16.04.2007 · Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport blickt auf das beste erste Quartal in der Geschichte des Unternehmens zurück. Und doch ist die Zahl der Starts und Landungen in Frankfurt geringer als anderswo gewachsen.
Das erste Quartal dieses Jahres hat es gezeigt: Der Frankfurter Flughafen ist zu bemerkenswerten Zuwachsraten bei Passagieren und auch bei den Flugbewegungen in der Lage – trotz der stets beklagten Kapazitätsengpässe. So verzeichnete die Betreibergesellschaft Fraport AG am Frankfurter Flughafen in den ersten drei Monaten des Jahres eine Steigerung der Fluggastzahlen um 5,4 Prozent auf 11,8 Millionen. Die Zahl der Flugbewegungen nahm immerhin um 2,4 Prozent auf knapp 116 700 zu. Bei Fraport ist vom bisher besten ersten Quartal eines Jahres in der Unternehmensgeschichte die Rede.
Dass solche Steigerungen möglich sind, obwohl der Flughafenausbau auch nach fast einer Dekade Planung noch nicht in die Tat umgesetzt worden ist, erklärte Fraport-Vorstandschef Wilhelm Bender gestern am Rande des European Aviation Summit in Frankfurt mit dem zunehmenden Einsatz größerer Flugzeuge und einem optimierten Management der Zeitfenster für Starts und Landungen. Genauso hatte kürzlich bei der Bilanzpräsentation auch die Begründung dafür gelautet, dass in Frankfurt im gesamten Jahr 2006 trotz eines Rückgangs der Flugbewegungen um 0,2 Prozent die Zahl der Passagiere noch leicht um 1,1 Prozent auf 52,8 Millionen Fluggäste hatte wachsen können.
Mehr Kapazitäten
Woanders lief es allerdings im ersten Quartal dieses Jahres noch besser. Zumindest prozentual legte der Münchener Flughafen deutlich stärker zu. Bei den Passagieren zählte das Luftverkehrsdrehkreuz im Süden mit 7,23 Millionen ein Plus von zwölf Prozent. Die Flugbewegungen wuchsen um fünf Prozent auf 96.120. Aufs Quartal gesehen, schaffte München also sowohl bei der Zahl der Passagiere wie auch bei der der Flugbewegungen eine mehr als doppelt so hohe Steigerung wie Frankfurt. Auch München plant eine weitere Piste, um mehr Kapazitäten für Starts und Landungen zu attraktiven Zeiten anbieten zu können, operiert aber noch nicht so sehr am Rande des Möglichen, wie dies Fraport in Frankfurt nach eigenem Bekunden tut.
Auch die gestern von der Deutschen Flugsicherung in Langen veröffentlichten Angaben über die Starts und Landungen an den wichtigsten deutschen Flughäfen kann Fraport als Beleg dafür interpretieren, dass Frankfurt an der Kapazitätsgrenze arbeitet. Denn nicht nur München, sondern auch andere Flughäfen verzeichnen zum Teil deutlich höhere Steigerungsraten bei den Flugbewegungen im ersten Quartal des Jahres. So weist die Flugsicherung für Düsseldorf ein Plus von fast zehn Prozent aus, die drei Berliner Flughäfen legten demnach in den ersten drei Monaten um 2,7 Prozent zu und Leipzig gar um 31,4 Prozent.
Vorsorglich dämpfte Fraport gestern schon einmal die Erwartungen für den laufenden Monat. Denn die herausragenden Zahlen für das erste Quartal sind vor allem auch dem frühen Beginn der Osterferien Ende März geschuldet. Diese Verlagerung der Osterreisewelle in den März wird sich nun aller Wahrscheinlichkeit nach negativ auf die Zahlen im April auswirken.
Unterstützung der Bundesregierung
Was die Erweiterung des Flughafens in Frankfurt um eine Nordwestlandebahn betrifft, gab es gestern ausdrücklich Unterstützung aus den Reihen der Bundesregierung. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hob beim Aviation Summit hervor, dass ein erfolgreicher Ausbau des Luftdrehkreuzes nicht nur für Hessen, sondern für ganz Deutschland und sogar für Europa von großer Bedeutung sei. Tiefensee ist Schirmherr der Initiative Luftverkehr für Deutschland, die von Fraport, vom Flughafen München, von der Deutschen Flugsicherung in Langen und von der Lufthansa getragen wird und den Frankfurter Branchengipfel mit 300 Entscheidungsträgern der Branche aus ganz Europa veranstaltete.
Lufthansa-Konzernchef Wolfgang Mayrhuber brachte gestern die Anforderungen und Gefahren, die er für die Branche in Europa sieht, ohne Umschweife zur Sprache: Die Ausgangslage sei nicht schlecht, die Europäer unterschätzten aber die Dynamik des globalen Luftverkehrsmarktes erheblich und würden längerfristig „marginalisiert“, wenn es ihnen nicht gelinge, auf die mit hoher Geschwindigkeit und gänzlich ohne bürokratische Lasten wachsende Konkurrenz vor allem in Asien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten angemessen zu reagieren. Für unabdingbar hält Mayrhuber wie auch Bender in diesem Zusammenhang die deutliche Verkürzung von Planungsverfahren für Projekte wie eine Flughafenerweiterung – sei es in Frankfurt oder auch in München.