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Lebensmittel Vom Bio-Boom überrascht

04.01.2007 ·  Der Verkauf von Bioprodukten hat stark zugenommen. Die Ökobauern können die steigende Nachfrage nicht mehr befriedigen. Zu leeren Regalen in den Geschäften scheint es jedoch noch nicht gekommen zu sein.

Von Manfred Köhler
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Die Nachfrage nach Produkten aus ökologischem Landbau steigt stärker als das Angebot. Kartoffeln, Eier, Gemüse, Fleisch - von alledem könnten die hessischen Biobauern derzeit weit mehr absetzen, als sie produzieren, wie eine Sprecherin der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen bestätigte. Die Nachfrage habe sich 2005 wie auch im vergangenen Jahr um jeweils etwa ein Sechstel erhöht - die Zahl der Produzenten sei jedoch in Hessen keineswegs gestiegen. Etwa 7,5 Prozent der hessischen Äcker werden biologisch bewirtschaftet.

Als einen der Gründe nannte die Sprecherin das Einfrieren von Fördermitteln: Für neue Betriebe habe es in den vergangenen zwei Jahren keine Subventionen vom Land gegeben, weil unklar gewesen sei, wie es mit der Agrarpolitik in Europa weitergehe. Hinzu kommt aber, dass die Branche von der stark steigenden Nachfrage überrascht wurde. Einen zusätzlichen Schub gab es, als auch die Discounter begannen, Bioware zu verkaufen. Lidl etwa führt solche Produkte seit April 2006. Langfristiges Ziel sei es, dass ein Fünftel der Produkte im Regal aus biologischem Anbau stamme, sagte ein Sprecher gestern. Derzeit liege man bei fünf Prozent.

Alnatura steigert Umsatz um 26 Prozent

Die auf Biowaren spezialisierten Lebensmittelketten erleben ohnedies einen Boom. Alnatura aus dem südhessischen Bickenbach konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 26 Prozent steigern, die Zahl der Filialen stieg von 21 auf 27. Allein im ersten Quartal 2007 sollen drei weitere Filialen eröffnet werden, darunter eine in Frankfurt-Bornheim. Die Konkurrenz der Ketten um Bioware treibt die Einkaufspreise nach oben, wie eine Alnatura-Sprecherin sagte: Wenn zum Beispiel Aldi größere Mengen Biokarotten kaufe, spüre man das auf dem Markt durchaus.

Seit sechs Monaten registriere man erstmals seit Jahren steigende Erzeugerpreise, bestätigt ein Sprecher des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft in Berlin. Der Kasseler Wissenschaftler Ulrich Hamm, der auf Lebensmittelmarketing spezialisiert ist, rief in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur die Landwirte auf, sich zusammenzuschließen, um am Markt bestehen zu können.

An Bioprodukten hat der Lebensmittelhandel nicht nur deshalb so ein großes Interesse, weil die Kundschaft danach fragt. Es lässt sich auch mehr damit verdienen. Schon bei den gleichen Gewinnmargen wie bei Produkten aus konventionellem Anbau bleibt mehr hängen, weil Ökoware teurer ist. Tatsächlich sind die Margen bei Bioprodukten aber höher, wie es bei der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle in Bonn heißt.

Discounter kaufen im Ausland zu

Immerhin scheint die steigende Nachfrage bisher nicht zu leeren Regalen in den Geschäften geführt zu haben. Im Zweifelsfall kaufen zumindest die Discounter im Ausland zu. Bei Lidl hieß es, man weiche nach Dänemark und Österreich aus. Sollten Bioprodukte mangels Angebot teurer werden, ist zudem damit zu rechnen, dass ein Teil der Kundschaft wieder zu Ware aus konventionellem Anbau greift. Mehr als 20 bis 30 Prozent Aufschlag seien die Menschen erfahrungsgemäß nicht bereit, für Bioware zu zahlen, heißt es in der Branche.

Dass die Nachfrage derzeit höher ist als das Angebot, hängt allerdings auch mit Schwierigkeiten zusammen, unter denen alle Bauern leiden. So war die Kartoffelernte 2006 ausgesprochen schlecht, wie ein Sprecher des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft erläutert: Im Juli war es für die Kartoffeln zu trocken, im August dann zu feucht.

Seit Jahresbeginn fördert das hessische Landwirtschaftsministerium nun auch neue Biobauern wieder. Ein durchschnittlicher Betrieb mit 40 Hektar bekommt gut 6000 Euro im Jahr. Im Ministerium wird aber darauf hingewiesen, dass die Bauern infolge des Anstiegs der Erzeugerpreise auch mehr verdienten.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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