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Luftfahrt & Sicherheit Noch landen täglich drei Tonnen Handgepäck im Müll

 ·  EU-Verkehrskommissar Barrot lehnt es zwar ab, die Auflagen für Flüssigkeiten im Handgepäck wieder zu kippen. Doch der Flughafenbetreiber Fraport und das Handelsunternehmen Heinemann, das „Duty free“-Läden betreibt, hegen Sympathie dafür.

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Eine für viele Flugreisende lästige Vorgabe könnte bald wieder der Vergangenheit angehören. Das Europa-Parlament tritt dafür ein, die seit November geltende sogenannte Flüssigkeiten-Verordnung abzuschaffen. Nach dieser Regelung dürfen Passagiere nur Flüssigkeiten wie Rasierwasser, Haarwaschmittel oder Cremes mit ins Flugzeug nehmen, wenn der Behälter höchstens 100 Milliliter fasst. Zudem sind diese im Handgepack mitgeführten Produkte in einem durchsichtigen, verschließbaren Beutel zu verstauen, der nicht mehr als einen Liter fassen darf. Die Europäische Union (EU) hatte diese Regelung erlassen, nachdem im August 2006 in London geplante Anschläge auf Flüge nach Amerika vereitelt worden waren.

Flughafenbetreiber Fraport hegt anders als EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot durchaus Sympathie für die Linie der Parlamentarier in Brüssel. Wer zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen anordne, müsse beweisen, dass diese die Sicherheit auch tatsächlich erhöhten. Dies wiederum müsse immer wieder geprüft werden. „Insofern halten wir die Debatte für notwendig“, sagte ein Fraport-Sprecher.

500 Tonnen Müll im ersten Halbjahr

Fraport tritt mit Blick auf Sicherheitsauflagen nur als Dienstleister des Bundes und der EU auf. Auch erhält das Unternehmen über die Luftsicherheitsgebühr, die von den Fluggästen mit jedem Ticket zu zahlen ist, vom Bund letztlich einen Ausgleich für den Mehraufwand bei den Passagierkontrollen. Dessen ungeachtet berühren die Vorgaben für die Flüssgkeiten den Arbeitsablauf der Sicherheitsmitarbeiter: „Die Kontrollen sind aufwendiger und langwieriger geworden.“ Nicht zuletzt zeigt sich nicht jeder Fluggast einsichtig, wenn er etwa eine Flasche Sprudel an der Kontrollstation austrinken oder in einen Müllbehälter werfen muss. Noch ärgerlicher, weil kostenträchtiger wird es für Passagiere bei wertvolleren Artikeln, zum Beispiel vor der Sicherkeitskontrolle gekauften größeren Parfümfläschchen oder Spirituosen wie Whisky und Cognac.

Obwohl die Fluglinien ihre Passagiere aufklären sollten, was im Handgepäck nicht erlaubt ist, und Fraport im Internet unter www.airportcity-frankfurt.de die entsprechenden Informationen gibt, sind jeden Tag unzählige Fluggäste überrascht und müssen Flaschen, Tuben und Flacons abgeben. Annähernd drei Tonnen macht dieser vermeidbare Abfall aus – täglich. Allein von Januar bis Ende Juli müssen es gut 500 Tonnen gewesen sein. Genaue Zahlen hat Fraport dazu nicht parat.

„Viel Aufwand ohne messbaren Erfolg“

Der überwiegende Teil der Artikel landet in der Müllverbrennungsanlage in der Nordweststadt. Zwar werden so nicht unerhebliche Werte verbrannt, nicht zuletzt, da Getränkeflaschen mit einem Pfand belegt sind. Doch tritt dies in den Hintergrund, da das eine oder andere Behältnis nicht das enthalten könnte, was auf dem Etikett steht – sondern vielleicht eine ätzende Flüssigkeit. Um kein Risiko einzugehen, muss Fraport deshalb den Müll verbrennen lassen. Immerhin werden nach Angaben eines Fraport-Sprechers noch ungeöffnete Packungen von Körperpflegemitteln, sofern sie keinen Alkohol enthalten, gesammelt und über die kirchlichen Stellen am Flughafen an karitative Einrichtungen weitergereicht.

Aus Sicht der Gebrüder Heinemann KG, die am Flughafen das Geschäft mit verbilligten Waren („Duty free“/„Travel value“) betreibt, sorgt die Verordnung für „viel Aufwand ohne messbaren Erfolg.“ Falls diese Regelung bestehen bleibe, sollte sich die EU darum bemühen, sie weltweit durchzusetzen. Denn bisher könnten Fluggäste beispielsweise zwar auf einem Lufthansa-Flug aus Tel Aviv oder Istanbul Parfüm kaufen, sich in eine Tüte eingeschweißen lassen und durch die Kontrolle in Frankfurt nehmen – bei einem Flug mit El Al aus Israel oder Turkish Airlines gehe das aber nicht, und das Parfüm lande im Müll. Umsatzeinbußen habe der Einzelhändler aber durch die Verordnung bisher nicht erlitten, sagte ein Sprecher.

Lufthansa: Kontrollprocedere überprüfen

„Wir stellen einzelne Maßnahmen nicht in Frage“, heißt es bei dem größten Fraport-Kunden, der Lufthansa. Man verlasse sich auf die Sicherheitsexperten. Allerdings seien in den vergangenen Jahren neue Sicherheitsauflagen stets auf alte „aufgepfropft“ worden. Es könne sich aber lohnen, das gesamte Kontrollprocedere dahingehend zu überprüfen, wo „der meiste Zugewinn“ läge, ohne Reisen per Flugzeug unannehmlich zu machen.

Solange die Flüssigkeiten-Verordnung gilt, sollten Fluggäste der Einfachheit halber mit dem regulären Gepäck auch alle Fläschchen, Tuben und Dosen aufgeben, wie der Fraport-Sprecher meint. „Dann gibt es keine Schwierigkeiten.“

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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