27.09.2006 · Rund zwei Monate nach der Übernahme durch M. DuMont Schauberg will die überregionale „Frankfurter Rundschau“ in Verlag und Druckerei nochmals 200 ihrer 750 Stellen streichen. Bis 2008 soll die „FR“ wieder profitabel werden.
Von Peter LückemeierBei der Sanierung der „Frankfurter Rundschau“ kommt es abermals zu einem tiefen Einschnitt: Auf einer Betriebsversammlung in Neu-Isenburg teilte die Geschäftsführung mit, daß die Zahl von derzeit rund 720 Stellen um 200 reduziert wird. Etwa 120 Mitarbeitern soll betriebsbedingt gekündigt werden. Geschäftsführer Karlheinz Kroke sagte auf Anfrage, nach seiner Power-Point-Präsentation sei es „mucksmäuschenstill“ gewesen - „eine Mischung aus Schock, Frust und Enttäuschung“.
Es sei in der Aussprache zu einigen „emotionalen Entgleisungen“ gekommen, für die er angesichts der Lage aber Verständnis aufbringe. Außerdem wüßten die Mitarbeiter, daß die Maßnahmen nicht der Steigerung des Gewinns von zehn auf zwanzig Prozent dienten, sondern der Sicherung des Unternehmens.
50 Prozent plus eine Stimme
Von den Entlassungen wird vor allem die Druckerei, aber auch die Redaktion betroffen sein. Die befristeten Verträge von dreizehn Redakteuren laufen aus, und die Kündigung weiterer Redakteure ist zu erwarten, wenn die Umstrukturierung der Lokalredaktionen in Angriff genommen wird. Mit der Auflagenentwicklung der bestehenden Regionalausgaben sei man nicht zufrieden, sagte Kroke. Es wird daran gedacht, hatte auch schon Chefredakteur Uwe Vorkötter im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, künftig mit weniger Lokalteilen größere Räume journalistisch abzubilden; durch solche Fusionen werde es zu weiteren betriebsbedingten Kündigungen kommen.
Buchhaltung, Einkauf und Informationstechnologie werden in eine Verwaltungs-GmbH ausgegliedert, was nach Krokes Darstellung den Vorteil hat, daß neue Mitglieder tariffrei eingestellt werden können. Außerdem werden etwa 40 feste freie journalistische Mitarbeiter, die bislang durch eine monatlicher Pauschale bezahlt werden, das Einstellungsangebot des Dienstleisters erhalten, der für die „Rundschau“ eine Redaktions-GmbH betreibt. Dort würden die Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig angestellt, zu mindestens der Entgeltung, die sie heute bekämen, sagte Kroke.
Mit dem Sanierungsprogramm „Offensive 08“ will die „Frankfurter Rundschau“, die seit Juli zu 50 Prozent und einer Stimme dem Kölner Verlagshaus M. DuMont Schauberg gehört (40 Prozent hält die SPD-Medienholding DDVG), im nächsten Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben.
Peter Lückemeier Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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