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Mr. Wasch Die Putz-Fabrik an der Frankfurter Staumeile

29.07.2010 ·  Bei Mr. Wash in Frankfurt wird im Sekundentakt gewaschen und gesaugt. Früher war die Anlage die größte Europas.

Von Mona Jaeger, Frankfurt
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Ob es ein guter Tag wird, entscheidet sich am Horizont. Wenn es nur Schönwetterwolken sind, darf Bernd Leibner hoffen. Wenn man mit ihm spricht, dann ist das Wetter rasch Thema. Nicht aus Verlegenheit. Leibner ist Qualitätsbeauftragter der Mr.-Wash-Anlage an der Hanauer Landstraße in Frankfurt. Zeitweise führt er dort auch noch die Geschäfte. Leibner weiß deshalb ganz genau, dass die Autoswaschlaune der Autofahrer mit jedem Sonnenstrahl steigt. Die Anlage in Frankfurt war einmal die größte Waschstraße Europas, vielleicht der Welt, das lässt sich nur schwer feststellen. Denn woran will man das messen? Andere Waschstraßen konnten vielleicht theoretisch mehr Autos waschen, an die tatsächlichen Zahlen aus Frankfurt kam jedoch keine heran, ist er sich sicher. Früher waren es einmal 5600 Fahrzeuge am Tag, die von einem der vier Förderbänder durch die Waschstraße gefahren wurden. Heute sind es nur noch zwei Bänder – und bis zu 2800 Autos täglich.

Werner Mann kommt bis zu drei Mal in der Woche zu Mr. Wash. Während er mit einem Mikrofasertuch die Felgen seines weißen 1er BMWs putzt, berichtet er, dass er Anfang der Woche zuerst mit seinem Auto vorbeikomme, so als „guter Start“. Dann seien noch das Auto seiner Frau dran und wenn die Tochter am Wochenende zu Besuch komme, putze er auch die Felgen ihres Opels mit dem Mikrofasertuch. „Ich kann ja nicht nur um mein Auto so ein Theater machen“, sagt er und positioniert sich mit breitbeinig vor der Motorhaube seines Wagens. Er schiebt die Unterlippe etwas nach vorne, dann nickt er zustimmend. Er ist zufrieden mit seiner Putzleistung.

100 Liter Wasser je Autowäsche

Eine Viertelstunde zuvor hatten sich gleich fünf Männer in Handarbeit um sein Auto gekümmert. Egal ob man das Programm für sechs, neun oder zehn Euro kauft, die fünf Männer sind immer da, um das Auto erst einmal mit einem Dampfstrahler abzuspritzen, die Nummernschilder vorne und hinten mit einem Lappen vom Fliegendreck zu befreien und schließlich gründlich einzuseifen. Musste man bis dahin das Auto noch selbst zum nächsten Mitarbeiter rollen lassen, übernimmt das jetzt das Förderband. Das zieht den Wagen durch eine blau-gelbe rotierende Bürstengasse, die ein wenig an Ikea erinnert. Etwa 100 Liter Wasser werden je Autowäsche verbraucht. Davon werden 30 Liter auf dem Gelände wieder aufbereitet. Nach fünf Minuten hören die Bürsten auf sich zu drehen. Das Auto ist jetzt sauber. Zumindest oberflächlich, würde der Autoliebhaber ergänzen, schließlich folgt jetzt die Detailpflege per Hand. Wenn sich das Rolltor am Ende der Waschstraße öffnet und die Ampel auf Grün springt, fährt der Kunde an gelben Pollern mit der blauen Aufschrift „Auto sauber, gute Laune“ vorbei und macht Platz für das nächste schmutzige Auto.

Hin und wieder hört man die Bezeichnung Putz-Palast für die Anlage von Mr. Wash. Doch das passt eigentlich nicht recht. Geputzt wird schon, um einen repräsentativer Prachtbau handelt es sich bei der Waschanlage aber ganz gewiss nicht. Der Kunde mit seinem schmutzigen Auto wird von gelben Stahlrohren, die in graue Wellblechverkleidungen münden, begrüßt. Das ist kein Palast, es ist eine Fabrik. Eine, wie sie zur Hanauer Landstraße passt.

Wie viele Autos gewaschen werden, hängt auch von den Sonnenstunden ab

Diese Straße, genauer der starke Verkehr auf ihr, hat die Anlage erst zur größten Europas gemacht, und sie dann wieder zur deutlichen Verkleinerung gezwungen. Seit 2001 habe es auf der Hanauer immer mehr Staus gegeben, sodass insgesamt weniger Autos an dem Betrieb vorbei fahren, wie Cornelis van de Pol, Prokurist von Mr. Wash in Frankfurt, sagt. „Hinzu kommt, dass man aus einem Stau heraus nicht gerade motiviert ist, sein Auto waschen zu lassen.“ Tatsächlich muss man, kommt man aus der Innenstadt, erst einmal auf der Gegenseite an der Waschstraße vorbei fahren, drehen und sich dann in den Stau auf der anderen Seite einreihen, der dort in der Regel herrscht. Deswegen wurde der Betrieb zurückgebaut. Die Spitzenzahlen von vor zehn Jahren erreichen jetzt nur noch die Betriebe in Essen, Stuttgart und Dortmund. Wenn Bernd Leibner heute im Computer nachsieht, an welcher Stelle er aktuell mit seiner Waschstraße steht, sind es in der Regel nicht mehr die Spitzenplätze, wie früher gewohnt. Heute rangiert die Anlage im Mittelfeld von den insgesamt 32.

Die Mr. Wash Auto-Service AG wurde 1964 nach dem Vorbild amerikanischer Waschstraßenkonzerne in Werne an der Lippe gegründet. Noch heute ist Mr. Wash ein Familienunternehmen. 95 Prozent der Anteile gehören der Gründerfamilie. Mit der Autowäsche erwirtschaftete das Haus 2009 etwa 55 Millionen Euro Umsatz.

Die Waschzahlen unterscheiden sich je nach Sonnenstunden beträchtlich: „Bei Regen sind es manchmal nur 200 Autos am Tag, bei gutem Wetter locker 1800“, sagt Leibner. Wer kommt, saugt in der Regel auch. 57 für Kunden kostenlose Saugplätze stehen zur Verfügung. Und glaubt man den Internetkommentaren einiger Autobesitzer, so sind es vor allen Dingen diese kostenlosen Sauger, die die Kunden anziehen. Denn die Autowäsche ist hier nicht günstiger als etwa an Tankstellen, auch die Benzinpreise der angeschlossenen Tankstelle liegen auf dem Niveau anderer Markentankstellen.

Nach Frauen muss man lange suchen

An guten Tagen kann es sogar noch bei 57 Saugern eng werden. Zu jedem Saugplatz gehören zwei Düsen, die links und rechts neben dem Auto an langen blauen Schläuchen hängen. Im Schatten der etwa 18 Quadratmeter großen Werbetafel, die die vielen Sauger anpreist, und überwacht von einem riesigen Storch vom benachbarten Baby-Center, werden nun Fußmatten ausgeschüttelt. Ein Cabriofahrer hat gerade den Fahrersitz ausgebaut, um auch an die letzten Krümel heran zu kommen. Die Frage, ob er das immer so mache, führt zu einem verständnislosen Kopfschütteln und einem kurzen „Natürlich“. Weitere Fragen sind unerwünscht.

Nach Frauen sucht man bei Mr. Wash lange. Meistens findet man sie bei Verkaufen von Waschtickets oder hinter der Kasse der Tankstelle. Die Kasse erinnert mit ihrer Glasscheibe zwischen Kassiererin und Kunde eher an den Schalter eines Teilelagers. Eben eine Fabrik, kein Palast.

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