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Natur-Textilien Verloren im Biobaumwoll-Dschungel

11.09.2008 ·  Hess Natur hat es vorgemacht, jetzt setzen auch andere Textilhäuser auf Biomode. Dem Verbraucher fällt die Orientierung jedoch schwer, und auch die Geschäfte müssen noch hinzulernen.

Von Petra Kirchhoff
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Mit der Sprache geht es schon los. Auf die Frage nach T-Shirts aus Biobaumwolle blickt die Frankfurter H&M-Verkäuferin erstaunt: „Ach, Sie meinen Organic Cotton.“ Die hänge über den ganzen Laden verteilt. Dann hält die Kundin ein T-Shirt in der Hand, auf dem steht „Organic Cotton“ und dass die Baumwolle aus umweltverträglichem Anbau ohne Einsatz von Pestiziden oder synthetischen Düngemitteln hergestellt worden sei. Dies sei gesünder für die Arbeiter und besser für die Natur. Wie viel Prozent Biobaumwolle im T-Shirt steckt, verrät das Etikett nicht, es gibt auch kein Prüf- oder Gütezeichen, das für die Einhaltung bestimmter Kriterien spreche. Der Laie muss es schon glauben.

Wie einfach ist es dagegen, Bio-Lebensmittel einzukaufen, weil eines bisher als weitgehend sicher gilt: Wo das sechseckige Bio-Siegel der EG-Ökoverordnung drauf steht, ist auch Bio drin. Das heißt ein Produkt, bei dem die Mindeststandards in der ökologischen Landwirtschaft eingehalten und regelmäßig kontrolliert werden. So etwas fehlt bisher auf dem textilen Biomarkt in Deutschland, dem Trendforscher wie Umfragen gleichwohl eine große Zukunft voraussagen.

Zertifizierung durch unabhängige Institute

Immerhin wird im Textilhaus C&A an der Zeil die Biomode nicht versteckt. Das Unternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, führender Anbieter von Textilien aus Biobaumwolle zu werden, fährt gerade eine große Bio-Kampagne. Mit T-Shirts, Hemden, Kapuzenjacken und Strümpfen aus Biobaumwolle wirbt der Filialist im Schaufenster und im Erdgeschoss für eine bessere Welt. Die Teile sind allesamt so günstig wie konventionelle Ware - die Biosocken im Sechserpack etwa kosten fünf Euro, eine Kapuzenjacke ist für 15 Euro zu haben. „Bio Cotton“ heißt das Label, das auch wenig verrät.

Auf Nachfrage erfährt der Kunde, dass die Baumwolle nach den Vorgaben der europäischen Öko-Richtlinie angebaut wird und die amerikanische Organisation „Organic Exchange“ Partner ist. Die Zertifizierung erfolge durch unabhängige Institute. Heike Scheuer vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN), der sich um einheitliche Standards für den Anbau und die Verarbeitung von Naturfasern bemüht, steht firmeneigenen Logos grundsätzlich skeptisch gegenüber. Das Problem: „Viele Unternehmen erklären ihre Label nicht ausreichend und lassen diese auch nicht von unabhängigen Zertifizierungsstellen überprüfen“, meint Scheuer.

Hoffnung setzt der Verband, in dem auch der Öko-Pionier Hess Natur aus Butzbach Mitglied ist, auf das neue GOTS-Label, das er soeben federführend mit drei anderen internationalen Organisationen entwickelt hat. Es steht für Mode aus Naturfasern, die vom Anbau über die Verarbeitung und Konfektion bis hin zur Verpackung ökologische und soziale Kriterien nach dem weltweit gültigen Global Organic Textile Standard erfüllen; aus den Anfangsbuchstaben ergibt sich der Name des neuen Labels. Es stellt nicht ganz so hohe Anforderungen an die Verarbeitung wie das Qualitätszeichen „Naturtextil Best“, garantiert gleichwohl einen hohen Standard an Bio-Qualität.

„Eingeschränkt empfehlenswert“

Nach Angaben des IVN arbeiten bereits rund 1000 Betriebe nach diesem Standard. Unter anderem hätten auch Modehäuser wie H&M sowie C&A zugesagt, einen Teil ihres Bio-Sortiments darauf umzustellen. Wenn dem so ist, sollte GOTS als Orientierung für den Verbraucher zukünftig auch auf dem Etikett vermerkt sein.

Bis dahin bietet die Datenbank der Verbraucherinitiative unter www.label-online.de eine gute Orientierung. Sie wird auch von der Verbraucherzentrale Hessen empfohlen. Bei Label-online erfahren Interessenten unter anderem, welche Gütezeichen für Ökomode es gibt und welche davon empfehlenswert sind.

Die Eigenmarke für Bio-Textilien des Otto-Konzerns, „Pure Wear“, etwa wird dort als nur „eingeschränkt empfehlenswert“ eingestuft. Der Grund: Das Zeichen sei nur eingeschränkt unabhängig. Außerdem müsse der Anteil der Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau nicht 100 Prozent betragen.

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