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Messen Marke machen

 ·  Das Runde und das Eckige faszinieren doch immer wieder. Aber in welcher Beziehung stehen sie zueinander? Bevor Fußballmuffel aufhören zu lesen - es geht nicht um die Natur des Kickens, sondern um die Kultur des Schaltens. Ein Thema bei der „Design Annual“.

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Das Runde und das Eckige faszinieren doch immer wieder. Aber in welcher Beziehung stehen sie zueinander? Bevor Fußballmuffel an dieser Stelle schon wieder aufhören zu lesen - es geht nicht um die Natur des Kickens, sondern um die Kultur des Schaltens. Und mit dieser haben sich Designer in einem Workshop für das genau 100 Jahre alte Unternehmen Merten auseinandergesetzt. Herausgekommen ist ein nicht besonders verwegenes Ergebnis: ein runder Lichtschalter. Sieht man ihn aber inmitten von exakt 119 anderen eckigen Schaltern an einer in der Festhalle provisorisch aufgestellten Wand, dann erschließt sich der Systembruch.

Lichtschalter, Steckdosen, Kabelbuchsen, Temperaturregler, Bewegungsmelder - sie alle sind Teil eines Programms, das seit den sechziger Jahren eckig zu sein hat. Warum? Keiner weiß es so genau. Alle Produzenten haben sich aber diesem Systemgedanken dermaßen untergeordnet, daß jeder Schalter austauschbar ist, von welcher deutschen Firma er auch stammt. Nun aber könnte das Eckige wieder rund werden. Auf der Messe „The Design Annual“ scheint sich eine Schalter-Revolution anzubahnen.

Ein Lampenschirm, der milchig wird

Designer aber beschäftigen sich nicht nur mit Rundem und Eckigem, das wäre zu banal. Fast so banal wie die Fragen, die - geklebt auf Litfaßsäulen, Bussen und Bürgersteigen - noch bis Mittwoch Besucher aufs Messegelände locken sollen: „Hat ein Tisch immer vier Beine?“ Doch im Grunde wird damit klar, daß es der „Design Annual“ nicht um ein Fachpublikum geht. Zu gewagt ist das Sammelsurium der rund 80 Aussteller, die sich wie in einer Kleinstadt (das Thema lautet „urban“) präsentieren: Neue Küchen und Bäder werden gezeigt, Leuchten und Möbel, Teppiche und Bezugstoffe, aber auch Fitnessgeräte (Technogym), das Nachfolgemodell des Audi TT sowie Heizkessel von Viessmann. Das ist so abwechlunsgreich wie ein Schaufensterbummel in einer unbekannten Fußgängerzone, und wer sich nicht für Gegensprechanlagen oder Fahrräder interessiert, geht drei Meter weiter oder bleibt bei einem der Straßenmusikanten stehen.

Die „Design Annual“, ein gemeinsames Wagnis der Messe Frankfurt und der Stylepark AG, war schon am ersten Tag ein Erfolg. Noch ehe am Samstag abend die offizielle Eröffnung gefeiert wurde, hatte Michaela Kawohl-Gerber aus dem thüringischen Leinefelde-Worbis so viele interessierte Käufer gefunden, daß sie meinte, sie könne schon wieder nach Hause fahren. Ihr kaum drei Monate altes Unternehmen „Lightpeople“ stellt unter anderem „No1“ aus: eine Leuchte mit glasklarem Schirm, der, wird das Licht eingeschaltet, milchig-diffus wird. Eine erstaunliche Neuheit.

Laufen über beleuchtetem E-Schrott

Erstaunlich ist auch, wieviele Leuchtenhersteller nur wenige Tage nach der Messe „Light and Building“ bereit sind, schon wieder in Frankfurt auszustellen - Ingo Maurer zum Beispiel, der Magier des Lichts schlechthin, der seit Jahren nicht mehr in Köln auf der Möbelmesse vertreten ist. Reizvoll sei, sagt Bernhard Dessecker am Maurer-Stand, daß an fünf ganzen Tagen ganz normale Besucher kämen. Und Markus Schwinn von Merten spricht von „Marke machen“ und meint damit fast das gleiche: Man wolle die „Happening-Athmosphäre“ nutzen, Merten einem breiteren Publikum vorzustellen.

Dazu aber gehört auch der passende Auftritt. Und da hat Merten nicht nur einen runden Schalter zu bieten, man läuft am Stand auch auf einem durchsichtigen Boden herum, unter dem beleuchteter Elektroschrott liegt. Dagegen hat Mertens Konkurrent Gira an seinem im Grunde ungestalteten Stand wenig zu bieten: nur die üblichen eckigen Schalter.

Die „Design Annual“ ist noch bis Mittwoch abend jeweils von 12 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 20 Euro, im Internet (www.thedesignannual.com) 15 Euro. Das Ticket gilt an allen Veranstaltungstagen gleichzeitig als Fahrkarte im Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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