11.07.2006 · Auf den ersten Blick wirken sie wie Krümel von Vollkornbrot. Doch die Bröckchen sind nicht zum Verzehr gedacht. Vielmehr kann das Produkt der Frankfurter Geohumus International GmbH enorme Mengen Wasser speichern. Das macht es interessant.
Von Thorsten WinterAuf den ersten Blick wirken sie wie Krümel von Vollkornbrot. Doch die braunen Bröckchen, die sich ein wenig wie Gummi anfühlen, sind nicht zum Verzehr gedacht. Vielmehr kann das Produkt der Frankfurter Geohumus International GmbH enorme Mengen Wasser speichern. Und das macht es interessant.
Denn das nasse Element bedeckt zwar mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche. Doch nur gut zwei Prozent davon sind für den Menschen, Tiere und Pflanzen lebensnotwendiges Süßwasser. Und dieses ist zudem höchst ungleich verteilt. Während es etwa in Deutschland mehr als ausreichend vorhanden ist, gelten viele arabische und nordafrikanische Staaten, aber auch Israel und Kenia als Wassermangelgebiete - fast allesamt Länder mit einem hohen Bevölkerungswachstum. In diesem Konflikt liegt nun die Chance für Geohumus, das gleichnamige Produkt auf der Welt zu verbreiten. Beim jüngsten Businessplan-Wettbewerb der hessischen Gründerinitiative Science4Life zählte der 2005 gegründete Betrieb schon zu den Gewinnern.
Granulat verzögert Versalzung des Bodens
Aber auch im Geschäftsalltag kann der von Wulf Bentlage geführte Betrieb erste Erfolge vorweisen. In Dubai wird derzeit das Geohumus-Granulat in einen Golfplatz eingearbeitet. Um die Grüns wirklich grün zu halten, muß der Betreiber im Monat die Anlage für rund 250.000 Euro wässern. „Unser Produkt kostet für den Platz etwa 320.000 Euro“, sagt Bentlage. Mit dieser Investition spare der Betreiber über die Lebensdauer des Granulats, die drei bis fünf Jahren betrage, etwa vier Millionen Euro an Wasserkosten. Denn Geohumus kann nach einer Studie der Gießener Universität gut das Dreißigfache seines Eigengewichts an Wasser speichern, das es nach und nach an die Pflanzen abgibt - weshalb der Platz nur noch halb so oft gewässert werden muß, wie Bentlage sagt. Ein Nebeneffekt: Das Granulat zögere in heißen Gegenden die stetige Versalzung des Bodens durch Süßwasser, das eben auch Mineralien enthalte, hinaus.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten setzt ein Betreiber einer Dattelpalmen-Plantage das Granulat ein, wie Bentlage berichtet. Als weitere mögliche Einsatzgebiete von Geohumus nennt er den Garten- und Landschaftsbau sowie den Schutz vor der Ausbreitung von Wüsten. Angesichts dessen laufe derzeit ein Test in Kabul, wo die Stadt mit Hilfe des Granulats grüner werden solle. Zudem arbeitet das Unternehmen in Botswana mit den Vereinten Nationen zusammen und in Mali mit der KfW-Bankengruppe.
Glycerin statt Erdölprodukt als Rohstoff
Das Unternehmen stellt Geohumus - ein nanotechnologisch erzeugtes Gemisch aus Lavagsteinsmehl und einer Weiterentwicklung des unter anderem in Windeln verarbeiteten Stoffs Super Absorber - auf dem Gelände der Allessa-Chemie in Frankfurt her. 1000 Tonnen kann es jährlich produzieren, was einen Umsatz von sechs Millionen Euro bedeuten würde, wie der Geschäftsführer sagt. Als Rohstoff dient noch ein Erdölprodukt - noch jedenfalls. Bentlage hat aber im Blick, künftig Glycerin zu nutzen. Dieser Stoff entsteht etwa als Abfallprodukt bei der Biodiesel-Herstellung aus Raps.
Da das holländische Unternehmen Cargill noch diesen Sommer im Industriepark Frankfurt-Höchst eine Biodieselanlage in Betrieb nehmen will, könnte Geohumus das Glycerin von dort beziehen. Der Charme: Das Granulat wäre dann ein hundertprozentiges Naturprodukt. Erste Gespräche mit Cargill hat es laut Bentlage schon gegeben.