel-Einzelhandel inklusive der Discounter, der in der Vergangenheit mit Bio-Waren stark gewachsen war, hat sogar ein leichtes Minus von 1,1 Prozent hinnehmen müssen.

Mittlerweile hat das Reformhaus am Dornbusch schon Nachahmer gefunden. Außer dem Reformhaus im Weiterstädter Einkaufszentrum Loop 5 ist rund ein Dutzend weiterer Läden aus dem Neuformverbund nach dem Frankfurter Vorbild gestaltet. Ganz nach dem Kalkül von Wieselhuber & Partner: Schließlich soll dieses Ladenkonzept nach und nach von der Küste bis zu den Alpen ausgerollt werden und Reformhäusern einen hohen Wiedererkennungswert geben.

Größere Investitionen geplant

Fiedler wird auch selbst dazu seinen Teil beitragen. So plant er gerade einen Teilumbau seiner Filiale am Oeder Weg. Zudem sucht er für andere Geschäfte bessere Standorte. Binnen fünf Jahren dürfte er fast einen siebenstelligen Betrag in die Läden investieren, wie er vorhersagt. Auch am Freya-Angebot feilt der Unternehmer nach wie vor. Zu den Neuzugängen im Sortiment zählt eine Salatsauce, die er nach eigenem Rezept von Michas Feinkost in Frankfurt herstellen lässt. Weiter ausbauen will Fiedler auch die Naturkosmetik – „das Segment, mit dem man noch Geld verdienen kann“.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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