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Nach erfolgter Nachrüstung Dübel-Panne in Biblis könnte für RWE zum Segen werden

10.07.2008 ·  RWE will Biblis A im nächsten Jahr für 125 Tage vom Netz nehmen, um den Atommeiler zu modernisieren. Im Anschluss daran soll der Kraftwerksblock bis ins Jahr 2010 hinein und damit viele Monate länger als geplant laufen. Das Bundesumweltministerium empfiehlt RWE, Biblis A abzuschalten.

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Vieles deutet derzeit darauf hin, dass aus dem Dauerstreit um den Atomausstieg ausgerechnet Deutschlands ältester aktiver Reaktor im südhessischen Biblis als Etappensieger hervorgeht. Und dafür wäre dann zunächst weder Rückendeckung aus der Politik noch die derzeit angeblich wegen steigender Energiekosten wachsende Unterstützung aus der Bevölkerung nötig. Denn der Biblis-Betreiber RWE hat für 2009 lange Revisionszeiten von Mai bis September angekündigt. So bliebe Block A auch ohne Laufzeitverlängerung bis 2010 am Netz - und könnte sich in die Zeit nach der Bundestagswahl retten.

Was danach in punkto Atomausstieg kommt, ist ungewiss. RWE hat die Hoffnung auf eine neue, möglicherweise atomfreundliche Bundesregierung nicht aufgegeben, wie auch Kraftwerkssprecher Frank Staude am Donnerstag im Hinblick auf die Nachrüstungen im kommenden Jahr bestätigte: „Dahinter steht natürlich auch, dass wir Block A auf einem technischen Stand halten, der es uns erlaubt, ihn weiterzubetreiben, wenn die Politik uns das ermöglicht.“ Damit könnte Hessens einzigem Kernkraftwerk eine neue Zukunft geschenkt werden.

Kritiker: RWE spielt auf Zeit

Ironie der Geschichte: Als im vergangenen Jahr beide Blöcke des Kraftwerks wegen tausender falsch montierter Dübel stillstanden, hatten Kritiker und Spötter des als störungsanfälliger „Schrottreaktor“ verrufenen Kraftwerks Oberwasser. Im Nachhinein könnte sich die lange Auszeit von über einem Jahr als Segen für RWE und die Atomenergie-Anhänger entpuppen. Der 1974 gebaute Block A sollte nach dem Atomausstiegsgesetz ursprünglich 2008 stillgelegt werden. Die Produktionspause wegen der Dübel gilt nicht als Laufzeit, ebenso wenig wie die geplante Revisionspause im kommenden Jahr.

Kein Wunder also, dass Kritiker hinter den langen Pausen in Biblis eine Strategie vermuten. „RWE hat schon vor einigen Monaten deutlich gemacht, dass hier auf Zeit gespielt wird“, sagte der Atomexperte Henrik Paulitz von der Organisation Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Im hessischen Landtag warfen SPD, Grüne und Linke dem Konzern „Trickserei“ vor. Aus dem Bundesumweltministerium hieß es am Donnerstag: „Wir würden RWE vorschlagen, den Reaktor gar nicht mehr zu betreiben.“ Vielmehr sollte der Konzern die ihm zugeteilten restlichen Strommengen „auf eines der modernen und sicheren Kernkraftwerke übertragen“, sagte ein Sprecher.

SPD: Biblis muss vom Netz

Die hessische SPD sprach von einer Sabotage des Atomkompromisses: „Gerade Biblis A mit seinem unzureichenden Schutz vor Flugzeugabstürzen und damit vor Terrorangriffen muss vom Netz“, forderte Generalsekretär Norbert Schmitt. Grünen-Landeschefin Kordula Schulz-Asche erinnerte an die Zustimmung des Konzerns zum Ausstieg: „Man muss sich wirklich fragen, was das Wort eines RWE-Managers wert ist.“ In Biblis nimmt man solche Vorwürfe gelassen zur Kenntnis. Eine Revision von mehreren Monaten sei nichts Außergewöhnliches, sagte Kraftwerkssprecher Staude. „Dass wir damit hinten Laufzeit gewinnen, ist aber auch klar.“ Doch könne es sich der Konzern nicht erlauben, bei einem Kernkraftwerk nur wegen des nach Atomgesetz nahenden Endes der Laufzeit auf Nachrüstungen und Prüfungen zu verzichten.

In der Tat stand Block A in Biblis mehrmals über einen längeren Zeitraum still, seit die damalige rot-grüne Bundesregierung und die Stromindustrie im Jahr 2000 den Fahrplan für den Ausstieg aus der Atomenergie-Nutzung in Deutschland beschlossen. Nach Angaben des hessischen Umweltministeriums wurde der Meiler zwischen August 2000 und Januar 2001 genau 151 Tage vom Netz genommen, 2002 waren es 110 Tage, 2003 noch 107 und zwei Jahre später 94. Wegen der Panne mit den Dübeln lieferte der Block zudem von September 2006 bis Februar 2008 512 Tage lang keinen Strom. Üblich seien in Anlagentypen wie Biblis A und B durchschnittliche Stillstandszeiten von etwa sechs bis acht Wochen im Jahr - ohne Nachrüstmaßnahmen und Modernisierungen.

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