14.09.2007 · Ullrich Schweitzer von Hassia Mineralbrunnen kann den Seufzer kaum unterdrücken. Aufgrund des mäßigen Wetters verkaufte Hassia zuletzt weniger als vor Jahresfrist - wie Mitbewerber auch. Mineralwasserhersteller kämpfen zudem mit Billigkonkurrenz.
Von Thorsten WinterUllrich Schweitzer vermag den Seufzer kaum zu unterdrücken. Wie auch: „Wir können uns von den Einflüssen von Wettergott Petrus auch nicht befreien“, sagt der Marketing-Geschäftsführer der Hassia Mineralquellen. Die ungünstige Witterung fiel im Juli besonders ins Gewicht. Vor allem im direkten Vergleich mit dem Vorjahr, als Deutschland zur Fußball-WM von der Sonne verwöhnt wurde: „Da hatten wir Franz-Beckenbauer-Wetter“ – das auch Hassia gut bekam. Die Nachfrage schoss nach oben, diesmal brach sie ein. Auf 25 bis 30 Prozent beziffert der Geschäftsführer die Umsatzeinbußen im Juli. Schon in den sechs Monaten zuvor hatte die Hassia-Gruppe, die Marken wie Rosbacher, Bad Vibeler Urquelle und Elisabethen-Quelle vertreibt, unter dem Strich ein Minus von rund fünf Prozent hinnehmen müssen.
Allerdings gilt das keineswegs für alle Marken. „Rosbacher entwickelt sich ebenso wie Elisabethen-Quelle positiv.“ Beide gehören zu den hochpreisigen Wässern auf dem Markt, werden jedoch auch regelmäßig stark beworben. Den Erfolg erklärt Schweitzer mit dem Mehrwert, den Kunden mit diesen Marken verbinden, wie er meint. Rosbacher zielt auf sportliche Naturen, die ein hochmineraliertes Wasser suchen. Elisabethen-Quelle dagegen ist von Hassia gezielt als Konkurrenzprodukt zu den französischen Wässern aufgebaut worden, die einen geringen Mineralgehalt haben und ohne Kohlensäure auskommen. Mit beiden Produkten überzeugen die Bad Vilbeler offenbar nicht nur Kunden in der Region, sondern auch die Lufthansa. Die deutsche Fluglinie wird von Oktober an die beiden Mineralwässer auf ihren Flügen ausschenken. Und zwar auf Kosten eines französischen Produkts, wie Schweitzer anmerkt.
Discounter kommen auf 44 Prozent Marktanteil
Doch nicht allein das Wetter und die Marketingstrategien beeinflussen den Erfolg eines Mineralwassers am Markt. Vor allem die Discounter machen vielen der 223 Mineralwasserhersteller in Deutschland, von denen 31 in Hessen beheimatet sind, das Leben zunehmend schwer. Ihr Marktanteil bei Mineral-, Heil- und Tafelwässern ist 2006 auf mehr als 44 Prozent geklettert, wie es in Bonn beim Verband Deutscher Mineralbrunnen heißt. 2002 war die Quote laut Gesellschaft für Konsumforschung noch halb so hoch.
Und wie das Marktforschungsinstitut AC Nielsen ermittelt hat, haben die Discounter in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ihren Sprudelabsatz um 15,3 Prozent erhöht – Branchenprimus Aldi nicht mitgerechnet. Beim Umsatz legten sie um gut 21 Prozent zu, haben also höhere Preise durchgesetzt, wenn auch auf niedrigem Niveau. Bei den klassischen Supermärkten bietet sich ein ganz anderes Bild: Hier nahmen die Sprudelverkäufe um 3,5 Prozent zu, wobei die Umsätze um drei Prozent sanken. Anders gesagt: Mineralwässer sind in Supermärkten im Durchschnitt günstiger geworden.
Quelle sprudelt nur noch bis Ende Oktober
Zum Leidwesen kleinerer Anbieter wie Kronia Quelle in Bad Vilbel. „Preiserhöhungen bräuchten wir eigentlich dringend“, heißt es bei diesem Unternehmen, das außer der Premiummarke Kronia mit niedrigpreisigen sogenannten Drittmarken wie K3 um Käufer wirbt. Ähnlich wie Hassia berichtet Kronia über ein passables erstes Halbjahr. „Aber der Juli und der August waren ganz schwach.“ Und in den ersten Septembertagen haben sich die Verkäufe noch verschlechtert, wie es weiter hieß.
Wie bei Kronia fehlt auch bei der Astra-Quelle nicht der Hinweis auf die Billigkonkurrenz. Der Anbieter aus Bad Vilbel legt Ende Oktober die Produktion still. Zum Jahresende wird der Betrieb geschlossen und für 55 Mitarbeiter ein Sozialplan aufgelegt. „Der Wettbewerb ist ruinös.“ Doch es ist nicht allein der von den Discountern aufgebaute Preisdruck. Als Hauptgrund für das Ende des Betriebs, der seit 1927 unter dem Namen Astra-Quelle firmiert, gibt das Unternehmen den Trend weg von der Glasflasche an, auf die es lange gesetzt hat. Auch die zwischenzeitliche Umstellung auf PET-Flaschen hat die Verluste bei Glas nicht auffangen können, wie es heißt.
Mal 15 Prozent, mal ein Prozent
Angesichts der Konkurrenz aus Frankreich und des Preiswettbewerbs mit den Discountern suchen derweil traditionelle Brunnen ihr Heil in Aromazusätzen. Mit unterschiedlichem Erfolg: So berichtet Schweizer über steigende Verkäufe entsprechender Varianten der Elisabethen-Quelle, die inzwischen 15 Prozent dieser Marke ausmachten. Förstina Sprudel in Eichenzell erzielt nach eigenen Angaben zwar noch keine fünf Prozent seiner Verkäufe mit dem Abkömmlung „Förstina aqua plus“, der in drei Geschmacksrichtungen angeboten wird. Doch immerhin äußert sich ein Sprecher zufrieden. Bei Kronia dagegen wird der Ausstieg aus dem „Near Water“ genannten Segment ins Auge gefasst. Der Absatz von Kronia mit Apfel- oder Orangearoma sei sehr schwach. Beide Varianten machen kaum ein Prozent der Verkäufe aus, wie es heißt. „Wir werden beide im nächsten Jahr sehr wahrscheinlich vom Markt nehmen. Das war eine Modeerscheinung.“ Der Branchenverband spricht dagegen von dem am stärksten wachsenden Sprudelsegment.
Unabhängig vom Erfolg der jeweiligen regionalen Marke sind die Discounter auch auf diesem Teil des Sprudelmarkts auf dem Vormarsch, wie AC Nielsen berichtet. Demnach konnten Lidl & Co. im ersten Halbjahr den Absatz von „Wasser mit Geschmack“, zu dem Limonaden nicht zählen, um gut 60 Prozent steigern und den Umsatz sogar um 77 Prozent. Der Anteil am Wasserumsatz lag bei einem Fünftel.
Billig Mineralwasser
Malchus Giersch (der_rote_Hugo)
- 14.09.2007, 13:39 Uhr
@ Aldi-Mythen
Malchus Giersch (der_rote_Hugo)
- 17.09.2007, 17:04 Uhr