Das wollte Petra Hesser nicht auf sich sitzen lassen. „Dem ist nicht so“, entgegnete sie knapp auf die Frage, ob neue Möbelhäuser an Autobahnabfahrten nicht Einzelhändler in den Innenstädten gefährdeten. Das Gegenteil sei der Fall, sagte die Geschäftsführerin von Ikea Deutschland gestern. Richtig sei vielmehr, dass umliegende Orte von einem Ikea-Möbelhaus profitierten, weil dessen Besucher oftmals die Gelegenheit nutzten, auch anderswo einzukaufen. Sie verwies auf eine Studie über Würzburg, wo die Handelskette im Juni ein Haus eröffnet hatte. Danach gaben 29 Prozent der knapp 1.000 befragten Besucher des neuen Möbelgeschäfts an, sie hätten entweder kurz vorher die Würzburger Innenstadt aufgesucht oder planten dies nach dem Einkauf bei Ikea.
Die Frage nach dem Verhältnis von Innenstädten und Möbelhäusern ist auch im Rhein-Main-Gebiet von Brisanz. Die Ikea Deutschland GmbH plant die Erweiterung ihres eigenen Geschäfts in Hofheim-Wallau und zudem noch die Ansiedlung mehrerer Fachmärkte auf diesem Areal. Dies hat Proteste in Wiesbaden, Mainz und sogar im weit entfernten Frankfurt hervorgerufen.
Option auf benachbartes Grundstück
Hesser ließ wissen, dass an den Plänen festgehalten werde. Dem Vernehmen nach ist die Möbelkette von ihrem ursprünglichen Vorhaben, 24.000 Quadratmeter Handelsflächen für andere Anbieter zu schaffen, abgerückt, um den Kritikern entgegenzukommen. Die Fachmärkte auf dem Areal sollen nun erheblich kleiner ausfallen. Mit einer Entscheidung der Regionalversammlung über die Ausbaupläne wird für Februar oder März gerechnet.
Hingegen sagte Hesser über das Ikea-Haus in Hanau, eine Erweiterung sei nicht geplant. Seit Jahren hatte es aus dem Konzern geheißen, eine Ausdehnung der Ladenfläche dort sei unbedingt erforderlich, weil die Filiale zu den kleineren in Deutschland zähle und es entsprechend schwierig sei, alle Artikel zu präsentieren. Aus der Pressestelle der GmbH wurde allerdings ergänzend mitgeteilt, nach wie vor wolle man sich die Option auf ein benachbartes Grundstück sichern.
China wichtigster Lieferant
Allgemein stehen die Zeichen bei der Ikea Deutschland GmbH, die ihren Sitz gleich neben dem Möbelhaus in Hofheim-Wallau hat, weiterhin auf Wachstum. Im Geschäftsjahr 2008/2009, das am 31. August zu Ende ging, stieg der Umsatz um 2,3 Prozent auf 3,34 Milliarden Euro. Rechnet man die Erlöse der beiden neuen Filialen in Köln und Würzburg heraus, bleibt immer noch ein Plus in Höhe von 1,2 Prozent. Angaben zum Gewinn machte Hesser wie in früheren Jahren nicht; sie sei zufrieden, merkte sie zu diesem Punkt lediglich an. Die Geschäftsführerin kündigte zugleich den Bau weiterer Häuser an. In Hamburg-Altona soll das erste Möbelgeschäft in einem Stadtkern entstehen; ausgerechnet dieses Vorhaben ist jedoch unter anderem wegen der Sorge um den damit verbundenen Autoverkehr heftig umstritten. Hesser sagte, generell werde es in Deutschland schwieriger, neue Möbelhäuser zu errichten. Besonders restriktiv seien die Regelungen in Baden-Württemberg.
Eine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr gab Hesser nicht ab. Die Gefahr einer steigenden Arbeitslosigkeit sei ein Unsicherheitsfaktor. Allerdings sei Ikea mit seinem preisgünstigen Angebot für die Krise wie geschaffen. Als gutes Zeichen wertete sie, dass die durchschnittliche Einkaufssumme der Kunden im Geschäftsjahr 2008/2009 trotz der Rezession von 68 auf 71 Euro gestiegen sei. Ikea betreibt in Deutschland 45 der weltweit 303 Einrichtungshäuser; mit dem erwähnten Umsatz von gut drei Milliarden ist die Bundesrepublik der wichtigste Markt der schwedischen Gruppe, die im abgelaufenen Geschäftsjahr weltweit auf einen Umsatz von 21,5 Milliarden Euro kam. Unter den Lieferanten der Möbel steht China mit einem Anteil von 20 Prozent auf dem ersten Platz, gefolgt von Polen mit 18 Prozent und Italien mit acht Prozent.
Umsatzrückgang beim „Home-Shopping“
Die Geschäftsführerin legte gestern Zahlen vor, wonach Ikea in Deutschland 2009 auf einen Marktanteil von 10,6 Prozent kommt; 2003 waren es 6,1 Prozent gewesen. Ikea hat damit die Verfolger, die Krieger-Gruppe mit Ketten wie Höffner und Kraft, die Lutz-Gruppe mit Mann Mobilia und Mömax, Porta, Segmüller und Roller weit hinter sich gelassen.
Zurück gingen die Umsätze beim „Home-Shopping“ von Ikea, und zwar um ein Fünftel. Hesser führte das darauf zurück, dass die Frachtkosten bei solchen Bestellungen nicht mehr vergünstigt seien. Sie deutete an, hier nach neuen Lösungen suchen zu wollen. Generell sei aber nicht das Internet, sondern das Möbelhaus der wichtigste Ort der Warenpräsentation.
Möbelhäuser in den Innenstädten?
Jens Decker (dej05093)
- 30.10.2009, 09:02 Uhr

