Nirgendwo in Deutschland sei der Konkurrenzkampf im Möbelhandel so hart wie im Rhein-Main-Gebiet, heißt es in der Branche. Das jüngste Opfer ist das Frankfurter Traditionshaus Möbelcity Wesner. Vor wenigen Wochen hat es Helberger in Frankfurt und Wiesbaden getroffen, vor anderthalb Jahren Möbel Erbe in Hanau und davor Polster Richter im Rheingau, wenngleich Letzterer dem Namen nach weiter am Markt ist. Familienunternehmen und Mittelständler gehen, gekommen sind dafür Ikea und Co.
Nach mehr als 100 Jahren wird das einmal als Schreinerei Wilhelm Wesner gegründete Haus an der Kurmainzer Straße in Höchst in den nächsten Wochen liquidiert, wie Peter Heinemann, Urenkel des Gründers, sagte. „Dass ich einmal derjenige sein werde, der hier das Licht ausmachen muss, habe ich mir auch nicht träumen lassen.“ Wenn aber die Risiken dauerhaft größer als die Chancen seien, dann müsse ein Kaufmann die Konsequenzen ziehen. Man habe das Haus immer geführt, wie es sich für „ordentliche Kaufleute“ gehöre – und genauso ordentlich wolle man es nun schließen.
Endlose Rabattschlacht
Damit meint Heinemann den Umgang mit den Kunden wie mit den Beschäftigten: Alle Bestellungen würden ausgeliefert – insbesondere auch angezahlte Ware, hebt er hervor. Das Liquidationskonzept, das Heinemann mit Banken und Beratern erarbeitet hat, sieht außerdem die Gründung einer Transfergesellschaft für die gut 100 Mitarbeiter vor, um den Weg in die Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Kündigungen soll es nicht geben.
Die scheinbar endlose Rabattschlacht auf dem Möbelmarkt ist Heinemann zufolge ein entscheidender Grund dafür, dass nun das Aus für das Möbelhaus Wesner naht. Denn potentielle Kunden müssten annehmen, dass es irgendwann sicher noch günstiger gehe, wenn ständig neue Rabatte ausgerufen würden; sie kauften deshalb erst einmal gar nicht.
Dass die Branche 2006, nach vier schwachen Jahren, mit mehr als 30 Milliarden Euro Umsatz erstmals wieder mit einem Plus von drei Prozent abschließen konnte, widerspricht dieser Einschätzung nur auf den ersten Blick. Denn der Zuwachs im vergangenen Jahr ist nach einhelliger Meinung der Branche vor allem dem Vorzieheffekt der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 zu verdanken. So meldet der Bundesverband des Möbel- und Einrichtungsfachhandels denn auch für das erste Quartal dieses Jahres einen Umsatzrückgang von gut sieben Prozent, hofft allerdings auf Besserung im Herbst, der für den Möbelhandel erfahrungsgemäß besonders wichtig ist.
Wenig Nachfrage nach Qualität und Service
Gleichwohl – und das war auch von Peter Helberger zu hören, als er unlängst nach 178 Jahren das Familienunternehmen schloss – ist der Preis auch bei Möbeln inzwischen das alles beherrschende Kriterium geworden. Für die Anbieter von Qualität und Service hat dies das Überleben immer schwieriger gemacht. Das Geschäftsmodell seines Hauses, sagt Heinemann, passe zu einem nur mehr am Preis orientierten Markt jedenfalls nicht mehr.
Bei Wesner habe immer die individuelle und hochwertige Ausstattung im Mittelpunkt gestanden. Um diese den Kunden bieten zu können, seien viele qualifizierte Mitarbeiter – neben Fachberatern auch Innenarchitekten und Schreiner – nötig. Wenn Kunden aber nicht mehr bereit seien, für diesen Service zu zahlen, werde es betriebswirtschaftlich schwierig.
Dass es im Rhein-Main Gebiet gar keine Nachfrage nach individueller und hochwertiger Ausstattung des eigenen Heims mehr gibt, glaubt Heinemann dennoch nicht. Für sein Haus aber, das mit einer Verkaufsfläche von 24.000 Quadratmeter immerhin das größte Möbelhaus Frankfurts gewesen ist, wird ein Wiedererwachen dieser Nachfrage keine Rolle mehr spielen. Wegen einer Sonderinventur wird Möbelcity Wesner in den nächsten Tagen die Verkaufsräume geschlossen halten. Ist diese beendet, werden sie ein letztes Mal geöffnet – zum Räumungsverkauf.
Schade, Schade, Schade
Holger Bettenbühl (hbet)
- 05.05.2007, 02:39 Uhr

