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"Mobile Games" Agentenjagd am Museumsufer

10.11.2009 ·  Sechs Menschen spielen „Scotland Yard“ - nur nicht am Wohnzimmertisch, sondern auf den Straßen Frankfurts. Einer Studie zufolge soll sich im Jahr 2012 mit sogenannten Mobile Games ein Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar machen lassen.

Von Tim Kanning
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Zwei Minuten hat Tobias Roh Zeit, dann kommen die Verfolger hinterher. Noch stehen ihre roten, grünen und blauen Spielfiguren am Hotel Roomers auf der Gutleutstraße, das kann Roh auf seinem I-Phone sehen. Er selbst ist bereits kurz vor der Untermainbrücke. Da ist die Zeit um, das Handy brummt, und die bunten Spielfiguren auf dem Handy-Stadtplan setzen sich in Bewegung. Sie kommen.

Auf Rohs schwarzer Mütze steht Mr. X. Zusammen mit fünf Mitspielern spielt der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Bonn den Brettspielklassiker „Scotland Yard“ – nur eben nicht am Wohnzimmertisch, sondern auf den Straßen Frankfurts. Bewegen beim Original die Spieler ihre bunten Figuren durch die Straßen Londons, so müssen sie in der Handy-Variante selbst laufen – die Figuren schieben sich dann über den virtuellen Stadtplan auf dem Telefonbildschirm. GPS-Ortung macht’s möglich. Muss Mr. X auf dem Spielbrett nur alle paar Züge zeigen, wo er sich gerade aufhält, so wird das schwarze Figürchen auf dem Handydisplay, also die aktuelle Position von Roh in der Frankfurter Innenstadt, nur alle drei Minuten angezeigt.

Positionsbestimmung dank Satellitenortung

Roh hat das Spiel zusammen mit anderen wissenschaftlichen Mitarbeitern und mit Unterstützung der Deutsche Telekom Laboratories entwickelt. Jetzt ist „Jagd nach Mr. X“ so weit, dass es in verschiedenen deutschen Städten vorgestellt wird. Bis Ende des Jahres soll das Spiel für die I-Phones, die Apple in Deutschland zusammen mit Handy-Verträgen der Deutschen Telekom vertreibt, erhältlich sein. Vertrieben wird es von der Telekom-Tochter Gamesload. Das Unternehmen erhofft sich davon den Aufbruch in einen Markt mit großem Potential. Einer Studie von Pricewaterhouse Coopers zufolge soll sich im Jahr 2012 mit sogenannten Mobile Games ein Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar machen lassen. Wer sich unter Computerspiele-Entwicklern umhört, bekommt immer wieder die gleiche Antwort: Alle machen was mit Mobile.

Befeuert wird der Trend durch die immer weitere Verbreitung sogenannter Smartphones. Sie können jederzeit ins Internet und über die Satellitenortung GPS anzeigen, wo sich ihr Besitzer gerade befindet. Und weil sie bewegungsempfindlich sind, kann der jeweilige Stadtplan sich immer so ausrichten, dass er in die Richtung zeigt, in die der Spieler läuft.

Mit Bus, Bahn und Taxi durch die Stadt

„Jagd nach Mr. X“ soll nur der Anfang sein. Die Reaktionen der ersten Spieler sollen dabei helfen, eine Art Entwicklungsbaukasten zu erarbeiten, sagt Ronald Fromm, Projektleiter bei den Telekom Laboratories. Mit dessen Hilfe sollten sich dann alle weiteren Spiele als Gruppenabenteuer für das Handy erarbeiten lassen. Die Telekomtochter selbst wolle dabei nicht zum Spieleentwickler werden, sagt Fromm, sondern sehe sich nur als Wegbereiter.

Auch die Agentenjagd von Roh und seinen Kollegen lässt sich in verschiedenen Versionen spielen. So können sich die Spieler auch – wie bei „Scotland Yard“ – mit Bus, Bahn und Taxi durch die Stadt bewegen. Oder, für Ambitionierte, mit Autos durch ganz Deutschland.

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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