21.03.2009 · Der zum neuen Fraport-Vorstandschef bestellte Stefan Schulte sieht es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, mit den Anrainern des Flughafens offen über Lasten und Chancen des Ausbaus zu sprechen. Dies sagte er der Rhein-Main-Zeitung. Hier das Interview.
Der zum neuen Fraport-Vorstandschef bestellte Stefan Schulte sieht es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, mit den Anrainern des Flughafens offen über Lasten und Chancen des Ausbaus zu sprechen. Dies sagt er im folgenden Interview der Rhein-Main-Zeitung.
Unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Stefan Schulte wird sich etwas ändern bei der Fraport AG. Was?
Zunächst einmal ist festzustellen, dass Fraport gut aufgestellt ist. Dr. Bender hat in den über 17 Jahren als Vorstandsvorsitzender das Unternehmen souverän geführt und zukunftsorientiert positioniert.
Ändert sich also nichts?
Wir wollen auf der Straße des Erfolges bleiben, dürfen uns auf unseren Lorbeeren nicht ausruhen. Unser Zukunftskurs ist klar: Wettbewerbsfähigkeit durch Ausbau, zeitgerechte Fertigstellung der neuen Landebahn und des Terminal 3, möglichst rasche Überwindung der akuten Wirtschafts- und Finanzkrise.
Wo sehen Sie abgesehen davon Handlungsbedarf?
Wir werden uns sicher noch stärker in der Frage der Kundenorientierung engagieren.
Was bedeutet das?
Wir haben gerade ein neues Projekt gestartet, dessen Name schon deutlich macht, worum es geht. Es heißt „Mit Sicherheit ein Lächeln“. Die Sicherheitskontrollen sind sozusagen die Visitenkarte des Flughafens. Uns geht es darum, unseren Mitarbeitern in der Personenkontrolle Hilfestellungen und Anreize zu geben, um mit unseren Passagieren noch freundlicher und serviceorientierter umzugehen.
Müssen angesichts von Passagierrückgängen und Airlines, die in dramatischem Wettbewerb stehen, nicht auch Sparen und Kostenmanagement ganz oben stehen?
Ein Infrastrukturunternehmen, ein Flughafenbetreiber muss in langfristigen Zyklen denken. Die wesentliche Agenda für die nächsten zehn Jahre ist grundsätzlich zunächst einmal durch den Planfeststellungsbeschluss zum Flughafenausbau vorgegeben. An der Ausbauplanung durfte ich ja in den vergangenen Jahren schon mitwirken. Ich freue mich nun darauf, an zentraler Stelle das Ausbauprojekt voranzutreiben und umzusetzen. Damit machen wir das Unternehmen wettbewerbsfähiger, stellen es zukunftssicher auf. Wir brauchen diese zusätzlichen Kapazitäten, um weiter in der Champions League der Hubs mitzuspielen, der Region Rhein- Main die weltweite Vernetzung zu bieten, ihre wirtschaftliche Prosperität zu sichern und natürlich um zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Vergessen Sie nicht: 300 000 Menschen in der Region leben vom Flughafen.
Und die Frage der Kosten, die der Rentabilität?
Jedes Unternehmen muss hier regelmäßig Anstrengungen unternehmen, das gilt auch für Fraport.
Beispielsweise bei den Bodenverkehrsdiensten?
Das ist sicherlich ein sehr wichtiges Thema, das aktuell auf der Tagesordnung steht. Ein Unternehmen muss, wenn es erfolgreich sein will, immer wieder Produktivitätsfortschritte erzielen, und dies möglichst sozialverträglich. In Zeiten wie diesen natürlich ganz besonders.
Wie lässt sich auf der Kostenseite etwas tun, wenn man so anspruchsvolle Kunden wie die Lufthansa hat?
Wir haben Lufthansa sehr viel zu verdanken. Sie hat hier ihre Homebase, sie ist unser wichtigster Kunde. Wir bieten Lufthansa aber auch eine exzellente Plattform mit bester Qualität. Und wir haben in der Summe über 100 Airlines als Kunden. Für uns ist natürlich besonders wichtig, auf die Bedürfnisse der Lufthansa einzugehen, aber für uns ist es ebenso bedeutsam, auch den anderen Airlines als Kunden einen möglichst guten Service zu bieten.
Für den Flughafen ist auch die Frage der Einbettung in der Region eine überaus wichtige Frage, sehen Sie da Handlungsbedarf?
Das Unternehmen ist in der Region sehr gut aufgestellt. Es versteht sich als ein Unternehmen der Region. Das sollten und werden wir fortsetzen. Das gilt zum Beispiel für Themen wie Umweltfonds, Regionalpark, Kultursponsoring oder Sportsponsoring in unserer Region. Außerdem ist unser soziales Engagement vorbildlich. Zur Förderung von Jugendlichen haben wir beispielsweise zwei Stiftungen, wir sind außerdem ein erstklassiger Ausbildungsbetrieb.
Reicht das?
Uns steht es gut an, den offenen Dialog mit den Nachbarn, mit den Anrainern über die Belastungen, aber auch über die Chancen des Flughafens und seines Ausbaus, über den Luftverkehr insgesamt fortzusetzen. Unsere Botschaft heißt: Wir wollen gute Nachbarn sein. Auch wir bemühen uns um die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen in der Region, pflegen einen intensiven Stakeholder-Dialog und sehen in unseren Mitbürgern, die unseren Zukunftsplänen kritisch gegenüberstehen, keine Gegner, sondern kritische Partner.