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Neues Konzept Wesner mischt wieder mit

2007 ging bei Möbelcity Wesner das Licht aus, zu gering schien den Inhabern die Chance auf eine rentable Zukunft. Nun wagen sie es noch einmal mit neuem Konzept.

© Frank Röth Neustart in Kriftel: Mit einem Nischenkonzept ist Wesner nun in die Möbelbranche zurückgekehrt.

Wesner ist wieder da. Nicht als Möbelcity Wesner in Frankfurt-Höchst, sondern als Wesner Wohnkomfort in Kriftel. Und nicht mehr auf gut 25000 Quadratmetern, sondern auf etwa 500. Und auch nicht mehr mit 150, sondern mit drei Angestellten.

Jochen Remmert Folgen:

Die Neugründer, die Brüder Peter und Ralf Heinemann, wissen wohl, dass in kaum einer Branche der Konkurrenzkampf so hart ist wie im Möbelhandel – und wohl nirgendwo in Deutschland härter als im Rhein-Main-Gebiet. Schließlich hatten sie 2007 das Familienunternehmen, das auf die Schreinerei ihres Urgroßvaters Wilhelm Wesner zurückging, geschlossen, weil sie keine Chance mehr auf eine rentable Zukunft sahen. „Dass ich einmal derjenige sein werde, der hier das Licht ausmachen muss, habe ich mir auch nicht träumen lassen“, hatte Peter Heinemann damals gesagt.

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Zwei Möbelfabrikanten und ein Teppichanbieter

Inzwischen ist das Licht wieder angeschaltet, die Strategie hat sich aber grundlegend geändert. Wesner ist kein Vollsortimenter mehr mit etlichen Marken, sondern beschränkt sich auf wenige Produkte, deren Hersteller sich über Qualität und Komfort definieren, ohne dabei zu teuer zu sein, wie Peter Heinemann die neue Strategie beschreibt. Es ist ein Nischenkonzept. Übernommen aus dem alten Haus haben die Heinemanns ein umfassendes Serviceangebot. Das reicht vom Hausbesuch, wenn es um die Stoff- und Farbauswahl geht, bis zum Abtransport der alten Möbel, die das neue Stück ersetzen soll – ohne Aufpreis. „In einem kleinen Haus können Sie bei Beratung und Service viel flexibler sein“, sagt Heinemann. Schon bei einer Größe wie seinerzeit in Höchst sei das kaum zu leisten.

Das Angebot bei Wesner beschränkt sich heute im Wesentlichen auf zwei Möbelfabrikanten und einen Teppichanbieter. Sessel und Sofa kommen von dem norwegischen Hersteller Ekornes, der mit seiner Marke Stressless zwar schon in Deutschland vertreten ist, sich aber stärker in der Fläche etablieren will. Daneben setzen die Brüder Heinemann auf Betten des niederländischen Unternehmens Eastborn, dessen Schlafgelegenheiten mit Spezialfederkern Sprungrahmen überflüssig machen sollen und auch auf dem weltgrößten Kreuzfahrtschiff, der Queen Mary 2, eingebaut sind, wie Heinemann stolz berichtet. Und dann sind da noch Teppiche aus der Kollektion der Fachzeitschrift „Schöner Wohnen“, die seiner Ansicht nach genau zum Qualitätsanspruch passen, den die beiden anderen Hersteller erheben. Bettwäsche noch, das war es.

Die Verhandlungen laufen

Anderswo als in der Nische haben kleine Mittelständler im deutschen Möbelhandel wohl kaum mehr eine Chance. Ein kleines Haus kann als Vollsortimenter nicht gegen die Marktmacht der Großen bestehen, etwa gegen Ikea mit einem Jahresumsatz von 3,34 Milliarden Euro, Höffner mit 1,87 Milliarden, XXXLutz mit 1,38 Milliarden oder Segmüller mit rund einer Milliarde Euro. Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels, schließt aber dennoch nicht aus, dass kleine Anbieter Chancen haben. Mit einer konsequenten Spezialisierung auf Produkte, die beispielsweise für etablierte Leute mit Anspruch auf Qualität, Funktionalität und Komfort interessant seien, könnte ein kleines Möbelhaus richtigliegen, sagt er. Der Erfolg sei aber auch hier ganz wesentlich vom Umfeld des Standorts abhängig.

Das haben sich die Brüder Heinemann nach eigenem Bekunden genau angesehen, bevor sie sich für den Standort an der Beyerbachstraße in Kriftel entschieden haben. Ein zweiter ist schon ins Auge gefasst – an der Hanauer Landstraße in Frankfurt. Die Verhandlungen laufen.

Heinemann ist „positiv überrascht“

Bevor sich die Brüder dazu entschlossen haben, doch wieder ein Möbelgeschäft zu eröffnen, haben sie sich in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika genau informiert, wie und wo in dieser Weise spezialisierte Häuser funktionieren. Den Kontakt zur Branche hatten die beiden Brüder ohnedies auch nach dem Ende in Höchst nie verloren, sie sind seither als Berater tätig gewesen.

Die Wirtschaftskrise scheint sich auf den Neustart von Wesner nicht negativ auszuwirken, im Gegenteil. Peter Heinemann ist nach eigenem Bekunden „positiv überrascht“, wie groß das Interesse der Kundschaft schon in den ersten Tagen seit der Eröffnung gewesen ist. Verwundern muss das deshalb nicht, weil in Krisenzeiten Menschen zum Cocooning neigen, zum Rückzug ins Private. Sie verschönern das eigene Heim, wenn die Welt draußen schon immer ungemütlicher wird. Genaue Zahlen liegen zwar noch nicht vor, im Möbelhandel dürfte allein dieser Effekt aber im abgelaufenen Jahr den Umsatz um fünf bis acht Prozent verbessert haben, schätzt Verbandsgeschäftsführer Grothkopp.

Quelle: F.A.Z.

 
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