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Lebensmittel Bio-Supermarkt Denn’s kommt nach Frankfurt

Der Kampf um Bio-Kunden wird härter. Mit der Kette Denn's tritt im März ein dritter Bio-Supermarktbetreiber in Franfurt an - Expansion in schwierigen Zeiten. Doch die Branche gibt sich gelassen.

© Marcus Kaufhold Vergrößern Mainz war schneller: In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt hat die Biomarkt-Kette schon eine Filiale, nun wird auch in Frankfurt ein Geschäft eröffnet.

In Wiesbaden, Fulda und Marburg gibt es die Kette Denn’s schon. Frankfurt wird der vierte hessische Standort der Denn’s Biomarkt GmbH, mit der das bayerische Handelsunternehmen Dennree als Muttergesellschaft erst sehr spät, im Jahr 2003, ins Bio-Supermarktgeschäft eingestiegen ist und seitdem den eigenen Kunden Konkurrenz macht. Denn die Dennree GmbH beliefert Supermärkte wie etwa Basic oder auch Reformhäuser mit Bio-Lebensmitteln und Naturkosmetik.

Petra Kirchhoff Folgen:  

Das Unternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den Marktführern in Europa. Das Supermarktgeschäft wächst kräftig. Allein im Jahr 2008 wurden acht neue Filialen eröffnet, bundesweit hat Denn’s inzwischen 28 Standorte. Zum Vergleich: Marktführer Alnatura betreibt 45 Supermärkte in Deutschland; zur zweitgrößten Kette nach Alnatura, Basic, gehören 23 Märkte.

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Standort an der Berger Straße

In Frankfurt wird die Tochter der Dennree GmbH rund 500 Quadratmeter an der Berger Straße 211 mieten, dort, wo bis vor kurzem noch ein Penny-Markt war. Damit buhlen in Bornheim demnächst drei reine Bio-Supermärkte um das Geld ökologisch orientierter Kunden, die ohnehin über einen Mangel an Lebensmittelangeboten nicht klagen können.

Rechnet man mal die konventionellen Supermärkte und reinen Bio-Sortimenter sowie Discounter im Umfeld der Berger Straße zusammen, so kommt man auf elf Einkaufsmärkte. Hinzuzurechnen sind noch zwei Reformhäuser, diverse kleinere Obst- und Gemüseläden sowie Verkaufsstände an der Straße und nicht zuletzt der Wochenmarkt am Mittwoch und Samstag.

Härtere Zeiten für Bio-Anbieter

Stellt sich die Frage: Wer soll das alles kaufen? Und: Wie viele Bio-Lebensmittel werden überhaupt in Zeiten der Finanzkrise noch gekauft, und wenn, wo? Aktuellen Studien zufolge könnten teure Bio-Produkte die ersten Sparopfer sein, die aus deutschen Einkaufskörben verschwinden. Knapp ein Viertel der Haushalte wollen nach einer Befragung des Marktforschungsunternehmens Nielsen angesichts der Finanzkrise auf Waren mit Bio-Siegel verzichten.

Auf härtere Zeiten müssen sich nach Einschätzung von Branchenexperten vor allem die reinen Bio-Anbieter einstellen. Diesen machen seit längerem die konventionellen Supermärkte, vor allem Discounter wie Aldi und Penny, mit günstigen Bio-Produkten Konkurrenz. Laut Statistik läuft schon jetzt mehr als ein Drittel des gesamten Bio-Umsatzes über die Discounter. Dieser Trend könnte sich in Zukunft noch verstärken.

Zuversicht trotz Finanzkrise

Die Einschätzung deckt sich mit Beobachtungen in Frankfurter Bio-Supermärkten. Bei Basic an der Berger Straße etwa stehen Kunden am Freitagabend oder Samstagmittag nur noch selten in der Schlange – anders als in den Anfangsjahren. Überschaubar ist auch der Betrieb in den Märkten von Basic und Alnatura, die sich an der Leipziger Straße in Bockenheim in unmittelbarer Nachbarschaft Konkurrenz machen.

Bei Denn’s ist man jedoch „zuversichtlich“, dass die Finanzkrise dem Bio-Geschäft nicht so viel anhaben wird wie anderen Branchen. Schließlich handele es sich beim „Bio-Gedanken“ um die Grundsatzentscheidung, „wie man leben möchte“, sagt eine Sprecherin. Mit den Preisen der Discounter könne Denn’s durchaus mithalten. „Wir sind kein Bio-Luxus-Anbieter.“

Abgeschwächter Bio-Boom

Fakt ist jedoch: Schon 2008 hat sich der Bio-Boom abgeschwächt. Hatte die Branche von 2006 auf 2007 noch ein Umsatzplus von 18 Prozent verbucht, so lagen die Zuwächse im abgelaufenen Jahr bei knapp zehn Prozent.

Das sei jedoch ein Umsatzrückgang „auf sehr hohem Niveau“, hebt eine Alnatura-Sprecherin hervor, die nicht in das allgemeine Klagelied über die Bio-Branche einstimmen möchte. Das Unternehmen selbst sei im Geschäftsjahr 2007/2008 flächenbereinigt knapp zweistellig gewachsen. In diesem Jahr plane Alnatura die Eröffnung von acht bis zehn weiteren Filialen – eine davon wird am Frankfurter Südbahnhof sein. „Und das würden wir sicherlich nicht tun, wenn wir nicht überzeugt wären, dass unser Bio-Supermarkt-Konzept trägt“, sagt die Sprecherin.

Kundenproteste wegen Lidl

Auch die neue Konkurrenz sehe man gelassen. „In Bornheim ist Platz genug für drei.“ Eine Sprecherin des Unternehmens Tegut, das etwa ein Fünftel seines Umsatzes mit Bio-Lebensmitteln macht und an der Berger Straße eine Filiale betreibt, sieht das allerdings etwas anders: „Es ist schon ein gewisser Verdrängungswettbewerb zu beobachten“, berichtet sie. Von Basic war keine aktuelle Stellungnahme zur Frankfurter Situation zu bekommen. Man verweist dagegen auf den kurz vor Weihnachten neu eröffneten sechsten Basic-Bio-Supermarkt in München, dem Stammgebiet der Kette.

In Frankfurt betreibt Basic wie Alnatura drei Märkte. Das Unternehmen hat stark unter der geplatzten Übernahme durch den Schwarz-Konzern (Lidl) gelitten. Nach Kundenprotesten und Kaufboykott zog sich der Konzern wieder zurück und wechselte die komplette Führungsmannschaft aus, vier Niederlassungen wurden nach Umsatzrückgängen geschlossen.

Reformhäuser setzen auf Beratung

Roland Fiedler, Inhaber der Reformhauskette Freya, sieht eher schwierige Zeiten für reine Bio-Supermärkte voraus: Konventionelle Lebensmittler würden beim Thema Bio immer kompetenter. „Damit gibt es für Kunden keine Notwendigkeit mehr, in einen Bio-Supermarkt zu gehen.“

Das Geschäftsmodell der Reformhäuser hält Fiedler, der zum Jahreswechsel das Reformhaus Fink in Sachsenhausen übernommen hat, dagegen für zukunftstauglich. „Wir werden mit unserer Beratungskompetenz weiterhin eine wichtige Rolle auf dem Markt spielen.“

Quelle: F.A.Z.

 
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