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Lufthansa und Fraport Am Flughafen steigt der Druck

17.07.2009 ·  Fraport und Lufthansa geben sich gerne als Partner - dabei herrscht ein Verhältnis von Dienstleister zu Kunde. Die aktuelle Krise in der Luftfahrtbranche ist geeignet, das Widerstreitende in den Interessen der beiden Häuser noch zu verstärken.

Von Jochen Remmert
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In beiden Häusern ist gerne von der Systempartnerschaft in Frankfurt die Rede. So sehr partnerschaftlich ist das Verhältnis zwischen dem Flughafenbetreiber Fraport und seinem Hauptkunden Lufthansa in der Praxis allerdings nicht. Tatsächlich handelt es sich erst einmal um ein Verhältnis von Dienstleister und Kunde.

Das heißt, was der eine auf seine Preise draufschlägt, das fehlt dem anderen im Budget. Das Geschäft der Fluggesellschaften ist aber schon in guten Zeiten hart, weil oft margenschwach. Und die aktuelle Krise, die gerade die Luftfahrtbranche beutelt, ist geeignet, das Widerstreitende in den Interessen der beiden Häuser noch zu verstärken.

Lufthansa baut 400 Stellen ab

So kündigte Fraport unlängst eine Erhöhung der Entgelte für Starts und Landungen um 8,4 Prozent in Frankfurt an. Kurz darauf verordnete der neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Christoph Franz, dem von ihm verantworteten Kerngeschäft Passage ein Sparpaket im Umfang von einer Milliarde Euro samt einem Abbau von 400 Stellen bis Ende 2011 (Sparkurs der Lufthansa wird auch Rhein-Main treffen). Die Kranichlinie schreibt in ihrer Königsdisziplin nämlich inzwischen rote Zahlen. Es habe nicht einmal den Versuch gegeben, ein Gespräch über eine für beide Seiten verträgliche Lösung zu finden, heißt es bei der Lufthansa verärgert.

Dass Fraport auch noch forsch wissen ließ, die Höhe des Aufschlags sei nicht verhandelbar, ist bei der Lufthansa auch nicht als Charmeoffensive unter Partnern angekommen, sondern als Unverschämtheit. Die Lufthansa hat sich heftig über den Systempartner beschwert, ihm gar Ignoranz für die gegenwärtige Lage der Airlines attestiert. Andere Fluggesellschaften haben sich der Meinung der Lufthansa angeschlossen. Viele von ihnen stehen derzeit unter starkem Druck.

Die Lufthansa-Passage hat im ersten Halbjahr 2009 mit knapp 26,7 Millionen Passagieren 6,1 Prozent im Vorjahresvergleich verloren. Damit nicht genug. An denen, die weiterhin fliegen, verdient die Fluggesellschaft im Durchschnitt weniger als früher, die Business-Class leidet besonders, die Economy-Class-Abschnitte wachsen in etlichen Maschinen auf Kosten des Unternehmens. Intern rechnet die Lufthansa durchaus damit, dass ein Teil der Business-Class-Kunden auch nach dem Ende der Wirtschaftskrise nicht wieder in diese ertragreiche Klasse zurückkehren wird.

Die Billig-Fluggesellschaften profitieren derweil vom Sparzwang der Unternehmen und machen der Lufthansa erfolgreich wichtige Kunden abspenstig, wie Bereichsvorstand Franz zugibt. Zudem ist mit einem Anstieg der Kerosinpreisen zu rechnen.

Fraport tritt auf die Kostenbremse

In vorstandsnahen Kreisen der Lufthansa ist daher zu hören, man hätte mehr Verständnis dafür, wenn Fraport Teile des Flughafenausbaus verschöbe, beispielsweise den Bau des Terminals 3, als dafür, mitten in der größten Krise, die die Branche seit Jahrzehnten gesehen habe, den Fluggesellschaften auch noch deutlich höhere Entgelte abzuknöpfen.

Öffentlich kann Fraport für solche Gedankenspiele kein Verständnis zeigen, sondern muss ein solches Ansinnen empört zurückweisen. Doch der Flughafenbetreiber darf sich nicht ernsthaft über die Reaktionen wundern, wenn er die Anhebung der Entgelte mit dem Flughafenausbau und dessen Nutzen für die Fluggesellschaften begründet.

So ist denn auch bei Fraport von Überlegungen zu hören, die sich mit Möglichkeiten beschäftigen, Teile des Ausbauprojekts, die Nordwestlandebahn selbst ausgenommen, zeitlich nach hinten zu verschieben. Die Krise zeitigt auch hier ihre Folgen. Denn logischerweise fehlen auch an den Flughäfen Passagiere, wenn sie den Fluggesellschaften abgehen: Fraport etwa hat zurzeit ganz erhebliche Rückgänge bei den Fluggästen und damit auch rückläufige Umsätze im Retailgeschäft zu verkraften. Verglichen mit den ersten sechs Monaten des Jahres 2008, ist das Passagieraufkommen im ersten Halbjahr 2009 um acht Prozent auf 24,1 Millionen zurückgegangen.

Dass Fraport auf die Kostenbremse treten muss, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass man die gut 5000 Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste in der Konzernmutter wenig diplomatisch dazu aufgefordert hat, Gehaltseinbußen hinzunehmen, wenn man nicht die Auslagerung oder gar den Verkauf der Sparte provozieren wolle. Erst im Nachgang verringerte das Management die angedrohten Lasten für die Leute, die vor allem für das Be- und Entladen der Flugzeuge zuständig sind. Das Ultimatum selbst besteht jedoch weiter; das Ziel, innerhalb von fünf Jahren 42 Millionen Euro zu sparen auch. Die Gewerkschaft Verdi spricht inzwischen von Streik.

Über die Bodenverkehrsdienste wird sich Fraport in Kürze auch noch an anderer Stelle streiten müssen, mit dem Systempartner Lufthansa. Die Airline hat schon für den 2010 auslaufenden Vertrag einen Nachlass von deutlich mehr als 30 Millionen Euro durchgesetzt. Und jetzt belasten auch noch erhöhte Flughafenentgelte und die Folgen der Krise die Atmosphäre zwischen den Systempartnern.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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