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Neuer Foto-Laden in Frankfurt : Ein gewagtes Geschäft

Neueröffnung in Frankfurter Top-Lage: Der Foto-Laden „Leistenschneider“ Bild: Wolfgang Eilmes

Nach und nach sind in der Region viele Fotogeschäfte verschwunden. Nun eröffnet eines in einer Frankfurter Top-Lage. Grund genug, einmal nachzufragen bei einem Unternehmer, der sich gegen den Trend stellt.

          Ein Fotogeschäft in der Innenstadt Frankfurt? An so manches erinnert man sich. Besier Oehling etwa und den Laden, der schlicht Kamera hieß. Alles vorbei. Doch nun wagt jemand einen Neuanfang. Heute eröffnet am Roßmarkt, also ausgerechnet ziemlich genau dort, wo einst diese beiden Geschäfte aufgeben mussten, die Filiale eines Düsseldorfer Unternehmens, das in der Region bisher kaum jemandem etwas sagen dürfte: Leistenschneider. Ein klassisches Fotogeschäft von der Art, wie sie früher überall zu finden waren.

          Manfred  Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Ohne Zweifel ein Wagnis. Denn die anderen Geschäfte hatten ja nicht ohne Grund geschlossen. Der Einzelhandel hat es schwer. Er muss sich gegen Handelsketten wie den Media-Markt und Saturn behaupten. Gemeinsam wiederum stehen den Fachgeschäften und den Elektrohandelsketten die großen Online-Versandhändler wie Amazon gegenüber.

          Von der analogen zur digitalen Fotografie

          Doch damit nicht genug. Der Fotoeinzelhandel hat noch spezielle Herausforderungen. Der Absatz von Digitalkameras ist in den vergangenen Jahren scharf zurückgegangen. Wurden im Jahr 2011 noch 8,6 Millionen Digitalkameras in Deutschland verkauft, so waren es im vergangenen Jahr gerade noch 2,9 Millionen, wie es beim Photoindustrie-Verband heißt. Ein Rückgang um zwei Drittel. Dass der Wert der Kameras etwas weniger sank, um etwa die Hälfte, ist da nur ein schwacher Trost. Hinzu kommt schließlich: Durch den Wechsel von der analogen zur digitalen Fotografie ist auch das Drumherum-Geschäft des Fachhandels weggebrochen. Früher kam der Kunde ja nicht nur alle paar Jahre, um einen neuen Fotoapparat auszusuchen. Er kaufte auch Filme, brachte sie zur Entwicklung, ließ nachträglich weitere Abzüge machen, nahm ein Fotoalbum mit. Heute reicht es vielen, was sie mit dem Smartphone aufnehmen, und den meisten ist es genug, wenn sie sich die Urlaubsbilder auf dem heimischen Computer anschauen können.

          Die Zahl der Fotogeschäfte in Deutschland sinkt seit Jahren. Bei den Marktforschern der GfK in Nürnberg heißt es, seit 2014 habe sich der Prozess noch beschleunigt, Jahr für Jahr verschwinde ein Zehntel der Läden. Besier Oehling musste im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden, ebenso das Unternehmen, das sich Kamera nannte. Von einer Kette wie Photo Porst, die in den siebziger Jahren einmal in nahezu jeder deutschen Fußgängerzone zu finden war, ist wenig geblieben.

          Eine Lücke schließen

          Soweit der Befund. Warum also eine Neueröffnung? Andreas Leistenschneider, Geschäftsführer des Familienunternehmens, dessen Geschichte bis 1898 zurückreicht, klingt recht munter. Er wolle mit dem Laden am Roßmarkt eine Lücke schließen, sagt er selbstbewusst, und fügt hinzu: Speziell für hochwertige Kameras sei der Markt nach wie vor „ganz gut“.

          Das bestätigt auch eine Mitarbeiterin der GfK in Nürnberg. „Die Fotofachgeschäfte wandeln sich zu einem High-End-Markt, die neuen hochwertigen Produkte haben einen höheren Erklärungsbedarf.“ Leistenschneider verkauft nicht nur Kameras, sondern bietet jedenfalls in Berlin und Düsseldorf auch Fotokurse an, für Anfänger und Fortgeschrittene. Dass Einzelhändler, die sich auf ein sehr kundiges Publikum spezialisiert haben, durchaus überleben können, zeigt auch GM Foto an der Taunusstraße in Frankfurt, nicht weit vom Hauptbahnhof. „Ich habe in den letzten 30 Jahren an die 20 Fotogeschäfte kommen und gehen sehen“, sagt Harald Remsperger, einer der beiden Inhaber. „Wir machen unser Ding.“ Das Unternehmen habe viele professionelle Kunden, die dennoch auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achteten. „Man muss über Jahre seinen Weg finden.“

          Preis für schickes Design

          Einen eigenen Weg gefunden hat auch der Leica-Shop am Großen Hirschgraben, der den Verkauf von Fotoapparaten dieser Marke mit Fotoausstellungen und einem ausgedehnten Angebot an Fotobüchern verbindet. Nirgendwo sonst ist auf den ersten Blick so deutlich zu erkennen, dass die Zukunft des Fotoeinzelhandels in der Hochwertigkeit liegt: Der Leica-Shop hat sogar einen Preis für sein schickes Design bekommen.

          Ein Wachstumsmarkt allerdings scheint auch der Handel mit hochwertigen Produkten nicht. Der Photoindustrie-Verband hat auch Zahlen über den Absatz von Objektiven für Spiegelreflexkameras in Deutschland veröffentlicht, den man als Indikator nehmen kann, wie sich die Nachfrage in diesem Marktsegment entwickelt. Danach waren 2012 noch 850000 Objektive verkauft worden, 2016 lediglich noch 710000. Der Rückgang fällt also geringer aus als bei Kameras insgesamt, ist aber auch nicht unbedeutend.

          Davon abgesehen müssen auch die Geschäfte, die auf Klasse statt Masse setzen, mit dem Internet zurechtkommen. „Der Wettbewerb ist knallhart“, sagt Andreas Leistenschneider, „Kameras können gut versendet werden.“ Auch seine Firma liefert seine Produkte nach Hause, genauso wie GM Foto. Die Kombination aus stationärem Handel und Onlineversand erscheint auch den Fachleuten der GfK als zukunftsweisend, oft seien große Online-Händler aus Fachgeschäften erwachsen, heißt es dort. Eine Filiale macht einen Online-Anbieter glaubwürdiger.

          Ganz verschwunden sind aber auch die ganz traditionellen Händler nicht. An der Leipziger Straße in Frankfurt hält sich Foto Firlé seit 1930. Inhaberin Dorothea Firlé berichtet, bei ihr kauften die Bockenheimer günstige Kameras und ließen wie eh und je Bewerbungsfotos machen. Es sei nach wie vor gut zu tun, sagt sie frohgemut.

          Quelle: F.A.Z.

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